Die Fahrgastzahlen im ÖPNV in Dortmund sind im Jahr 2020 coronabedingt um über 20 Prozent zurückgegangen auf 104 Millionen Nutzer. Die Passagierzahlen am Dortmund Airport gar um 55 Prozent auf 1,22 Millionen. Zusätzlich belasteten erneut hohe Zuführungen zu den Pensionsrückstellungen und eine pauschale Wertberichtigung in Höhe von 50 Mio. Euro auf den Beteiligungsbuchwert der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft (KSBG) – diese bündelt die Anteile der sechs Ruhrgebietskommunen am Energiekonzern Steag – das vorläufige Ergebnis.
Durch das Heben bilanzieller Reserven auf Gewinnrücklagen der KEB Holding AG (diese verwaltet die rund 24,5 Mio. RWE-Aktien der DSW21) im hohen zweistelligen Millionenbereich konnte der Kommunalkonzern sein Beteiligungsergebnis mehr als verdoppeln und sein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) unterm Strich aber um 64 auf 88,6 Mio. Euro steigern. Das Jahresdefizit konnte gegenüber dem Vorjahr deutlich reduziert werden auf – 18,4 Mio. Euro (2019: -39,3).
Viele Beteiligungen mit besserem Ergebnis
„Wir wollten die Bewertungseffekte aus den Pensionsrückstellungen aus der KSBG-Beteiligung nicht zu stark durchschlagen lassen“, erklärte Finanzvorstand Jörg Jacoby bei einem Pressegespräch. Abgesehen vom Dortmunder Flughafen sei das operative Ergebnis vieler Beteiligungen sehr ordentlich ausgefallen, teilweise sogar besser als 2019.
DSW-21 AG vorläufiges Jahresergebnis 2020
| (in Mio. Euro) | 2019 | 2020 |
| Beteiligungsergebnis | 78,7 | 150,5 |
| u. a. Dortmund Hafen | 1,3 | 1,5 |
| Dortmund Airport | -10,4 | -21,8 |
| DEW21 | 30,9 | 38,5 |
| KEB (RWE-Aktien) | 13,0 | 86,3 |
| DOKOM21 | 3,7 | 4,4 |
| Betriebsergebnis Verkehr | -51,3 | -56,9 |
| Jahresergebnis | -39,3 | -18,4 |
| Jahresergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) | 24,6 |
88,6 |
Die Energietochter DEW21 profitierte im vergangenen Jahr auch von ihrem Kostenoptimierungsprogramm und steigerte die Gewinnabführung deutlich auf 38,5 Mio. Euro (2019: 30,9 Mio.), auch die Gelsenwasser AG schüttet mit 32,2 Mio. Euro (2019: 31,5 Mio. Euro) eine leicht höhere Dividende aus. Die in der KEB gehaltenen RWE-Aktien tragen dank des Bewertungseffekts 86,3 Mio. Euro (Vorjahr: 13, 0 Mio. Euro) mehr als die Hälfte zum Beteiligungsergebnis von insgesamt 150,5 Mio. Euro bei.
Der Telekommunikationsdienstleister Dokom21 steigerte seinen Gewinn auf 4,4 Mio. Euro (Vorjahr: 3,7 Mio. Euro). Hierzu hat vor allem die starke Nachfrage nach Rechenzentrumsleistungen beigetragen. „Dokom21 ist sicher einer der Profiteure der Coronapandemie“, erklärte Jacoby.
Deutliche Entlastung des städtischen Haushalts
In Summe entlastete das Unternehmen den städtischen Haushalt um 118,9 Mio. Euro. Der Betrag enthält zum einen die Übernahme des negativen Betriebsergebnis im Verkehrsbereich (-56,9 Mio. Euro), die Verlustübernahme des Dortmund Airport (-21,8 Mio. Euro) und die DEW21-Konzessionsabgabe.
„Wir haben die Coronakrise bisher gut durchgestanden. Der einzige Bereich, wo wir in die Knie gegangen sind, war der Dortmunder Flughafen“, erklärte DSW21-Chef Guntram Pehlke. Das Unternehmen sei aber nicht im Krisenmodus erstarrt, sondern steuere weiterhin konsequent auf Zukunftskurs.
