Die Stadtwerke Bad Belzig (SWBB) befinden sich derzeit in einem Insolvenzverfahren. Darin wird die Zukunft des kommunalen Versorgers geklärt. (Symbolbild)

Die Stadtwerke Bad Belzig (SWBB) befinden sich derzeit in einem Insolvenzverfahren. Darin wird die Zukunft des kommunalen Versorgers geklärt. (Symbolbild)

Bild: © Coloures-Pic/AdobeStock

Die Muttergesellschaft Landwärme hatte am 16. Oktober die Beendigung der Bilanzkreiskooperation zwischen der Landwärme GmbH und der LWS bekanntgegeben. Dies geschah im Rahmen der Kündigung der Rechnungsbilanzkreise der LWS durch die Trading Hub Europe (THE).

Weder THE noch Landwärme wollten sich auf Anfrage zu den Gründen der Bilanzkreiskündigung äußern. THE verwies lediglich auf die vertraglichen und gesetzlichen Regelungen. Nach ZfK-Informationen konnten die nicht beglichenen Rechnungen in Millionenhöhe der Grund für die Kündigung gewesen sein.

Bilanzkreisführung in Eigenregie

Nach der Kündigung von insgesamt drei Bilanzkreisen für LWS durch THE hat Landwärme angekündigt, die Bilanzkreise in Eigenregie zu führen. Das Fremdgeschäft, also die Verwaltung externer Bilanzkreise als Dienstleistung, hat die Landwärme Service bereits an andere Anbieter abgegeben, sodass die Betreuung der betroffenen Kunden schnell gesichert werden konnte.

So berichtet BS Energy von einer neuen Partnerschaft mit Biocycling im Biogas-Bilanzkreismanagement. Innerhalb weniger Tage habe das Braunschweiger Unternehmen für den Biogasproduzenten die Marktzugänge für rund 70 GWh Biomethan an drei Einspeise-Standorten bundesweit neu geschaffen. Auslöser für diese Zusammenarbeit ist die Kündigung der Bilanzkreisverträge der LWS durch den bisherigen Anbieter Trading Hub Europe (THE) für alle Marktteilnehmer. Die Zusammenarbeit der beiden Tochterunternehmen von Veolia in Deutschland soll nun helfen, interne Synergien optimal zu nutzen, hieß es dazu.

Wie geht es mit LWS weiter?

Nach Angaben des Biomethanversorgers Landwärme wird Anna Katharina Wilke von der Sanierungskanzlei Flöther & Wissing und Richard Hesch von der WED+ Unternehmensberatung die Geschäftsführung der LWS übernehmen. Als vorläufigen Sachwalter hat das zuständige Amtsgericht Gordon Geiser von der Kanzlei GT Restructuring bestellt, der bereits in derselben Funktion bei der Landwärme GmbH das Verfahren im Interesse der Gläubiger überwacht.

In dem Verfahren sehe Landwärme die Möglichkeit, in Eigenregie alle Optionen zur Fortführung des Geschäftsbetriebs zu prüfen, hieß es aus München. Dies schließe die Integration in die Muttergesellschaft Landwärme mit ein. Die Gehälter der sieben Mitarbeitenden seien "zunächst gesichert", hieß es weiter.

Marktteilnehmer suchen nach Alternativen

Auch als Reaktion auf die Schieflage bei Landwärme hatte der Erneuerbarendienstleister Green Navigation Ende August eine Matchingplattform gegründet, um Biomethanabnehmer und -produzenten direkt zusammenzubringen und so die Lieferausfälle zu vermeiden. "Es gibt sicherlich einige, die mit Landwärme in einer Geschäftsbeziehung stehen, schließlich zählt Landwärme zu einem der größten Biomethan-Marktakteure", sagte die Geschäftsführerin von Green Navigation, Vera Schürmann, der ZfK. Wer konkret und wie viele von den bisherigen Landwärme-Vertragspartnern dabei sind, sei ihr nicht bekannt. Insgesamt zähle die Plattform mittlerweile rund 150 Teilnehmer.

In den vergangenen Wochen wurden zunehmend Angebote mit Lieferstart 1. November 2024 eingestellt, sagte Schürmann. Von einigen Produzenten wisse sie, dass sie so schnell wie möglich einen neuen Abnehmer finden müssen, da sie Landwärme aufgrund der bestehenden Zahlungsschwierigkeiten nicht mehr beliefern.

Gemischte Gefühle vor dem Verfahrensauftakt

Die Auswirkungen durch die THE-Bilanzkreiskündigung sowie den Insolvenzantrag der LWS auf die Kunden seien enorm. "Auch wenn noch keine endgültige Klarheit besteht, werden voraussichtlich die Gasmengen und die Bilanzkreisflexibilität, die sich in den einzelnen Subbilanzkonten der Kunden befunden haben, verloren sein", resümiert sie. Die entstandenen Schadensvolumina würden zurzeit bewertet. Abgesehen davon mussten die betroffenen Marktakteure schnellstmöglich einen neuen BKM-Dienstleister finden, weil die laufende Abwicklung eingestellt wurde.

Wenige Tage vor dem Start des Insolvenzverfahrens herrscht unter den Gläubigern "eine Mischung aus Wut, Nervosität, Unverständnis und Hoffnung", vernahm die ZfK aus dem Branchenumfeld. Die Hoffnung begründet sich darin, dass mit Beschluss der Insolvenz Käufer nicht mehr an ihren Vertrag gebunden sind und ein neues Lieferverhältnis eingehen können und umgekehrt Produzenten endlich neue Käufer finden können.

Landwärme bewahrt Optimismus

Landwärme selbst blickt deutlich optimistisch auf die anstehenden Termine beim Gericht sowie die Gläubigerversammlung, die voraussichtlich im Dezember stattfinden soll. Landwärme stehe bei der Sanierung "voll im Plan", betonte eine Unternehmenssprecherin auf ZfK-Anfrage. "Das Unternehmen kann die meisten seiner Ökogas- und EEG-Kunden derzeit ohne Vertragsanpassung weiter beliefern." Auch die Novellierung der 38. Bundesimmissionsschutzverordnung (38. BImSchV) bewerte Landwärme als positives Signal für eine leichte Stabilisierung für die Jahre 2025/2026, obwohl die Maßnahmen keinen Bezug auf den THG-Quotenmarkt hätten, der weiterhin stark unter Druck stehe.

Auch laufe die Suche nach einem potenziellen finanzstarken Partner für Landwärme gut, hieß es weiter aus München. Die Verhandlungen mit den möglichen Investoren seien bereits fortgeschritten. (am)

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