Marten Bunnemann, Vorstandsvorsitzender, Avacon AG, sieht große Potenziale für die Energiewirtschaft beim Thema "grüne Daten" und bei Wasserstoff.

Marten Bunnemann, Vorstandsvorsitzender, Avacon AG, sieht große Potenziale für die Energiewirtschaft beim Thema "grüne Daten" und bei Wasserstoff.

Bild: © Avacon AG

Nach den Krisenjahren kehrt der Regionalversorger Avacon zur Normalität zurück, auch wenn die Zeiten heraufordernd bleiben. "Endlich ein Normaljahr", resümierte der CEO des Regionalversorgers Marten Bunnemann, im Gespräch mit Journalisten.

Auch seinen Jahresüberschuss konnte Avacon deutlich steigern und damit auch seine Aktionäre bedienen. Von diesen 240 Mio. Euro schüttet Avacon 131 Mio. Euro aus. Das Unternehmen gehört zum Eon-Konzern, doch auch 80 Kommunen und Landkreise aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen halten 38,5 Prozent der Avacon-Anteile.

Netze im Fokus der Investitionen

Das Investitionsniveau konnte Avacon im Vergleich zum Jahr 2022 um über 40 Prozent auf rund 500 Mio. Euro steigern. Damit hat das Unternehmen seine Ankündigung wahrgemacht. Davon floss der mit Abstand größte Anteil in das Kerngeschäft Netze. Davon waren wiederum gut 95 Prozent für das Stromnetz vorgesehen und der Rest für Instandhaltung und Betrieb des Gasnetzes, erläuterte der Avacon-CEO. Die Netzinvestitionen bleiben auch weiterhin die absoluten Schwerpunkte der Investitionen.

Neben dem Kerngeschäft investiere Avacon über seine Mehrheitsbeteiligungen in den Breitbandausbau und dezentrale Energielösungen. Dazu zählen unter anderem Erneuerbarenprojekte/Quartierslösungen.

Grünstromquote steigt auf 230 Prozent

"Wir haben inzwischen über 90.000 Erneuerbarenanlagen am Avacon-Netz und steuern in diesem Sommer auf die 100.000 zu, so Bunnemann.

Damit ist die Grünstromquote im Einzugsgebiet von Avacon auf 230 Prozent gestiegen. Damit produzieren die 
Erneuerbarenanlagen im Netzgebiet des Unternehmens mehr als doppelt so viel Ökostrom als von den Kunden verbraucht wird. Die Anzahl der Anträge für weitere Anlagen wächst exponentiell, was mit gewissen Wachstumsschmerzen einhergehen würde.

Insgesamt sei die Situation angespannt, räumt Bunnemann auf ZfK-Anfrage ein. "Wir tracken alle Durchlaufzeiten und beobachten die Anschlusszeiten für standardisierte Prozesse, beispielweise für eine PV-Anlage mittlerer Größe." Trotz einer deutlichen Steigerung der Anträge habe sich die Situation hier mit Sicherheit nicht verschlechtert, betonte er. 

Beschwerdenanstieg "längst nicht proportional"

Ein wichtiger Indikator sei für ihn dabei die Anzahl der Beschwerden. Ihre Menge steige zwar in absoluten Zahlen, aber "längst nicht proportional" zu den Anschlusszahlen. "Natürlich holpert es noch in Einzelfällen, doch die Situation wird tendenziell besser als schlechter." Engpasssituationen bei Anschlüssen in seinem Netz, wie etwa im Fall von Oranienburg, sieht Bunnemann deshalb nicht kommen, auch wenn die Grundkonstellation vergleichbar sei. Mit den vor- und nachgelagerten Netzbetreibern sowie auch mit den Kommunen stehe Avacon im intensiven Dialog, um die Ausbau- und die Bedarfsebene zu synchronisieren – "so gut es geht".

Hoher Investionsbedarf

Einen Teil des Jahresergebnisses darf Avacon behalten. Dieses Geld diene als Gewinnrücklage zur Stärkung der Eigenkapitalquote des Unternehmens. Das Geld soll helfen, die Investitionsziele zu erhöhen – und die haben es in sich. Dringenden Bedarf sehe Bunnemann unter anderem beim Netzausbau sowie bei der Digitalisierung der Prozesse.

Für das laufende Jahr hat das Unternehmen ein Investitionsvolumen von 560 Mio. Euro angekündigt. Schrittweise steigt das jährliche Investment auf 760 Mio. Euro im Jahr 2028. Die kumulierte Investition in den fünf Jahren belaufe sich dann auf rund drei Mrd. Euro, rechnet Bunnemann vor. Während Avacon seine Investitionen 2021 noch aus dem internen Cashflow stemmen konnte, sei das Unternehmen zudem "stark auf die Aufnahme von Fremdkapital angewiesen".

Joint Venture für kommunale Wärmeplanung

Neben dem Stromnetz rückt der Bereich Wärmeversorgung ebenfalls zunehmend in den Fokus des Unternehmens. Mit dem Ingenieurbüro Ineg aus Baden-Württemberg ist Avacon Ende 2023 ein Joint Venture eingegangen: Das gemeinsame Unternehmen namens "Wärmeschmiede" sei eine Reaktion auf den steigenden Bedarf an Expertise im Bereich kommunaler Wärmeplanung, erläuterte Bunnemann im Gespräch mit der ZfK. Es habe eine rein beratende Funktion und es gebe bereits eine Reihe von Kommunen, die mit dem Unternehmen Kontakt aufgenommen hätten. Auch zahlreiche Ausschreibungen würden derzeit starten. "Das Thema wird demnächst deutlich an Dynamik gewinnen", sagte er weiter. (am)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper