Angesichts des demografischen Wandels ist es von großer Bedeutung, dass Deutschland für ausländische Fachkräfte interessanter wird.

Angesichts des demografischen Wandels ist es von großer Bedeutung, dass Deutschland für ausländische Fachkräfte interessanter wird.

Bild: © melita/AdobeStock

Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung schrumpft das so genannte Erwerbspersonenpotenzial ohne Zuwanderung demografisch bedingt bis 2035 um sieben Millionen Menschen.

Selbst bei Aktivierung aller inländischen Potenziale, sei Deutschland auf eine höhere Arbeits- und Fachkräftezuwanderung angewiesen, um den Bedarf der Unternehmen zu decken und den Arbeits- und Fachkräftemangel aufzufangen.

Irmgard Pirkl: "Seit 2023 wird das Beschäftigungswachstum in Deutschland ausschließlich von ausländischen Beschäftigten getragen".Bild: © Bundesagentur für Arbeit

Frau Pirkl, wie hat sich die Bedeutung ausländischer Fachkräfte in den letzten Jahren entwickelt?
Pirkl: Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit ausländischem Pass hat sich von 2018 bis 2023 um 1,4 Millionen erhöht. Seit 2023 wird das Beschäftigungswachstum in Deutschland ausschließlich von ausländischen Beschäftigten getragen.

Ohne die Beschäftigung auch von ausländischen Arbeits- und Fachkräften fehlen perspektivisch Einnahmen in Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung sowie Steuereinnahmen.

Mit welcher Einstellung sollten Unternehmen an Fachkräfte aus dem Ausland herangehen? Und welche Maßnahmen müssen sie umsetzen, um ein inklusives Arbeitsumfeld zu gewährleisten?
Es gilt, mehr dafür zu tun, um die Bleibequote zu erhöhen, denn bisher verlassen zu viele eingewanderte Fachkräfte Deutschland wieder. Einige Unternehmen sind erfolgreich, indem sie mehrere Personen aus einem Land einstellen und diesen die Bildung eines Gemeinschaftsgefühls ermöglichen.

Gute Erfahrungen machen auch Arbeitgeber, indem sie den neuen Fachkräften eine längere Zeit Tutoren und Tutorinnen zur Seite stellen, die bei Behördengängen unterstützen, aktiv im Unternehmen integrieren und auch gemeinsame Freizeitaktivitäten initiieren.

Welche Vorteile bringen die Neuerungen des deutschen Auslandsrechts mit sich, die ab diesem Jahr umgesetzt werden?
Die Reform des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes, die schrittweise von November 2023 bis Juni 2024 in Kraft tritt, geht in die richtige Richtung. Durch verschiedene Neuregelungen wird Deutschland für ausländische Fachkräfte interessanter.

So können z.B. Menschen mit voll anerkannter beruflicher Qualifikation nun auch andere qualifizierte Beschäftigungen ausüben. Mit der Blauen Karte EU sinkt die Gehaltsgrenze für Menschen mit akademischem Abschluss auf 3.775 Euro monatlich.

Außerdem wurden sogenannte Anerkennungspartnerschaften zwischen Betrieb und Drittstaatsangehörigen eingeführt. Zusätzlich ermöglicht die Such-Chancenkarte einjährige Aufenthalte zur Arbeitsplatzsuche und eine qualifizierte Nebenbeschäftigung.

Warum sollten sich auch kommunale Unternehmen und Stadtwerke verstärkt für die Rekrutierung und Integration von ausländischen Fachkräften einsetzen?
Auch die kommunalen Unternehmen und Stadtwerke sind vom demografischen Effekt betroffen und spüren ihn zum Teil jetzt schon. Als Teil der kritischen Infrastruktur sind sie in besonderem Maße darauf angewiesen, über ausreichendes und entsprechend geschultes Personal zu verfügen.

Für diese Unternehmen ist die Rekrutierung und Integration von ausländischen Fachkräften daher ein sinnvolles und wichtiges Instrument. Viele kommunale Unternehmen, insbesondere aus dem Gesundheitswesen, machen hier bereits gute Erfahrungen.

Nicht nur in Engpassberufen, wie zum Beispiel im Pflegebereich oder der Logistik, wird sich die proaktive Anwerbung und Integration ausländischer Fachkräfte zu einem wichtigen Instrument der Personalakquise entwickeln.

Das Interview führte Katja Neuhaus

Dieser Beitrag wurde bereits in der Septemberausgabe der Printzeitung veröffentlicht. Zum Abo geht es hier.

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