Patrick Schmidt-Bräkling ist Head of PPA Iberia, France and Germany bei BayWa r.e.

Patrick Schmidt-Bräkling ist Head of PPA Iberia, France and Germany bei BayWa r.e.

Bild: © BayWa r.e.

Herr Schmidt-Bräkling: Was sind die Zielgruppen von BayWa r.e. auf dem PPA-Markt?

Seit einigen Jahren richten wir uns verstärkt auf den Corporate-PPA-Markt aus. In Ausnahmefällen liefern wir auch an Stromversorger. Industrieunternehmen sind zwar weniger erfahren im Energiemarkt, dafür ist das Interesse und damit auch die Anzahl der Abschlüsse in der Regel höher. Außerdem sind hier die Marketing-Effekte größer, wenn wir die Grünstromengen aus einem spezifischen Projekt einem Endkunden konkret zuordnen können.

Was ist mit dem Mittelstand?

Bei den Kunden aus dem Mittelstand ist die Kreditwürdigkeit derzeit die größte Herausforderung. Viele diese Unternehmen haben kein Investment Grade Rating, was die notwendige Fremdfinanzierung der Projekte erschwert. In Frankreich und Spanien gibt es bereits die Möglichkeit, dass der Staat Garantien gibt. In Deutschland fehlt ein solches Instrument noch.

In der Branche heißt es, der PPA-Markt zieht an. Ist das bei Ihnen auch so?

In der Tat. In fast allen europäischen Ländern ist die Nachfrage derzeit höher als das Angebot. Die Nachfrage kommt stark von den Unternehmen, die ihre Scope-2-Emissionen nach dem Greenhouse Gas Protocol verringern möchten. Wenn wir über die Kompensation indirekter Emissionen, etwa  Scope-3-Emissionen reden – dafür reicht das Angebot durch neugebaute PV-Anlagen in Deutschland schlicht nicht aus.

Warum kommen die neuen Abschlüsse hauptsächlich mit PV-Anlagen zustande?

Die Windausschreibungen in Deutschland waren in den letzten Jahren regelmäßig unterzeichnet. Anlagenbetreiber gehen dann in die Direktvermarktung und haben wenig Anreize, ihre Windparks über langfristige PPAs anstatt über das EEG zu vermarkten. Ähnlich sieht die Situation in Frankreich aus. Kaum ein Entwickler ist bereit, auf die sicheren Erlöse zu verzichten, um ein Corporate-PPA abzuschließen.

Große Unternehmen, die ihren Strombedarf langfristig decken wollen, haben nur wenig Interesse an solchen Kurzfrist-PPAs.

Anders sieht das bei Post-EEG-Anlagen aus, oder?

Ja, seit einigen Jahren fallen Windanlagen aus der Förderung, die dann über PPA vermarktet werden können. Das sind aber in der Regel Verträge über ein oder zwei Jahre. Unsere Kollegen der BayWa r.e. Energy Trading sind hier sehr aktiv. Große Unternehmen, die ihren Strombedarf langfristig decken wollen, haben nur wenig Interesse an solchen Kurzfrist-PPAs. Darüber hinaus ist solchen Unternehmen auch die sogenannten "Additionality" wichtig. Also, dass durch ihre Nachfrage ein neuer, zusätzlicher Solar- oder Windpark gebaut wird.

Für welche Dauer werden PPAs derzeit vor allem abgeschlossen?

Die meisten PPAs für neue Anlagen werden über eine Dauer von zehn bis fünfzehn Jahren abgeschlossen. In Frankreich sind fünfzehn Jahre recht üblich. In Deutschland eher zehn. Abschlüsse unter zehn Jahren gibt es eher selten.

Ich gehe davon aus, dass virtuelle PPAs bald die Mehrzahl sein werden und der Anteil physischer PPAs sinkt.

Es wird häufiger über virtuelle PPAs gesprochen. Wie groß ist der Anteil derzeit?

Früher waren VPPAs unüblich. Seit etwa drei Jahren würde ich sagen, dass das Verhältnis etwa 50:50 beträgt. Ich gehe davon aus, dass virtuelle PPAs bald die Mehrzahl sein werden und der Anteil physischer PPAs sinkt. Der Vorteil von virtuellen Stromlieferverträgen ist die höhere Flexibilität: Ich kann auch Abschlüsse über Ländergrenzen hinweg erzielen. Gerade für multinationale Konzerne mit Standorten in mehreren Ländern ist das entscheidend. Andererseits sind VPPAs auch Finanzprodukte, was einen höheren buchhalterischen Aufwand mit sich bringen kann. Diesen wollten Unternehmen historisch oft vermeiden. Mittlerweile haben sich die Finanzabteilungen aber aufgeschlaut und stehen virtuellen PPAs offener gegenüber.

In welchen Ländern stehen derzeit die attraktivsten Anlagen für PPAs?

Die attraktivsten Anlagen stehen derzeit in Spanien. Dort kann die Sonneneinstrahlung doppelt so hoch wie in Süddeutschland sein und das Land ist vergleichsweise dünn besiedelt, weshalb große Flächen verfügbar sind. Die Materialien für Wind und PV kosten dabei dasselbe wie in anderen Regionen Europas. In Deutschland entstehen unsere Neuanlagen vermehrt in den neuen Bundesländern, wo die Flächenverfügbarkeit besser ist. Darüber hinaus sehen wir vor allem den  Markt in Frankreich sowie in Polen stark wachsen. Außerdem ist das Stromsystem dort noch verhältnismäßig stark auf Kohle- und Gas ausgerichtet, was jede neue Kilowattstunde grünen Strom natürlich attraktiv macht.

Die Fragen stellte Julian Korb.

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