Der Investitionsrückstand in die Infrastruktur liegt bei knapp 200 Mrd. Euro, hinzukommen rund 600 Mrd. Euro an notwendigen Aufwendungen für die Energiewende und den Umbau des Energiesystems in den nächsten Jahren.
Um das zu finanzieren, will die Mehrheit der Kommunen laut dem ZfK-Kommunalpanel die Aufnahme von Kommunalkrediten ausweiten, auf die zusätzliche Aufnahme von Eigenkapital oder die Emission von Schuldscheindarlehen setzen laut der Umfrage nur jeweils weniger als zehn Prozent.
„Die Neuinvestitionen in die Energiewende werden aber zu einem drei Mal höheren Zinsniveau als noch in 2020 erfolgen. Da zu sagen, am liebsten wäre mir der Kommunalkredit, zeigt, dass es hier eine Sollbruchstelle gibt, die sich zumindestens heute noch nicht auflöst“, sagte Frank Nickel, Vorstand der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und Gastgeber der jüngsten VKU-Finanzierungskonferenz zum Auftakt der Veranstaltung in Frankfurt am Main.
Besseres Verständnis der neuen Geschäftsmodelle erforderlich
Die immensen Finanzierungsherausforderungen ließen sich nur in einem gesunden Finanzierungsmix, bewerkstelligen, der auch Eigenmittel vorsehe. „Am Ende wird es nicht das Fremd- oder Eigenkapital sein, sondern es bedarf eines wie auch immer gearteten, intelligenten Mischungsverhältnisses von ganz unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten“, so der Helaba-Vorstand.
Damit die Kreditinstitute die Branche auf dem Weg der Transformation effektiv begleiten können, sei ein noch besseres Verständnis der gegenseitigen Anforderungen und Geschäftsmodelle erforderlich. „Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass der Transformationspfad nicht immer so läuft, wie geplant. Wenn hier ein gutes Verständnis füreinander vorhanden ist, können sich die Partner auch aufeinander verlassen“.
Liebing: "Mehr privates Kapital für die Finanzierung"
Auch VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing bezeichnete die Finanzierung der Transformationsinvestitionen als zunehmende Herausforderung. Stadtwerke müssten dafür drei bis vier Mal so viel investieren wie bisher. Um das zu stemmen, müsse die Branche mehr privates Kapital für die Finanzierung gewinnen.
Er verwies dabei auf das kürzlich vom VKU und dem Beratungsunternehmen Deloitte angestoßene Projekt zur Finanzierung der Transformation. Dieses soll eine weitergehende Diskussion über einen tragfähigen Finanzierungsmix anstoßen, auch die Auflegung eines sogenannten Energiewendefonds wird hierbei diskutiert.
"Erhöhung der Kapitalmarktfähigkeit"
Bei diesem Modell würden Energieversorger Anträge für ihre Projekte stellen. Auf einer Verbriefungsplattform werden diese geprüft und mit dem bestehenden Angebot an Finanzierungsmitteln gematcht. Werden die benötigten Finanzvolumina erreicht, bezuschussen Bund oder Länder das Projekt als stille Kapitalgeber. Der Staat und private Investoren sind gewinnbeteiligt bis der Fonds nach Ende der Laufzeit zurückgezahlt wird.
Bankkredite und Innenfinanzierung werden nicht ausreichen, um die Energiewende zu finanzieren, prognostizierte Thomas Schlaak, Global Sector Leader Power, Utilities und Renewables bei Deloitte. Deshalb müssten gerade kleinere und mittlere Energieversorger ihr Kapitalmarktfähigkeit erhöhen, beispielsweise durch Bündelung von Projektvolumina, um kapitalmarktrelevante Finanzierungsgrößen zu erreichen.
Michels: "Wege finden, um Eigenkapital-Anteil zu steigern"
Die Zinsbelastung deutscher Unternehmen im Neugeschäft hat laut Jürgen Michels, dem Chefvolkswirt und Leiter der Research der BayernLB, in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. „Die Banken haben die Ausfallrisiken wieder mehr im Blick, die Kreditvergabestandards verschärfen sich immer noch“, so Michels. Auch die Kapitalmärkte schauten sich wieder viel genauer an, ob einzelne Maßnahmen finanzierungsfähig seien und wie hoch die Schuldentragfähigkeitsrate ist.
Den Finanzverantwortlichen kommunaler Unternehmen empfiehlt er angesichts dieser Rahmenbedingungen möglichst breite Finanzierungsmöglichkeiten zu finden, sowohl über den Kapitalmarkt als auch über andere Instrumente. Wichtig sei es in dem momentan sehr unsicheren Finanzumfeld flexibel zu agieren und nicht in Panik zu verfallen.
Die Herstellung einer guten Kapitalbasis sei dabei zentral. „Es wird ganz wichtig werden, Wege zu finden, um den Eigenkapital-Anteil zu steigern“, stellte der Chefvolkswirt klar.
Geothermie: KfW arbeitet an Programm zur Finanzierung von Fündigkeitsrisiken
Die Finanzierung der Transformation steht auch ganz oben auf der Agenda der staatlichen Förderbank KfW. Laut Christian D. Schmidt, Direktor kommunale und soziale Infrastruktur, analysiert die Förderbank aktuell, in welchen Bereichen der Wärmewende die höchsten Finanzierungsbedarfe bestehen.
Derzeit wird konkret an der Entwicklung eines Instrumentariums gearbeitet, dass die Fündigkeitsrisiken bei Geothermieprojekten, vor allem in den ersten zwei Jahren abfedert respektive finanziert. Zu näheren Details wollte sich die Förderbank mit Blick auf die noch laufende Entwicklungsphase noch nicht äußern. Die Finanzierungslösung soll bis zum Frühjahr 2024 auf den Markt gebracht werden. (hoe)



