Die Stadtwerke München rechnen damit, allein im kommenden Jahr 330 Mio. Euro für die Finanzierung der Strompreisbremse nach Berlin überweisen zu müssen. Das erklärte der Vorsitzende der SWM-Geschäftsführung Florian Bieberbach im Interview mit der „TZ“.
Die SWM erhöhen die Strompreise in der Grundversorgung ab Januar um fast das Doppelte auf annähernd 62 Cent pro kWh. Weil die Erlösabschöpfung aber nun erst ab Dezember greift, hatte der Kommunalversorger vor einer Woche eine Senkung auf 52 Cent pro kWh ab April beschlossen. „Die Laufzeit der Abschöpfung ist zunächst bis zum 30. Juni 2023 befristet. Sie kann bis 30. April 2024 verlängert werden. Deshalb müssen wir abwarten“, so Bieberbach weiter. Wenn das Unternehmen seine Gewinne wieder behalten dürfe, werden man definitiv wieder günstiger als andere Anbieter.
„Aus PR-Sicht ist das natürlich ein Desaster. Wir müssen die Preise erhöhen, die der Staat dann deckelt mit unserem Geld“, so der SWM-Chef weiter.
"Im Stromeinkauf sind wird kurzfristiger unterwegs"
Die Erzeugung von Strom und der Kundenvertrieb sind bei den SWM getrennte Geschäfte. „Dazu kommt, dass wir den Ökostrom aus unseren Anlagen nach deutschem Recht noch nicht als Ökostrom an unseren Vertrieb verkaufen dürfen“, so Bieberbach weiter. Deshalb verkaufe man den erzeugten Strom und beziehe den Strom für die Kunden großteils über die Börse.
Da die SWM ihre Erzeugung aus erneuerbaren Energien bis zu drei Jahre im Voraus verkauften, hätten sie im abgelaufenen Jahr nur bedingt von den hohen Strompreisen profitiert. Bieberbach geht aber dennoch von einem hohen Zusatzerlös aus. „Wir sichern unsere Kraftwerke gerne langfristig ab, damit sie solide finanziert sind – es gab ja auch Jahre mit niedrigen Strompreisen“. Im Einkauf sei man kurzfristiger unterwegs, um auf den Großmarkt reagieren zu können. „Wenn die Preise über Monate nur steigen, ist das natürlich schlecht“. (hoe)



