Mit diesem Artikel startet die ZfK-Winterserie 2024/2025 zum Thema Direktvermarktung. Es folgt in den kommenden Wochen eine Reihe von Grafiken, Analysen und Interviews mit großen Direktvermarktern. Außerdem wird unser ZfK-Überblick zur Direktvermarktung aktualisiert. Sie sind Direktvermarkter und wollen ebenfalls gelistet werden? Dann wenden Sie sich gern an die zuständigen Redakteure Andreas Baumer (a-baumer(at)zfk(dot)de) oder Julian Korb (j-korb(at)zfk(dot)de).
Von Julian Korb
Der Spitzenreiter in der Direktvermarktung, Quadra Energy, hat sich im Frühjahr 2025 weiter abgesetzt. Das Düsseldorfer Unternehmen konnte sein Portfolio gegenüber Juli 2024 um vier Prozent auf 10.400 Megawatt (MW) ausbauen. Die Verfolger EnBW, Next Kraftwerke und Statkraft mussten hingegen allesamt Federn lassen. Bei der ehemaligen Nummer Eins Statkraft fiel das Minus mit 11,5 Prozent sogar deutlich aus.
EnBW wollte die Portfolioentwicklung gegenüber der ZfK nicht kommentieren. Eine Unternehmenssprecherin verwies aber darauf, dass die Photovoltaik-Branche mit zunehmenden Negativpreisen am Strommarkt zu kämpfen habe.
Eine Sprecherin von Next Kraftwerke erklärte, dass das Unternehmen als großer PV-Vermarkter ein "ausgewogenes Portfolio zwischen volatilen und flexiblen Anlagen" anstrebe, um "Vermarktungsrisiken zu minimieren". Der Kölner Direktvermarkter will bei der Aufnahme von neuen PV-Anlagen einen größeren Wert auf Kriterien wie gute Regelbarkeit legen. Auch ein stärkeres Wachstum im Speichersegment sei geplant.
Eine Sprecherin von Statkraft nannte ein "stark wettbewerbliches und dynamisches Umfeld" als Grund für den Rückgang. Im vergangenen Juli hatte der norwegische Energiekonzern sein Direktvermarktungsportfolio in Deutschland im Vergleich zum Jahresanfang 2024 noch gesteigert.
Direktvermarkter wächst mit Fixpreisverträgen
Gegenüber dem Ranking im Sommer 2024 verzeichneten einige Teilnehmer aber auch signifikate Zuwächse. Prozentual am stärksten legte der Energiekonzern RWE zu. Und zwar um satte 40 Prozent auf nun rund 3500 MW.
Auch das Cleantech-Unternehmen Pure Energy aus Düsseldorf steigerte sich deutlich, um rund 26 Prozent auf nun rund 3000 MW. Onur Fişek, Head of Business Development & New Markets bei Pure Energy kommentierte das Wachstum gegenüber der ZfK: "In diesem Jahr haben wir unseren Fokus auf Fixpreisverträge gelegt und potenzielle Kunden und Betreiber frühzeitig über attraktive Preisniveaus informiert, was zu erfolgreichen Vertragsabschlüssen führte."
Einstieg in Solar- und Batteriespeichervermarktung
Beim Direktvermarkter Gewi zeigt der Trend ebenfalls nach oben: Das Portfolio stieg um rund 23 Prozent auf 5300 MW. Laut einer Sprecherin konnte das Unternehmen aus Hannover "eine Vielzahl von Neukunden akquirieren und seine Position im Direktvermarktungsbereich durch den personellen Zuwachs im Bereich Vertrieb und Backoffice weiter ausbauen und stärken." Die Tochter von Getec Energie hatte bereits im Sommer im ZfK-Interview angekündigt, das eigene Direktvermarktungsportfolio ausbauen zu wollen.
Dabei helfen dürften auch die finanziellen Mittel des neuen Eigentümers BP. So erklärte Gewi, mittlerweile auch in der kombinierten Solar- und Batteriespeichervermarktung sowie in der Vermarktung von Offshore-Windanlagen tätig zu sein.
Spürbar wachsen konnte zudem auch Eon. Der Energiekonzern aus Essen weitete sein Portfolio um 20 Prozent auf nun 4200 MW aus.
