Bei der Vertragsunterzeichnung: v.l.n.r. Matthias Klein-Lassek (DEW 21), Dr. Oliver Runte (Trianel), Sven Becker (Trianel), Henning R. Deters (Gelsenwasser).

Bei der Vertragsunterzeichnung: v.l.n.r. Matthias Klein-Lassek (DEW 21), Dr. Oliver Runte (Trianel), Sven Becker (Trianel), Henning R. Deters (Gelsenwasser).

Foto: © Trianel

Nach der 108. Gesellschafterversammlung der Trianel am 15. Dezember gehören die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW 21) sowie die Gelsenwasser aus Gelsenkirchen ab sofort dem Trianel-Netzwerk an.

Die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells hin zu Fokussierung auf das Handelsgeschäft und Projektentwicklung mache Trianel mittlerweile für viele Marktteilnehmer interessant, ordnete Sprecher der Trianel-Geschäftsführung, Sven Becker, den Schritt im Gespräch mit der ZfK ein. Der Einstieg von DEW 21 und Gelsenwasser bestätige uns in "unserer strategischen Ausrichtung".

Rekordergebnis in der Krisenzeit

Tatsächlich lieferte die Trianel im vergangenen Jahr wegen der Handelssparte, aber auch durch Sondereffekte bedingt, eine starke Performance ab. Sie schloss in der Krisenzeit mit einem Gesamtergebnis vor Steuern (EBT) von 66,3 Mio. Euro ab – eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr von 357 Prozent. 2020 lag die Dividende noch bei 4,7 Mio. Euro, stieg 2021 auf 8,9 Mio. Euro und erreichte 2022 27,4 Mio. Euro.

"Zusätzlich zur Beteiligungsrendite spielen für die Gesellschafter aber auch Beschaffungskostenvorteile, Know-how und der Zugang zu strategischen Optionen eine große Rolle", erläutere Becker. Die positive Ergebnisentwicklung wolle die Trianel auch mit dem Jahresabschluss 2023 bestätigen und das Niveau auch 2024 halten, so Becker weiter.

Gerade die neueren Herausforderungen, die sich aus den immer komplexeren, schnelleren und volatileren Märkten ergeben, würden bei Trianel gut antizipiert, sagte Gerhard Holtmeier, Vorsitzender der Geschäftsführung bei DEW 21, im Interview mit der ZfK (Das Interview erscheint in der Januarausgabe 2024 Anm. d. Red.). Sein Unternehmen beschäftige sich derzeit intensiv mit der Direktbeschaffungen aus Erneuerbarenanlagen beispielsweise über PPA sowie mit der Flexibilisierung der Produkte.

"Aufgrund des Umfanges unserer Geschäftstätigkeiten ist für uns ein eigener Energiehandel unerlässlich." Allerdings könne DEW 21 verstärkt von der Expertise und den weiteren Dienstleistungen der Trianel profitieren. Hier können und werden wir in einen noch engeren Austausch mit Trianel gehen, so Holtmeier weiter.

Sechs Gesellschafter haben Anteile verkauft

Im Rahmen ihres Beitritts haben DEW 21 und Gelsenwasser Anteile von Gesellschaftern übernommen, die im Laufe des Jahres 2023 ihre Anteile veräußert oder reduziert haben. Aus dem Gesellschafterkreis ausgestiegen sind demnach die SWU Energie, die Schleswiger Stadtwerke, die Stadtwerke Herford, die Stadtwerke Bad Salzuflen, die Salzburg AG sowie die Regio Energie Solothurn. Ihre Anteile an der Trianel reduziert haben zudem die Stadtwerke Witten sowie die N.V.HVC. Alle ausscheidenden Gesellschafter würden zudem als Kunden, Gesellschafter von Trianel Projektgesellschaften oder als Netzwerk-Partner weiterhin "Teil der Trianel-Familie bleiben", teilte Trianel mit.

Keine Kapitalerhöhung

Da der Beitritt nicht über eine Kapitalerhöhung erfolgt sei, erläuterte Becker, hätten DEW21 und Gelsenwasser diesen Gesellschaftern ein "sehr interessantes Kaufangebot für die Anteile" gemacht. "Einige Gesellschafter, die langjährige Gesellschafter von Trianel waren, haben die Gelegenheit genutzt, ihre Anteile lukrativ zu veräußern." Details des Angebots nannte er nicht.

Durch die Transaktionen sinkt die Anzahl der Mitglieder im Gesellschafterkreis auf 53 Stadtwerke. Bislang gab es bei der Trianel sechs Gesellschafter mit einem Anteil über fünf Prozent. Zwei Gesellschafter mit je 7,5 Prozent der Anteile könnten die Entscheidungsmacht von einigen Wenigen damit erhöhen. Bereits im Vorfeld kam auch die Kritik vonseiten der kleineren Stadtwerke an der Zweckmäßigkeit, Themensetzung und den hohen Kosten für Seminare sowie der sinkenden Attraktivität im Zuge der Restrukturierung der Trianel auf.

Becker verspricht gleichberechtigte Partnerschaft

Dieser Sorge widerspricht Becker entschieden: "Natürlich gibt es hier Diskussionen um den gemeinsam besten Weg. Diese moderieren wir gerne", räumt Becker ein. Allerdings sei die Trianel "eine Gemeinschaft von gleichberechtigen Partnern". Bei all den Unterschieden würden die Gesellschafter die gleichen Herausforderungen bei der Umsetzung der Energiewende verbinden sowie "die feste Überzeugung, dass die Anforderungen an ein klimaneutrales, wirtschaftliches und sozial ausgewogenes Energiesystem gemeinsam leichter zu bewältigen sind als allein", führte Becker aus.

"Die operative Verantwortung bleibt bei Trianel"

Holtmeier sprach sich im Gespräch mit ZfK dafür aus, "die Verantwortung dort zu belassen, wo sie hingehört": Die operative Verantwortung liege allein bei der Geschäftsführung der Trianel. Die Stadtwerkekooperation habe in der Vergangenheit nicht nur gute Zeiten gehabt, hat aber sehr viel daraus gelernt. Insoweit sei Trianel ein "herausgehobenes Beispiel einer flexiblen, nachhaltigen Unternehmensstrategie", sagte er weiter. (am)

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