In einer knappen Meldung haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) das Ende der Tätigkeit von Eva Kreienkamp mitgeteilt: Der BVG-Aufsichtsrat „hat in seiner Sitzung am 26. April einstimmig beschlossen, der Gewährträgerversammlung der BVG die sofortige Abberufung und Freistellung von Eva Kreienkamp als Vorstandsvorsitzende und Mitglied des Vorstands vorzuschlagen“.
Die Versammlung wird vom Berliner Senat bestellt, ihr gehören vor allem Mitglieder verschiedener Senatsverwaltungen an. Sie tritt nach dpa-Informationen am Donnerstag zusammen.
Nachfolger kommt zum Jahreswechsel
Bereits im Oktober 2022 war bekannt geworden, dass der Aufsichtsrat den Vertrag von Kreienkamp nicht verlängern wird. Ende September hätte die reguläre Amtszeit geendet.
Ihr Nachfolger ist bereits bekannt: Henrik Falk wird ab dem 1. Januar 2024 den BVG-Chefsessel übernehmen. Derzeit ist Falk noch Vorstandsvorsitzender der Hamburger Hochbahn.
Umstrittenes Interview
Das Klima zwischen Kreienkamp und der BVG stimmte dem Vernehmen nach bereits seit geraumer Zeit nicht mehr. Die Diplom-Mathematikerin kam im Oktober 2020 zum größten kommunalen Nahverkehrsunternehmen in Deutschland, auf Vorschlag der damaligen Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Vor ihrem Wechsel zur BVG war Kreienkamp Chefin des privaten Fernzuganbieters HKX, ab 2015 zählte sie zu einer Doppelspitze bei der Mainzer Verkehrsgesellschaft.
Im März hatte Kreienkamp mit Kritik an ihrem Noch-Arbeitgeber für Aufsehen gesorgt. In Sachen Diversity habe das Unternehmen noch einen langen Weg vor sich, sagte sie in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Es sei aus Aufsichtsratskreisen immer wieder der falsche Vorwurf kolportiert worden, dass sie sich zu sehr um die Queer-Community gekümmert habe und zu wenig um das Unternehmen, sagte Kreienkamp in dem SZ-Interview.
Vorwürfe an den Aufsichtsrat
«Man könnte daraus schließen, dass Queerfeindlichkeit bis in die höchsten Unternehmensgremien zumindest billigend in Kauf genommen wird.» Vor allem der letzte Satz soll im Aufsichtsrat für großen Unmut gesorgt haben. Das Gremium nutzte mit der Entscheidung am Mittwoch nun die erste Sitzung nach dem SZ-Beitrag gleich für den Rauswurf. (hp/dpa)



