Olaf Geyer ist Geschäftsführer und Senior Partner beim Beratungsunternehmen Advyce.

Olaf Geyer ist Geschäftsführer und Senior Partner beim Beratungsunternehmen Advyce.

Bild: © Advyce

Herr Geyer,  Stadtwerke-Kooperationen werden häufig diskutiert in der Branche und auf Kongressen. Wie sieht die Realität aus, kommt da mittlerweile mehr Schwung in das Thema?
Geyer: Das Thema Kooperationen hat ganz klar zugenommen in den vergangenen Jahren. Es gibt zum Teil sogar Fusionen, wie bei Enso und Drewag. In der Mehrzahl der Fälle geht es aber um eine konkrete Zusammenarbeit in bestimmten Geschäftsfeldern. Auch die Politik hat verstanden, dass die Stadtwerke nicht mehr alles alleine machen können. Gängige Themen sind etwa Abrechnung, Mako, EDM, Forderungsmanagement, Produktentwicklung. Also Dinge, die man gemeinsam einfacher und besser machen kann.

Ein kleines Stadtwerk kann bestimmte Fachleute, etwa im Bereich Mako, E-Mobilität oder PV nicht alleine auslasten und muss deshalb kooperieren.

Werden wir in den kommenden Jahren deutlich mehr Kooperationen sehen?
Diese Art der Zusammenarbeit wird weiter zunehmen, weil der Druck da ist, Kosten zu sparen, aber auch stabile Prozesse hinzubekommen. Die Anforderungen an Energieversorger, ob sie aus Regulatorik oder Markt kommen, nehmen immer mehr zu. Die Anforderungen an die Stadtwerke steigen. Es werden mehr Spezialisten benötigt und der Fachkräftemangel wirkt sich immer deutlicher aus. Ein kleineres Stadtwerk kann diese Fachleute, etwa im Bereich Mako, E-Mobilität oder PV, nicht alleine beschäftigen und auslasten und muss deshalb kooperieren.

Durch die reine Zusammenlegung von Assets entstehen aber erst einmal keine qualitativen und quantitativen Synergien.

Mit der Rheinland-Kooperation soll Anfang 2022 die Zusammenarbeit von Rheinenergie, Westenergie und der Rhenag mit kleineren und mittleren Stadtwerken im Umland von Köln vertieft werden. Wie bewerten Sie dieses Modell?
Ich sehe da die echte Kooperation nicht. Aus meiner Sicht werden da Beteiligungen gebündelt, um zum einen bessere Hilfestellung bei den aktuellen Herausforderungen zu geben und zum anderen auch damit die Rhenag und die Rheinenergie ihre Dienstleistungen besser verkaufen können. Durch die reine Zusammenlegung von Assets entstehen aber erst einmal keine qualitativen oder quantitativen Synergien.

Der Ansatz einer engeren Zusammenarbeit im Wirtschaftsraum Rheinland ist jedoch richtig, um die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Stadtwerke zu stärken.

Die betroffenen kleinen und mittleren Stadtwerke sollen unter anderem durch Know-how-Transfer, Zugriff auf System-Dienstleistungen oder ein gemeinsames, zentrales Regulierungsmanagement profitieren.
Das erinnert mich an das Thüga-Modell. Die Thüga hat ja auch in der Regel Minderheitsbeteiligungen und bietet Produkte und  Beratungsleistungen an, um Skaleneffekte zu erzielen. Das ist für mich aber keine echte Kooperation. Dafür müssten dann vielmehr etwa bestimmte Abrechnungs- und Buchhaltungs-Dienstleistungen bei der Rhenag oder der Rheinenergie oder anderswo zentralisiert erbracht werden für alle anderen. Es gibt aber vereinzelt bereits lokal innerhalb der Rheinland-Kooperation Modelle, die in diese Richtung gehen.  

Im Vertrieb zu kooperieren, ist immer schwierig zwischen kleineren und größeren Stadtwerken.

Es geht aber auch darum, einen größeren Wirtschaftsraum im Verbund kommunaler Unternehmen zu bespielen. Kleinere Stadtwerke etwa können Kunden vor Ort künftig auch komplexere Lösungen der Rheinenergie und der Rhenag anbieten.
Damit kann sicherlich den Kunden vor Ort geholfen werden. Entscheidend ist aber, dass das lokale Stadtwerk auch wirtschaftlich etwas davon hat, wenn etwa die Rheinenergie eine Quartierslösung dort umsetzt. Das geht aber nur, wenn bei so einer Lösung auch Dienstleistungen von dem Stadtwerk vor Ort erbracht werden.

Auf der Marktseite, sprich im Vertrieb, zu kooperieren und Dienstleistungen zu erbringen ist immer schwierig zwischen kleineren und größeren Stadtwerken. Da ist es wichtig, dass alle Beteiligten gleichermaßen daran partizipieren und davon profitieren können.

Viele Kooperationen sind gerade deshalb gescheitert, weil zu wenig Verbindlichkeit vorhanden war.

Was ist aktuell die gängigste Art der Kooperation in der Branche?
Kooperationsgesellschaften nehmen  immer mehr zu. Zwar lassen sich durch ein Outsourcing häufig noch höhere Skaleneffekte erzielen. Aber es ist nicht so einfach dafür politisch eine Akzeptanz zu erzielen, auch weil das mit dem Abbau von Arbeitsplätzen verbunden sein kann. Deshalb wird häufig eine Lösung mit zwei oder drei Partnern in der Region gewählt, um weiterhin den Einfluss auch auf die jeweils betroffenen Bereiche zu behalten.

Eine Kooperationsgesellchaft ist aus meiner Sicht auch die effektivste Form, um wirklich Effizienzen heben zu können. Viele Kooperationen in der Vergangenheit sind gerade deshalb gescheitert, weil zu wenig Verbindlichkeit vorhanden war. Da wo eine gemeinsame Gesellschaft gegründet wird, ist die Erfolgswahrscheinlichkeit sehr hoch.

(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)

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Mehr zum Thema Kooperation und der Rheinland-Kooperation im Speziellen lesen Sie in der Augustausgabe der ZfK. Diese ist am vergangenen Montag, 9. August, erschienen. Zum Abo geht es hier.

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