Die Stadtwerke Dreieich im Rhein-Main-Gebiet warnen vor Fehlanreizen und einer Fehlentwicklung bei der konkreten Ausgestaltung von Strom- und Gaspreisbremse. "Ernste Sorgen bereitet mir die geplante Ausgestaltung der Energiepreisbremsen in Verbindung mit der Preispolitik einzelner Versorgungsunternehmen, die in der diskutierten Form politisch nicht gewollt sein kann“, schreibt Geschäftsführer Steffen Arta in einer Mail an das Bundeskanzleramt, das Bundeswirtschaftsministerium und die Verbände VKU und BDEW .
Exemplarisch nennt er die jüngste Ankündigung der Stadtwerke München, die Preise in der Strom-Grundversorgung ab Januar auf 61,89 ct. pro kWh zu erhöhen. „Das kann nicht richtig sein“, meint der Chef der Stadtwerke Dreieich.
Auch die Stadtwerke München als größtes Stadtwerk in Deutschland müssten den politisch gewollten und in Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) und Strom-Grundversorgungsverordnung (Strom GVV) verankerten Auftrag der sicheren und zuverlässigen Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in dem jeweiligen Grundversorgungsgebiet nachkommen.
In Dreieich steigt der Strompreis auf 37,5 Cent
Der Kommunalversorger aus Hessen benötige aktuell die Energiepreisbremsen gar nicht. Die Stadtwerke Dreieich werden ihre Preise in der Strom-Grundversorgung zum Januar von 30 auf 37,5 Cent erhöht. „Wie werden die Stadtwerke Dreieich oder die Verbraucher in Dreieich entlastet, auch wenn die Inanspruchnahme der staatlichen Hilfe vom Grundsatz her in Dreieich nicht erforderlich ist? Sind die Stadtwerke Dreieich und die hiesigen Bürgerinnen und Bürger die ‘Verlierer’ der Strom- und Gaspreisbremse, weil wir in der Vergangenheit unsere Beschaffungsstrategie konservativ aufgestellt haben und Risiken aktiv bewirtschaftet haben?“, fragt Arta.
"Können politischem Auftrag von marktgerechten GV-Tarifen nachkommen"
Dank einer konservativen, über mehrere Jahre angelegten, strukturierten Beschaffungsstrategie ist es möglich, die Grundversorgungspreise in Dreieich unter der politisch diskutierten Preisgrenze von 40 Cent/kWh zu halten. Damit könne man dem politisch gewollten Auftrag von marktgerechten Grundversorgungstarifen trotz signifikant gestiegener Risiken nachkommen. Und dies für die gesamte Verbrauchsmenge und nicht nur für 80 Prozent.
Diese Beschaffungsstrategie sei auch in den letzten Jahren dafür verantwortlich gewesen, dass die Grundversorgungpreise (in Deutschland) trotz fallender Großhandelsmärkte in der Regel immer teurer waren als Vergleichsangebote von national agierenden, kurzfristig beschaffenden Drittlieferanten.
"Müssen wir Energie kurzfristig gewinnbringend am Markt verkaufen?"
„Anknüpfend an die veröffentlichten Grundversorgungspreise der Stadtwerke München mit über 60 Cent/kWh stellen sich für uns als Grundversorger jedoch folgende Fragen“, so Arta:
- „Begehen die Stadtwerke Dreieich
- Müssen wir unsere in der Vergangenheit beschafften Energiemengen
- Sollen wir die
- Würden wir
- Werden durch die Einführung der Energiepreisbremsen möglicherweise
- Wie können die Stadtwerke Dreieich langfristig abgesichert werden, wenn bei fallenden Großhandelsmarktpreisen die eigenen
Die Stadtwerke Dreieich planten aktuell, die Grundversorgungspreise im ersten Halbjahr 2023 nicht weiter anzupassen. „Sollten in den kommenden Wochen unverhältnismäßig viele Kunden aufgenommen werden müssen, die Forderungsausfälle zunehmen oder die energiewirtschaftlichen Risiken weiter ansteigen, werden wir zunächst die von der Politik geschaffene Möglichkeit der Ersatzversorgung anwenden und nachgelagert die Preisanpassungsmöglichkeiten der Strom-GVV nutzen“, versichert Arta.
Dies bedinge die Bereitschaft, Grundversorgungspreise künftig regelmäßig zu kalkulieren und gegebenenfalls auch mehrmals jährlich anzupassen, gleichwohl sei dies unter Würdigung des antizipierten Grundversorgungsauftrages stets zeitnah nach bestimmten Ereignissen vorzusehen.
"Pauschaler Deckelung stehe ich sehr skeptisch gegenüber"
Der Dreieicher Stadtwerkegeschäftsführer betont, dass er mit dem Schreiben nicht die Geschäftspolitik der Stadtwerke München noch die anderer Grundversorgungsunternehmen bewerten möchte. Gleichwohl fordert er alle Beteiligten auf, „die von mir geschilderten Gedanken zu würdigen und im laufenden Gesetzgebungsverfahren zu berücksichtigen sowie uns allen die notwendige Zeit zur Evaluierung der volkswirtschaftlich sinnvollsten Lösung einzuräumen“.
Es sei nicht auszuschließen, dass man in Dreieich perspektivisch den Energiepreisdeckel benötige. „Einer pauschalen Deckelung der Strom- und Gaspreise zum aktuellen Zeitpunkt stehe ich hingegen sehr skeptisch gegenüber“, hält er fest. Die Deckelung der Energiepreise für Verbraucher und Unternehmen erachte er aber als dringend geboten, um Privathaushalte, kleine und mittelständige Unternehmen sowie die Industrie kurzfristig zu entlasten. Auch die Beschränkung der Preisbremse auf ein Grundkontingent von 80 Prozent bei Verbrauchern sei sinnvoll. (hoe)



