Mehr Flexibilisierung könnte die zahlreichen Herausforderungen im künftigen Energiesystem lösen, wie eine aktuelle Studie aufzeigt. (Symbolbild)

Mehr Flexibilisierung könnte die zahlreichen Herausforderungen im künftigen Energiesystem lösen, wie eine aktuelle Studie aufzeigt. (Symbolbild)

Bild: © yaly/AdobeStock (KI-generiert)

Sebastian Ligewie_Montel Analytics_Sep25_amBild: @ Montel Analytics

Gastbeitrag von
Sebastian Ligewie,
Energy Market Analyst
Montel Analytics


Sinkende Marktwerte und immer häufiger auftretende negative Stundenpreise setzen PV-Projekte zunehmend unter Druck. Viele Projektierer setzen deshalb auf das Tandem aus Photovoltaik und Batteriespeicher.

Durch die zusätzliche Flexibilität des Speichers kann die erzeugte Energiemenge in spätere Stunden verschoben oder auf anderen Märkten vermarktet werden. Doch wie groß sollte ein Grünstromspeicher sein, um wirtschaftlich sinnvoll betrieben werden zu können? Der erste Impuls ist da meistens, dass man den Speicher so groß wie möglich dimensioniert, um möglichst viel Energie bewegen zu können. Eine Analyse von Montel Analytics zeigt allerdings: Größer ist nicht immer besser. Untersucht wurde eine mittelgroße PV-Freiflächenanlage mit 18 MWp, die um einen Batteriespeicher erweitert werden soll. In der Modellierung wurden zwei Parameter des Speichers variiert:

• Leistung: 14,4/9,6/4,8 MW
• Speichertiefe: 0,5/1/2/4 h

Die maximale technische Fähigkeit eines Battery Energy Storage Systems, BESS-Leistung, entsprach 80 Prozent der Nennleistung der PV-Anlage – also etwa dem, was in der Praxis als maximale Erzeugung unter optimalen Bedingungen erwartet werden kann. Simuliert wurden die Erlöse über einen Betrachtungszeitraum von 15 Jahren, unter Annahme einer Teilnahme an der Innovationsausschreibung mit einem anzulegenden Wert von 61,5 Euro je Megawattstunden.

Die Kapazität des Netzanschlusses bildet keine Restriktionen ab, sprich, sie ermöglicht ein volles Einspeisen des Solar- und Batteriestroms. In der Realität können hier Restriktionen und Raum für Optimierung bestehen – denn je größer der Netzanschluss, desto teurer. Zur Vereinfachung und besseren Verständlichkeit der Sensitivität wurde diese Dimension hier ausgeblendet. Die Resultate sind eindeutig: Wird die Leistung des Speichers erhöht, steigen die Erlöse nahezu linear an – bis zur maximal simulierten Größe. Der Zugewinn bewegt sich hier im Bereich von elf bis 19 Prozent und wurde im Diagramm über alle Konfigurationen gemittelt. Es kann also von einem konstant bleibenden Grenzerlös gesprochen werden – also davon, dass eine doppelt so große Batterie auch doppelt so viel Mehrerlös bietet. Bei der Untersuchung der Speichertiefe zeigt sich ein anderes Bild: Zwar steigen die Erlöse zunächst deutlich, wenn die Entladedauer von einer halben auf eine Stunde erhöht wird, doch bereits ab zwei Stunden flacht der Mehrwert stark ab.

"Wird die Leistung des Speichers erhöht, steigen die Erlöse nahezu linear an – bis zur maximal simulierten Größe."

Zusätzliche Kapazität bringt zwar noch einen Zuwachs, dieser fällt jedoch mit jeder weiteren Ausbaustufe geringer aus. Es kann also von einem abnehmenden Grenznutzen gesprochen werden. Woran liegt das? Die Fähigkeit, kurzfristige Schwankungen am Intradaymarkt mit höherer Leistung einzufangen, schöpft die Erlöspotenziale besser aus als das Verschieben großer Energiemengen über mehrere Stunden hinweg. Längere Durchhaltezeiten spielen da im Vergleich eine geringere Rolle, da systematische Preiskorridore über viele Stunden hinweg selten deutliche Mehrerlöse bieten. Der Grund: Volatilität auf dem Intradaymarkt, auf dem hauptsächlich die Prognosefehler erneuerbarer Energien zu Spreads führen. Doch diese Analyse hat auch ihre Grenzen.

Der "Sweet spot" für die Dimensionierung eines jeden Projekts muss natürlich mehrere Dimensionen mit in Betracht ziehen. Die reine Erlösbetrachtung ist eindimensional und muss noch um die Kosten für die Leistungs- und Kapazitätskomponenten ergänzt werden, um das Bild zu vervollständigen. Auch ist die Aussagekraft nur auf die Betrachtung eines Grünstromspeichers ohne Netzrestriktionen beschränkt. Kommen die Vermarktung als Graustromspeicher oder etwaige netzseitige Restriktionen noch mit auf den Zähler, kann sich die Lage auch ändern.

Doch eines können wir hieraus auf jeden Fall lesen: Größer ist nicht immer besser. Wer falsch überdimensioniert, riskiert unnötige Kosten ohne entsprechenden Mehrwert. Daher sind Projektierer gut beraten, hier kritisch zu bleiben und sich klug beraten zu lassen.

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