Das Kieler Start-up PPA Connect hat es sich zur Aufgabe gemacht, Ausschreibungsprozesse in der Direktvermarktung zu digitalisieren und standardisieren. Im Frühjahr 2022 ging die selbst aufgebaute Plattform live. Seitdem ist die Anzahl der dort registrierten Anlagen stark gewachsen. Mittlerweile sind nach eigenen Angaben über 2100 Anlagen mit mehr als sechs Gigawatt Leistung auf der Plattform registriert. Der Großteil davon sind Windenergieanlagen. Ein Interview mit PPA-Connect-Mitgründer und -Geschäftsführer Hardy Kallsen über große Preisunterschiede, verstärktes Interesse an Altanlagen und die Aussicht auf mehr PPAs bei geförderten Anlagen.
Herr Kallsen, wie hart war 2024 der Wettbewerb unter den Direktvermarktern?
Der Wettbewerb zwischen den Anbietern ist sehr intensiv. 2022 war wegen der Energiekrise ein verrücktes Jahr, da haben sich auch zeitweise Anbieter zurückgezogen. Mittlerweile hat sich der Markt aber wieder normalisiert. Wir sehen allerdings immer noch große Unterschiede zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot. Auch bei der Ausgestaltung der Dienstleistungsentgelte sehen wir ein großes Produktspektrum, das es vor 2022 so nicht gab. Das hat es für Betreiber auch schwieriger gemacht, die Angebote zu vergleichen.
Sehen Sie einen Trend, dass sich Portfoliomengen auf weniger Anbieter konzentrieren?
Wir haben über 20 Direktvermarkter auf der Plattform, darunter die großen etablierten Anbieter. Aber auch kleinere Direktvermarkter nutzen uns als Sprungbrett in den deutschen Markt. Es ist nicht so, dass ein Anbieter bei uns alles abgeräumt hätte. Für neue Direktvermarkter ist die Herausforderung, das Vertrauen der Anlagenbetreiber zu gewinnen. Es braucht auf jeden Fall Ausdauer, um sich am deutschen Markt zu etablieren.
Während der Energiekrise war es teilweise schwierig, überhaupt ein Angebot zu bekommen. Das ist vorbei?
Als Plattform prüfen und standardisieren wir die Daten der Betreiber. Das erspart Direktvermarktern viel Arbeit. Deswegen hatten wir auch 2022 weniger Probleme, Angebote zu bekommen. Aber ja, während der Energiekrise mussten Direktvermarkter ihre Kalkulationen ständig anpassen und das hat es schwierig gemacht. 2023 sind dann viele Verträge ausgelaufen, weil 2022 niemand einen Zweijahresvertrag abgeschlossen hat. Deswegen war zwischen 2023 und 2024 dann sehr viel Bewegung im Markt.
War es für alle Anlagenbetreiber leichter oder gibt es da Ausnahmen?
Manche Direktvermarkter waren sehr selektiv bei der Bepreisung. Wir haben auf jeden Fall gemerkt, dass da Anlagen auch direkt aussortiert worden sind, wenn sie nicht ins Portfolio gepasst haben. Wir haben 2024 insgesamt vier Gigawatt an Leistung ausgeschrieben. 85 Prozent davon Windenergieanlagen, 15 Prozent Photovoltaik. Schwer hatten es vor allem ältere Windenergieanlagen in Norddeutschland, die noch gefördert werden und einen hohen anzulegenden Wert haben. Gerade wenn es sich um Einzelanlagen handelte, die eventuell noch viel von Redispatch betroffen waren, haben einige Direktvermarkter da gleich abgewinkt. Oder es wurden sehr hohe Entgelte aufgerufen.
Wie sah es bei Post-EEG-Anlagen aus?
Da gibt es eine hohe Nachfrage auf Seiten der Direktvermarkter. Selbst bei drei Altanlagen mit jeweils 500 Kilowatt Leistung gab es großes Interesse. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich da etwas verändert, das Segment ist definitiv attraktiver geworden. Wir haben schon im August eine Phase mit guten Preisen am Terminmarkt gesehen, wo wir auf der Plattform Abschlüsse bei Post-EEG-Anlagen hatten. Auch die Anlagenbetreiber, die einen kühlen Kopf bewahrt und bis Oktober oder November abgewartet haben, konnten vergleichsweise hohe Festpreise einloggen.
PPA Connect nimmt erst Anlagen ab einem Megawatt Leistung an. Darunter ist es schwierig?
Die Direktvermarkter verdienen mit kleinen Anlagen einfach kein Geld. Die Bepreisung, die technische Anbindung, die Integration ins Portfolio – das alles verursacht Kosten. Da steht der Ertrag in keinem Verhältnis zum Aufwand. Auch unter der Schwelle findet man noch Angebote, aber eben deutlich weniger. Deswegen ziehen wir da die Grenze.
Der erste Entwurf zur Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) sah noch eine Absenkung der Direktvermarktungsschwelle von 100 Kilowatt auf 25 Kilowatt vor. Unrealistisch?
Die Prozesse müssen dafür auf jeden Fall weiter standardisiert und vereinfacht werden. Dann kann es vielleicht funktionieren. Aber ich glaube, es macht ehrlich gesagt keinen Sinn, die Grenze von 100 kW noch weiter abzusenken. Wenn die Direktvermarkter das Geld nicht mit den Anlagen am Markt einnehmen können, müssen die Anlagenbetreiber die Kosten für die Vermarktung tragen.
Was erwarten Sie für dieses Jahr?
Es wird interessant, wie sich die Preise im Sommer und Herbst entwickeln. Letztes Jahr waren wir gerade so an der Schwelle, an der sich PPAs gelohnt hätten, weil die angebotenen Festpreise zum Teil relativ nahe an den anzulegenden Wert der Anlagen rangekommen sind. Wenn die Preise im Spätsommer steigen, könnten wir vielleicht auch wieder PPA-Abschlüsse bei geförderten Anlagen beobachten.
Welche Pläne hat PPA Connect für 2025?
Wir arbeiten daran, die Anlagenbetreiber beim Vergleich der verschiedenen Vergütungs- und Angebotsformen in der Direktvermarktung noch besser zu unterstützen. Also beispielsweise bei der Entscheidung zu helfen, wann es sich auch mal lohnt in die Spotvermarktung zu wechseln, statt sich die Marktprämie zu sichern. Wir wollen Anlagentreibern noch mehr Werkzeuge an die Hand geben, damit sie sich besser entscheiden können, wann sie Preisrisiken selbst tragen wollen und wann sie diese an den Direktvermarkter auslagern.
Wir sind bislang stetig gewachsen, und zwar ohne Fremdkapital, weil wir unabhängig sein wollen. Das war dank Fördermitteln aus der EU und dem Land Schleswig-Holstein möglich. Derzeit sind wir zu zweit, wollen uns aber zum Sommer hin auf jeden Fall vergrößern und uns auch personell verstärken.
Das Interview führte Julian Korb
Dieser Artikel ist Teil der ZfK-Winterserie 2024/2025 zum Thema Direktvermarktung. Es folgt in den kommenden Wochen eine Reihe von Grafiken, Analysen und Interviews mit Direktvermarktern. Außerdem wird unser ZfK-Überblick zur Direktvermarktung aktualisiert.
Sie sind Direktvermarkter und wollen ebenfalls gelistet werden? Dann wenden Sie sich gern an die zuständigen Redakteure Andreas Baumer (a-baumer(at)zfk(dot)de) oder Julian Korb (j-korb(at)zfk(dot)de).
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