2,5 Terawattstunden (TWh) netto hat Deutschland im November am internationalen Strommarkt zugekauft – das ist Rekord. Im Jahr zuvor wurden lediglich 1,5 TWh netto im November importiert, wie aus Daten der Plattform Energy-Charts hervorgeht.
Ein deutscher Stromimportüberschuss im November ist auch deshalb ungewöhnlich, weil das Land im Winter – auch dank eines großen konventionellen Kraftwerksparks – früher kräftig ins Ausland exportierte. Zwischen 2014 und 2023 überwog der Export gegenüber dem Import dann auch am deutschen Strommarkt. Ältere Daten sind bei Energy-Charts nicht abrufbar.
Die Stromerzeugung im November
Im November wurde so viel Strom aus Erdgas wie noch nie in den vergangenen 14 Jahren produziert. Mit 7,5 TWh konnten daraus 18 Prozent der öffentlichen Last gedeckt werden. Zuletzt wurde diese Größenordnung im Dezember 2010 erreicht. Im Jahr 2023 waren es 15,2 Prozent und in den beiden Vorjahren je rund zehn Prozent. Mit 14 TWh lag die Erzeugung aus Wind und Sonne in einem ähnlichen Bereich wie 2024 (13,8 TWh).
Seit 2014 lag die öffentliche Stromerzeugung im November nur 2024 unterhalb der Netzlast. Betrug die Differenz im vergangenen Jahr noch rund eineinhalb TWh, waren es 2025 2,5 TWh. Dabei lag die Last mit 41,7 TWh in einem ähnlichen Bereich wie in den vorherigen Jahren.
Rückgang in der Erneuerbaren-Erzeugung
Die Lastabdeckung durch erneuerbare Energie zeigt einen deutlichen Rückgang im Vergleich zu den Vormonaten. Lediglich 47 Prozent wurden im November dadurch gedeckt. Im Vormonat Oktober waren es noch 62 Prozent. Energiemeteorologe Rafael Fritz vom Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) sprach im MDR bereits zu Novemberbeginn von einer klassischen Novemberflaute. Gemeint sind damit weniger Sonnenstunden kombiniert mit einer Windflaute, die die Stromproduktion der erneuerbaren Erzeuger drastisch senkt.
Dies zeigte sich vor allem am 8. und 9. November. An diesen Tagen wurden 88 beziehungsweise 91 Gigawattstunden durch Sonne und Wind erzeugt. Von einer richtigen Dunkelflaute spricht man aber auch in diesem Fall nicht. Das wäre erst der Fall, wenn die Erzeugung aus erneuerbaren Energien weniger als zehn Prozent der Last deckt. Das war im November nicht der Fall. Am 8. und 9. November waren es jeweils rund 20 Prozent.
Königreich liefert den meisten Strom
Der Trend der ersten sechs Monaten setze sich auch bis Ende November fort. Der Löwenanteil der deutschen Stromimporte stammt aus dem Nachbarland Dänemark. In den ersten elf Monaten lieferte das Königreich 10,8 TWh netto an die Bundesrepublik.
Seit 2020 ist Dänemark nicht mehr aus den oberen Plätzen der Lieferländer wegzudenken. Zwar wurde das kleine Land im vergangenen Jahr von Frankreich überholt, war ansonsten aber seit 2020 immer Deutschlands Netto-Stromlieferant Nummer eins. Im November 2025 waren Frankreich und Dänemark gleichauf, beide importierten 1,6 TWh netto nach Deutschland.
Österreich größter Abnehmer deutschen Stroms
Mit 10,4 TWh netto führt Österreich die Liste der Topstromabnehmer an. Die Alpenrepublik ist traditionell einer der Haupteinkäufer deutschen Stroms.
Mit 19,8 TWh hat Deutschland in den ersten zehn Monaten rund halb so viel Strom exportiert, wie es importiert hat. Zum Vergleich: Öffentlich wurden 387,8 TWh in dem Zeitraum erzeugt. Damit bewegen sich in die Importe in einer Größenordnung von zirka 10 Prozent und die Exporte liegen bei rund 5 Prozent.
Der Bezug von Strom aus dem Ausland bedeutet übrigens nicht, dass Deutschland ausländischen Strom für die eigene Versorgungssicherheit zwingend braucht. Stattdessen bedeutet dies in der Regel lediglich, dass sich günstigere ausländische Energie, etwa französische Kernkraft oder dänische Windkraft, an den Strombörsen gegen teurere konventionelle Energie in Deutschland, beispielsweise heimische Kohle-, Öl- oder Gaskraftwerke, durchsetzt.



