Die Geothermie gilt als wichtiger Baustein der Energiewende. Deutschlandweit gibt es hier viel Potenzial. Doch die Kosten der ersten Probebebohrungen im Bereich der Tiefengeothermie liegen oft im Millionenbereich. Das schreckt oft kleinere Energieversorger vor derartigen Projekten ab. Schließlich bleibt das Risiko, dass die Bohrungen nicht die im Vorfeld angenommenen Temperaturen oder Ergiebigkeiten zum Vorschein bringen.
Diese gewichtige Anfangshürde will das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) gemeinsam mit der staatlichen Förderbank KfW beseitigen. Sie wollen eine staatlich unterstützte Versicherungslösung für das sogenannte Fündigkeitsrisiko für tiefe Geothermiebohrungen etablieren. Auf der VKU-Finanzierungskonferenz Ende November vergangenen Jahres wurden erste Grundzüge der Planungen bekannt.
Programmstart für Mitte des Jahres geplant
"Das Produkt verbindet die Finanzierung von Bohrungen mit der Absicherung des Fündigkeitsrisikos durch Schuld- bzw. Teilschulderlasse im Schadensfall (Nicht- bzw. Teilfündigkeit der Bohrung)", erklärt Christian D. Schmidt, Direktor kommunale und soziale Infrastruktur bei KfW, gestern auf Anfrage. Dazu sei man in engem Austausch mit dem BMWK und privaten Haftungsgebern.
"Unsere Partner sollen perspektivisch Risiken übernehmen, die der KfW durch die gewährte Absicherung im Schadensfall entstehen", so Schmidt weiter. Aktuell würden noch nicht alle internen und externen Voraussetzungen für eine Produkteinführung am Markt vorliegen. "Wir hoffen derzeit, dass ein Programmstart Mitte des Jahres möglich werden könnte."
Bohrspezialist Daldrup mit eigener Versicherungslösung erfolgreich
Andreas Tönies, CEO der auf Bohr- und Umweltdienstleistungen spezialisierten Daldrup & Söhne AG, begrüßt die Pläne des BMWK zur Absicherung der Fündigkeitsrisiken: „Mit einer staatlich unterlegten Versicherungslösung wird eine wesentliche Hürde für kommunale wie private Auftraggeber von tiefen Geothermieprojekten abgebaut“.
Einschlägige Studien gingen davon aus, dass die Geothermie bis zu 40 Prozent der Wärmeversorgung übernehmen kann. Daldrup & Söhne hat nach eigenen Angaben gemeinsam mit namhaften Partnern der Versicherungswirtschaft bereits ein Konzept zur Absicherung von Fündigkeitsrisiken bei der Erstellung von Tiefengeothermieprojekten entwickelt.
"Damit sind Geothermiebohrungen häufig von Beginn an über Banken finanzierbar"
Das sogenannte ART-Konzept (Alternative Risk Transfer) sei seit 2016 bereits mehrfach erfolgreich von Kunden in Deutschland und den Niederlanden genutzt worden. Wesentlich sei dabei, dass mit dem Absicherungskonzept die Finanzierung von qualifizierten Geothermieprojekten mit einem hohen Fremdkapitalanteil von Seiten der Banken begleitet werden könne.
"Damit sind Geothermiebohrungen für Projektentwickler und Investoren häufig bereits von Beginn an, auch über Kreditinstitute finanzierbar", heißt es. Daldrup trete dabei weder als Finanzierer noch als Versicherer auf. Die Fündigkeitsrisiken würden von Dritten getragen. (hoe)



