Die Dortmunder Stadtwerke AG (DSW21) hat den Buchwert ihrer in der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft (KSBG) gebündelten Anteile am angeschlagenen Energiekonzern Steag um 50 Mio. Euro wertberichtigt. Der Buchwert der KSBG-Anteile betrug per Ende Dezember 2020 noch rund 57 Mio. Euro.
„Es gibt im Rahmen des Restrukturierungs- und Transformationsprozesses noch einige offene Punkte hinsichtlich der künftigen Vereinbarungen. Deshalb haben wir eine pauschale Risikoabschreibung vorgenommen. Diese ist dem kaufmännischen Vorsichtsprinzip geschuldet“, erklärte Finanzvorstand Jörg Jacoby bei einem Gespräch mit Journalisten zum vorläufigen Jahresabschluss 2020.
Pehlke: "Steag-Restrukturierung wird gelingen"
DSW21-Chef Guntram Pehlke zeigte sich zuversichtlich, dass die Wertberichtigung durch einen künftigen Wertzuwachs und entsprechende buchhalterische Zuschreibungen in absehbarer Zeit wieder ausgeglichen werden könne.
„Wir halten die Steag weiterhin für werthaltig und glauben, dass die Restrukturierung gelingen wird. Wenn dann veräußert wird und wir auch veräußern, werden wir unser Vermögen wiederbekommen“, zeigte Pehlke sich überzeugt. Auch das RWE-Aktien-Portfolio von DSW21 sei vor einigen Jahren wertberichtigt worden. Seither habe es aufgrund der positiven Kursentwicklung der Aktie Zuschreibungen gegeben.
Die Steag gehört neben Dortmund (36 Prozent der Anteile), den Kommunen Essen, Bochum, Duisburg, Dinslaken und Oberhausen. Bis auf Dortmund gibt es in allen anderen Städten schon seit längerer Zeit die Absicht, ihre Anteile an dem Energieversorger, der sich noch am Beginn eines Transformationsprozesses befindet, zu veräußern.
Festhalten an Anteilen auch in Dortmund kein Dogma mehr
Inzwischen, so hört man aus politischen Kreisen, sei das Festhalten an den Anteilen aber auch in Dortmund kein Dogma mehr. Die Städte hatten die Steag Anfang der 2010er Jahre in zwei Tranchen für insgesamt rund 1,2 Mrd. gekauft, vorwiegend kreditfinanziert. Darlehen in Höhe von etwa 350 Mio. Euro müssen noch zurückgezahlt werden.
Da sich die Konsorten in der Vergangenheit auf keine einheitliche Linie einigen konnten und die Steag aufgrund des im vergangenen Jahr beschlossenen Kohleverstromungsbeendigungsgesetzes vor massiven Einbußen steht, soll der Konzern nun unter Führung eines Treuhänders, der RAG-Stiftung, restrukturiert werden. Bis spätestens 2023 soll die Restrukturierung abgeschlossen sein.
Fünf von sechs Räten haben dem Treuhandvertrag inzwischen zugestimmt, die Abstimmung in Duisburg ist für den 19. April terminiert. Im Zusammenhang mit diesen Entscheidungen haben die politischen auch die öffentlichen und medialen Diskussionen über das Steag/KSBG/RAG-Modell in den vergangenen 14 Tagen wieder zugenommen.
Treuhandvertrag soll Ende Juni/Anfang Juli geschlossen werden
Wie aus politischen Kreisen zu hören ist, besteht aktuell ein Dienstleistervertrag zwischen der Stiftung und den Konsorten. Der Treuhandvertrag soll bis Ende des ersten Halbjahres geschlossen werden. Noch stehen hier aber offenbar einige Genehmigungen aus, etwa der Steuerverwaltung oder des Kartellamtes.
Die Fortführungsprognose und auch das ausgearbeitete Restrukturierungsprogramm sollen sehr robust sein. Die nächste große Herausforderung dürfte die Erstellung eines Finanzierungskonzeptes sein. Hier soll es unterschiedliche Interessen der Banken auf Steag- und KSBG-Ebene geben.
Diskussionsbedarf besteht auch hinsichtlich des Beitrages, den die einzelnen Konsorten bei der Restrukturierung zu leisten haben. Die jährlichen Finanzierungskosten, mit denen die Kredite für den Steag-Kauf bedient werden müssen, liegen laut einem WAZ-Artikel bei rund 50 Mio. Euro. Nach ZfK-Informationen muss mindestens ein niedriger zweistelliger Betrag in 2021 und 2022 an die Banken abgeführt werden.
Bochum lehnt weitere finanzielle Hilfen ab
Denkbar ist, dass ein Teil davon von der Steag übernommen wird und ein Teil von den Konsorten. Die Stadt Bochum hat jedoch bereits ihre Zustimmung zum Treuhänder-Modell und zur Übertragung der Anteile an die RAG-Stiftung davon abhängig gemacht, dass sie kein weiteres Geld mehr in die Steag schießen wolle.
Die Konsorten würden im Rahmen des angedachten Modells wirtschaftlicher Eigentümer der Steag bleiben und haben entsprechende Informationsrechte. Bei allen Fragen rund um die Restrukturierung des Energiekonzerns, auch bei Anteils- oder Firmenverkäufen, können offenbar der Chief Transformation Officer Carsten König respektive die RAG eigenständig entscheiden. (hoe)



