„Die Coronapandemie hat uns allen einen dramatischen Perspektivwechsel beschert und unser Leben – wie wir es bis dahin kannten – elementar verändert": Heike Heim, Vorsitzende der Geschäftsführung der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21).

„Die Coronapandemie hat uns allen einen dramatischen Perspektivwechsel beschert und unser Leben – wie wir es bis dahin kannten – elementar verändert": Heike Heim, Vorsitzende der Geschäftsführung der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21).

Bild: ©DEW21

Heike Heim ist nicht mehr Vorstandsvorsitzende von DSW21. Auf Vorschlag des Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Westphal hat der Aufsichtsrat der Dortmunder Stadtwerke AG, DSW21, ihn damit beauftragt, Gespräche mit der Vorstandsvorsitzenden Heike Heim hinsichtlich einer Beendigung der Zusammenarbeit aufzunehmen. Ziel dieser Gespräche sei es, einen Aufhebungsvertrag zu vereinbaren, teilte DSW21 am späten Dienstagabend mit.

Heim hatte den Posten erst zum 1. Juni 2023 von dem langjährigen Vorstandschef Guntram Pehlke übernommen. Zuvor hatte sie als Vorsitzende der Geschäftsführung den Dortmunder Energieversorger DEW21 geleitet.

Abrechnungsskandal bei Stadtenergie

Die geltende Vertretungsregelung im aktuellen Vorstand werde beibehalten, teilte DSW21 mit. "Danach nimmt Arbeitsdirektor Harald Kraus als - neben Finanzvorstand Jörg Jacoby und Verkehrsvorstand Ulrich Jaeger - dienstältestes Vorstandsmitglied von DSW21 die Abwesenheitsvertretung wahr."

Die Ereignisse bei DEW21 beziehungsweise bei ihrer bundesweiten Vertriebstochter Stadtenergie dürften der Grund für das Aus von Heim bei DSW21 sein. Ihr Vorzeigeprojekt, die agile und hochdigitalisierte Vertriebsmarke Stadtenergie, auch als "digitales Schnellboot" im Energievertrieb bezeichnet, wurde ihr wohl zum Verhängnis.

Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnungen

Im Rahmen der Vorbereitungen des Jahresabschlusses von DEW21 für das Jahr 2023 fielen zahlreiche Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnungen von Stadtenergie-Kunden auf. Kurz darauf wurde eine zuständige Führungskraft freigestellt, der Vertriebschef der Stadtenergie, Thomas Schönhoff, wurde zurück zur Muttergesellschaft abberufen, externe Wirtschaftsprüfer und Datenanalysten wurden engagiert.

Ebendiese Experten seien "jedem einzelnen Abrechnungsschritt akribisch nachgegangen" und hätten dabei weitere Anhaltspunkte für Rechtsverstöße gefunden. Seit Wochen stehe DEW21 im Kontakt mit der Staatsanwaltschaft in Dortmund. Bislang wurden immer noch keine Klagen erhoben, hieß es weiter.

Spürbare Rückstellungen

"Die festgestellten Unregelmäßigkeiten und die notwendigen Rückstellungen belasten DEW21 bedauerlicherweise spürbar", sagte Gerhard Holtmeier, Vorsitzender der DEW21-Geschäftsführung (ZfK-Printausgabe Januar 2024). Sein Unternehmen habe dafür im Jahresabschluss 2023 eine Rückstellung in Höhe von 74 Mio. Euro gebildet.

In der Rückstellung seien neben Ergebniskorrekturen auch die Rückzahlungen in Höhe von rund 36 Mio. Euro enthalten, die nach der Feststellung von fehlerhaften Abrechnungen an Betroffene gehen, hieß es von DEW21 weiter.

Ausschüttung an DSW21 entfällt

Auch den Dortmunder Mutterkonzern kommt der Skandal nun teuer zu stehen. DSW21 werde als DEW21-Anteilseigner (60,1 Prozent, Eon-Tochter Westenergie: 39,9 Prozent) "wirtschaftliche Konsequenzen tragen müssen", teilte das Unternehmen mit. So entfalle die erwartete Ausschüttung von der Energiesparte an DSW21 für das Geschäftsjahr 2023 in Höhe von 30 Mio. Euro.

Darüber hinaus verpflichte sich DSW21, für das zurückliegende Geschäftsjahr die Kompensation der Ausschüttung an den weiteren Gesellschafter Westenergie AG in Höhe von 11,7 Millionen Euro zu übernehmen. Die finanziellen Auswirkungen auf DSW21 inklusive Steuern belaufen sich damit auf rund 46 Mio. Euro.

Das Ende für Stadtenergie?

Stadtenergie, die mittlerweile keine Neukundenakquise mehr betreibt, startete mit einem kleinen Team und einem hohen Digitalisierungsrad im Jahr 2020. Die Erfahrungen sollten später in die gesamte Vertriebsstrategie von DEW21 einfließen. Wegen der Coronapandemie und der anschließenden Energiekrise war das Unternehmen öfter schlichtweg überfordert – die Bewertungen in den Vergleichsportalen fielen schlecht aus.

Nachdem mit Hilfe von DEW21 alle Abrechnungsrückstände aufgearbeitet wurden, zeigte sich der neue Vorsitzende der DEW21-Geschäftsführung, Gerhard Holtmeier, im Gespräch mit der ZfK wieder optimistisch. Der millionenschwere mutmaßliche Abrechnungsbetrug setzte allerdings den vorläufigen Schlussstrich.

PwC-Gutachten zur Einkaufsstrategie

Neben dem Abrechnungsskandal bei Stadtenergie berichten die "Ruhrnachrichten" über die Rolle des Gutachtens der Beratungsgesellschaft PwC. Darin üben die Autoren Kritik an der Einkaufsstrategie von DEW21 während der Beschaffungskrise: große Energiemengen wurden viel zu teuer eingekauft. Die Folgen bekam DEW21 sowohl 2023 als auch noch in diesem Jahr zu spüren. (am)

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