Auch der französische Energieversorger Engie und BKW aus Bern in der Schweiz wuchsen im zweistellen Prozentbereich. Engie führte den bisher größten Zuwachs im deutschen Markt auf die verbesserte Automatisierung im Angebotsprozess zurück. Auch bei kurzfristigen PPAs sei man weiterhin erfolgreich.
BayWa-Krise wirkt sich aus
Den größten Portfolioverlust gab es bei Baywa Re. Die Erneuerbaren-Tochter des Münchener Agar- und Energiekonzerns Baywa verzeichnete einen Rückgang um fast 30 Prozent auf nun rund 4700 MW. "Das volatile Marktumfeld sowie die wirtschaftlichen Herausforderungen der Baywa Re AG seit Sommer 2024 haben ein Wachstum unseres Portfolios beschränkt", sagt Sven Nels, Geschäftsführer von BayWa Re Trading.
Ein Sanierungsgutachten zeige jedoch positive Zukunftsaussichten, auch für den Energiehandel. "Mit diesem positiven Ausblick sowie der hohen Kundenzufriedenheit gehen wir von einem erneuten Wachstum unseres Portfolios in diesem Jahr aus", so Nels weiter.
Einen größeren Rückgang in der Direktvermarktung teilte auch der Oldenburger Energieversorger EWE mit. Das Gesamtportfolio des kommunalen Unternehmens schrumpfte um fast 13 Prozent auf nun 2745 MW. EWE wollte sich nicht zur Portfolioentwicklung äußern. Das Unternehmen aus Norddeutschland ist traditionellerweise in der Vermarktung von Biomasseanlagen stark.
Auch bei den Stadtwerken München verringerte sich das Direktvermarktungsportfolio um rund 9 Prozent auf rund 2400 MW. Grund war demnach eine Konsolidierung im Bereich der Windenergie, was der kommunale Versorger nicht vollständig durch Zuwächse in der Photovoltaik ausgleichen konnte.
Hoher Wettbewerbsdruck
Nach Aussage der meisten befragten Direktvermarkter ist die Wettbewerbsintensität im Herbst 2024 ähnlich hoch wie im Vorjahr gewesen oder sogar noch weiter angestiegen. Von den insgesamt 42 befragten Unternehmen hat keines einen Rückgang der Wettbewerbsintensität wahrgenommen. 20 Unternehmen berichteten, dass der Wettbewerbsdruck zugenommen hätte. 14 Befragte waren der Meinung, dass der Wettbewerb konstant geblieben sei. Acht Direktvermarkter wollten oder konnten keine Angaben dazu machen.
"Wir kommen aus zwei Jahren Energiepreiskrise. In dieser Zeit ging es vielen unserer Wettbewerber und auch den Betreibern nur sekundär um das Brot- und Butter-Geschäft Direktvermarktung, sondern vielmehr um PPAs", sagt Thomas Krings, Geschäftsführer bei Quadra Energy. Mittlerweile reichen die Preise nicht mehr aus, um Anlagenbetreibern eine Alternative zur EEG-Förderung zu bieten. "Das führt in der Direktvermarktung zu einem sehr hohen Wettbewerb."
Preisschwankungen am Strommarkt
Hinzu kamen vermehrte Risiken durch Preisschwankungen am Strommarkt. "In der Dunkelflaute kommt es, wie auch im Dezember zu sehen war, zu teilweise erheblichen Preissauschlägen", sagt Yanik Luenen, Renewables Senior Product Manager bei Vattenfall. "Als Direktvermarkter müssen wir da besonders wachsam sein und unser Portfolio gut bewirtschaften. Wenige Tage können hier ansonsten zu erheblichen Kosten führen."
Das Jahr 2024 war von einigen Extremereignissen geprägt. An vielen Wochenenden kam es wegen erheblicher Solareinspeisung zu negativen Preisen. Im Winter hingegen beschäftigten zwei Dunkelflauten die Stromhändler. Vor dem Hintergrund sagten viele Direktvermarkter, dass die Qualität von Wetter- und Erzeugungsprognose immer wichtiger werden. Die Risiken spiegeln sich aber auch in höheren Dienstleistungsentgelten wider.
Das Direktvermarktungs-Ranking aus dem Sommer 2024 finden Sie hier.