Als Beleg dafür führte er vier Großprojekte an, in die in naher Zukunft ein hoher dreistelliger Millionenbereich fließen wird. Dazu zählen unter anderem die Anschaffung neuer Stadtbahnwagen, das große Wärmewende-Projekt der DEW21 in der Dortmunder Innenstadt, der Breitbandausbau durch DOKOM21 und die Bestellung der ersten 30 elektrisch betriebenen Busse.
"Brauchen auch für 2021 einen ÖPNV-Rettungsschirm"
Abgefedert hat die Coronafolgen im vergangenen Jahr auch der ÖPNV-Rettungsschirm. 20,9 Mio. Euro hat DSW21 daraus bislang erhalten, weitere Zahlungen können folgen. Auf rund sechs Mio. Euro schätzt das Unternehmen die bisherigen Einbußen im ersten Quartal des laufenden Jahres. „Wir brauchen auch für 2021 einen Rettungsschirm. Es gibt bereits vielversprechende Anzeichen seitens der Politik, dass man uns nicht im Regen stehen lässt“, sagte Jörg Jacoby.
Das Verkehrsunternehmen hat sein Angebot seit Pandemiebeginn auf über 100 Prozent des Standes von vor Corona hochgefahren und auch den Schulverkehr gezielt verstärkt. „Das war ein wichtiges Signal an die Bevölkerung und hat es den Fahrgästen ermöglicht, sich bestmöglich in Bussen und Bahnen zu verteilen“, erklärte Guntram Pehlke. Er rechnet damit, dass die Fahrgastzahlen sich schneller wieder erholen werden als bisher vielerorts angenommen, auch wegen des sehr hohen Schüler- und Studentenanteils in Dortmund.
Pehlke kritisiert "politische Willkür" bei Flughafen-Hilfen
Politische Willkür und Benachteiligung wirft Pehlke hingegen der Bundesregierung im Zusammenhang mit dem geplanten Corona-Rettungsschirm für Regional-Airports vor. Diese basiere auf einer veralteten Liste und sehe nur Hilfen für 15 deutsche Flughäfen vor. Der Dortmunder Flughafen hingegen solle nach jetzigem Stand leer ausgehen. Auch die angekündigte Entlastung bei den Flugsicherungskosten sei nicht umgesetzt.
Grundsätzlich sieht Pehlke aber eine gute Perspektive für den Airport. Bis Anfang/Mitte März vergangenen Jahres sei der Flughafen auf Wachstumskurs gewesen, auch nach der ersten Welle habe das Fahrgastaufkommen schnell wieder angezogen.
Man sei daher optimistisch, dass der Flughafen in 2022 wieder an die positiven Zahlen von 2019 anknüpfen könne. Auch die von der EU geforderte schwarze Null beim operativen Ergebnis werde man im kommenden Jahr erreichen. „Wir haben keine Leute entlassen und können den Betrieb sofort wieder hochfahren.“
Kauf weiterer RWE-Aktien erst nach Ende der Pandemie
Auf Eis gelegt hat die DSW21 indes den noch ausstehenden Kauf weiterer 400.000 RWE-Aktien. Ende 2019 hatte der Aufsichtsrat einen fünf Jahre gültigen Vorratsbeschluss für den Erwerb weiterer 1,3 Mio. Aktien gefasst. Rund 880.000 weitere Anteilsscheine hatte das Unternehmen im Frühjahr 2020, noch vor dem Beginn der Coronapandemie, erworben.
„Aufgrund der teilweise hohen Volatilität am Aktienmarkt warten wir mit der Umsetzung des noch ausstehenden Kaufs aber bis nach Beendigung der Coronapandemie ab“, versicherte Finanzvorstand Jörg Jacoby. Man traue dem Energiekonzern noch viel zu und schließe grundsätzlich auch einen nochmaligen Vorratsbeschluss zum Erwerb weiterer Anteile nicht aus, ergänzte Guntram Pehlke auf Nachfrage. DSW21 hält aktuell 3,6 Prozent der RWE-Aktien und ist damit der größte kommunale Aktionär. (hoe)



