Der Bau neuer großer Gaskraftwerke war in den vergangenen Tagen wenig attraktiv.

Der Bau neuer großer Gaskraftwerke war in den vergangenen Tagen wenig attraktiv.

Bild: © Nicolas Armer/dpa

Auch im November setzte sich im Terminhandel die seit Wochen anhaltende Seitwärtsbewegung mit einer überwiegend fallenden Tendenz fort. Begleitet wurde diese Entwicklung von einem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien im Stromerzeugungsmix.

Die vorläufigen Statistiken deuten darauf hin, dass der fossile Anteil im Jahr 2025 bislang deutlich zurückgegangen ist. Braun- und Steinkohle steuerten rund 22 bis 25 Prozent zur Stromerzeugung bei, die Erdgasverstromung etwa 12 bis 15 Prozent.

Ausnahmemonat November

Eine Ausnahme bildete der November: In diesem Monat wurde so viel Strom aus Erdgas produziert wie seit 14 Jahren nicht mehr. Mit 7,5 Terawattstunden deckten Gaskraftwerke rund 18 Prozent der öffentlichen Nettostromnachfrage. Sie mussten verstärkt einspringen, weil die Erneuerbaren im November lediglich 47 Prozent zum Erzeugungsmix beitrugen. Zudem wurden rekordverdächtige 2,5 Terawattstunden netto aus dem Ausland importiert; im November 2024 waren es nur rund 1,5 Terawattstunden, wie aus Daten der Plattform Energy-Charts hervorgeht.

Trotz des Ausreißers im November geht der fossile Anteil im Jahresverlauf klar zurück. Im Jahr 2024 – zum Teil durch anhaltende Windflauten bedingt – lag der Anteil von Kohle und Gas noch bei über 50 Prozent. An der EEX pendelte sich der Kontrakt Cal-26 im November bei durchschnittlich 88,7 Euro je Megawattstunde ein. Er gab dabei fast täglich nach und erreichte zum Monatswechsel am 1. Dezember 86,25 Euro je Megawattstunde. Vor einem Jahr lag der Frontjahr-Kontrakt Cal-25 im November noch bei durchschnittlich 90,21 Euro je Megawattstunde.

Gas- und Kohlepreise stabilisiert

Für die rückläufigen Preise hatten unter anderem die Rohstoffmärkte eine wichtige Bedeutung. Seit der Energiekrise 2021–2023 haben sich Gas- und Kohlepreise auf den Großhandelsmärkten deutlich von ihren Extremen entfernt – wenn auch weiterhin oberhalb des historischen Mittels. Moderatere Brennstoffkosten dämpfen die Stromerzeugungskosten und damit den Preisdruck. Besonders relevant ist der gesunkene Gaspreis, weil Gaskraftwerke in der "Merit Order" oft den marginalen Preis setzen, wenn Wind, Solar und Wasserkraft nicht ausreichen.

Auch sinkende Preise für Kohle tragen zur Entlastung bei. Marktanalysen erwarten bei stabiler globaler Versorgung mit LNG und Kohle sowie ohne neue geopolitische Schocks weitere Rückgänge. In Kombination mit steigenden Erneuerbaren-Anteilen ist das ein wesentlicher Grund, warum der Frontjahr-Markt im November 2025 deutlich günstiger bewertet wurde als ein Jahr zuvor.

Dennoch bleibt das System volatil: Der Strommarkt reagiert empfindlich auf Preisbewegungen bei Gas und Kohle, Wetterlagen, CO₂-Zertifikatpreise sowie geopolitische Risiken. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine und Konflikte im Nahen Osten prägen die Unsicherheiten weiterhin — zuletzt sorgten allerdings Hoffnungen auf diplomatische Fortschritte für Entspannungen am Gasmarkt.

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