Herr Müller, die Stadtwerke Trier veredeln in Bitburg Biogas aus sieben regionalen Biogasanlagen zu Bio-Erdgas. Diese sind über eine 45 Kilometer lange Leitung mit der Aufbereitungsanlage in Bitburg verbunden. Wie kommt das Projekt an in der Region?
Es stärkt auf jeden Fall die Akzeptanz und zahlt auf unser Image ein. Das gilt aber nicht nur für dieses Projekt. Ich glaube, dass unsere Kunden, aber auch die Bevölkerung in der Region sukzessive wahrnehmen, dass wir wirklich über alle Sektoren hinweg eine nachhaltige Region aufbauen wollen. Die Region ist dabei zu realisieren, dass wir möglichst viel Energie in der Region erzeugen und hier selbst auch wieder verbrauchen.
So wird aus Gülle Heizenergie
Biogaspartner Bitburg
Die Biogaspartner Bitburg GmbH hat im August 2020 am Flugplatz Bitburg eine Biogas-Aufbereitungsanlage in Betrieb genommen. Sie veredelt das Rohbiogas aus sieben regionalen Anlagen. Für den Transport der Energie hat die SWT Stadtwerke Trier Versorgungs-GmbH im Rahmen des Projekts Verbundnetz Westeifel ein rund 45 Kilometer langes Biogasnetz aufgebaut.
Verwendung zum Heizen, in KWK-Anlagen oder als Kraftstoff
Mit der Einspeisung in das bereits vorhandene Erdgasnetz kann die Edelenergie ab sofort flexibel in der Region verwendet werden, zum Beispiel zum Heizen, für den Betrieb von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen oder als Kraftstoff für Nutzfahrzeuge.
An der Biogaspartner Bitburg GmbH sind SWT Stadtwerke Trier Versorgungs-GmbH (51 Prozent), der Entsorgungsbetrieb Luzia Francois (34 Prozent) und die Kommunale Netze Eifel AöR (15 Prozent) beteiligt. Die erforderliche Biogas-Infrastruktur haben die Partner im Rahmen des Regionalen Verbundprojekts Westeifel mit verlegt.
Einen Film und weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier. Das Konzept wurde bereits mit verschiedenen überregionalen Fachpreisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem ZfK-Nachhaltigkeits-AWARD 2022 in Silber.
Flexibilität und Speichern spielen eine wichtige Rolle im Energiekonzept der Stadtwerke Trier. Was heißt das konkret für das Großprojekt mit den Biogasanlagen in Bitburg?
Das Bio-Erdgas, das wir produzieren, speichern wir übersaisonal in unserem Erdgas-Netz als unserem größten Speicher ein. So können wird zum richtigen Zeitpunkt die Blockheizkraftwerke in den Quartieren oder an den großen Krankenhäusern im Schwarm einschalten.
"Wir versuchen in jedem Bereich Batteriespeicher einzusetzen".
Der Abgleich zwischen Verbrauch und Produktion wird über Algorithmen gesteuert. So können wir zum richtigen Zeitpunkt Wärme oder Strom erzeugen. Und dafür brauchen wir auch unsere Gasnetze. Wir müssen diese nur umbauen, vom reinen Verteilnetz bis zum letzten Wärmeverbraucher hin zum Speichernetz. Wir versuchen in jedem Geschäftsbereich Batteriespeicher einzusetzen und schauen, wo wir Kurz-, Mittel- und Langfristspeicher verwenden können.
Was sind Ihre Überlegungen hier konkret bei der Aufbereitungsanlage in Bitburg?
Hier schauen wir gerade, wo Elektrolyseure Sinn machen können, um die Spitzen für uns in der grünen Stromerzeugung abfahren zu können. In Bitburg möchten wir das vom Biogas abgespaltene CO2 mit dem Wasserstoff zusammenführen und so die Menge an Methan (Bio-Erdgas) verdoppeln.
"Es gibt zwei Extrempositionen beim Thema Gasnetze."
Staatssekretär Patrick Graichen hat die Stadtwerke aufgefordert, den Rückbau des Gasnetzes zeitnah zu planen. Er sieht hier kein Geschäftsmodell mehr und warnt vor Stranded Investments.
Es gibt zwei Extrempositionen bei dem Thema. Die eine fordert den Ausbau, das andere Extrem ist die Position von Herrn Graichen. Ich habe in meinem Leben gelernt, dass extreme Forderungen nie die besten Lösungen sind. Ich denke, dass wir als Unternehmen schon anteilig das Gasnetz zurückbauen müssen.
"Wir müssen das komplexe Gasnetz auf ein Speichernetz zurückfahren".
Wenn wir Leitungen als Endstrang im Netz haben, an denen nur noch zwei Erdgaskunden angeschlossen sind, werden wir diese ansprechen, ob sie zu einem Wechsel des Energieträgers mit entsprechender Bezuschussung bereit wären. Ist das der Fall würden wir diese Leitungen als rückbaufähig kennzeichnen. Der Rückbau muss aber auf ein sinnvolles Maß erfolgen. Wir müssen das komplexe Gasnetz auf ein Speichernetz in einer sinnvollen Größenordnung zurückfahren.
An diesem Speichernetz hängen dann beispielsweise dezentrale BHKWs, die zum richtigen Zeitpunkt das grün erzeugte Gas aus der Region auch zu Strom und Wärme umwandeln. Wir brauchen diese Residuallasten und diese Erzeugungsanlagen. Ich wüsste sonst momentan nicht, wie wir die Zeiten der Dunkelflauten in Zukunft in den Griff kriegen sollten.
"Wir möchten das Bitburger Projekt duplizieren an einem zweiten Standort".
Es gibt 48 Biogasanlagen in der Region Trier und Eifel. Sind weitere Projekte dieser Art geplant?
Wir haben bereits vor längerer Zeit schon Vorverträge mit weiteren Landwirten abgeschlossen. Diese bekommen Gas und nicht Strom vergütet, sind also besser gestellt als im EEG. Weitere Landwirte kommen aktiv auf uns zu, insbesondere dann, wenn die Restlaufzeit des EEG sich dem Ende zuneigt.
Wir möchten das Bitburger Projekt duplizieren an einem zweiten Standort, und ein dritter ist auch schon im Gespräch. Wir wollen noch einige dieser Landwirte dafür gewinnen. Betriebswirtschaftlich ist die Nachfrage da. Allerdings haben wir jetzt auch klare Vorgaben gemacht. Wir möchten dieses regional produzierte Bio-Erdgas in erster Linie für unsere BHKWs und die Wärmeversorgung der Kunden vorhalten.
Was ist mit den Mengen geplant, die darüber hinaus produziert werden?
Ich denke, der richtige Weg ist, dass wir unsere Kunden indirekt damit versorgen über Wärmequartiere. Da, wo wir Kunden relativ jung ans Erdgasnetz angeschlossen haben, möchten wir mittelfristig auch dieses Bio-Erdgas liefern. Aber wir möchten das Erdgas einfach bilanziell untermischen und nicht zwingend neue Tarife aufbauen. Wir müssen immer schauen, wie der konventionelle Erdgaspreis am Markt ist und zu welchem Preis wir produzieren. Und wie viel Prozent können wir eigentlich untermischen, ohne dass wir unsere eigene Preisstellung verändern müssen?
(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)
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