Die zu 100 Prozent kommunale Gasnetz Hamburg betreibt ein Erdgasnetz mit rund 7.900 Kilometern Länge, rund 161.000 Hausanschlüssen und 227.000 Netzkundinnen und Netzkunden. Trotz der abnehmenden Bedeutung von Erdgas müsse der Netzbetreiber auch in den kommenden Jahren weiterhin einen sicheren und wirtschaftlichen Betrieb der Gasnetzinfrastruktur garantieren können, sagt die Kaufmännische Geschäftsführerin von Gasnetz Hamburg, Gabriele Eggers, im Interview mit der ZfK.
ZfK startet kleine Serie zum Thema Transformation der Gasnetze
Hierfür müsse der aktuelle Regulierungsrahmen an einigen Stellen angepasst werden. Auch das Thema Nachnutzungsoptionen hat in Hamburg einen großen Stellenwert. Erst vor wenigen Wochen hat das Unternehmen im Rahmen der Hy2Infra-Welle des IPCEI Wasserstoff (Important Projects of Common European Interest) den Förderbescheid für den Bau der ersten 40 Kilometer des Wasserstoff-Verteilnetzwerks HH-WIN erhalten. Im September fusioniert Gasnetz Hamburg mit Stromnetz Hamburg zu einer spartenübergreifenden Netzgesellschaft.
Das Interview bildet den Auftakt einer kleinen Serie mit Einschätzungen von Stadtwerkeverantwortlichen zum Thema Transformation der Gasnetzinfrastruktur. Im Morning Briefing vom Mittwoch steht Christoph Nath, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Kreuznach, Rede und Antwort.
Frau Eggers, reicht der aktuelle Regulierungsrahmen aus, damit die Stadtwerkebranche ihr bereits investiertes Geld in die Gasnetzinfrastruktur bis 2045 wieder zurückverdienen kann?
Vor dem Hintergrund der Herausforderungen halten wir eine Fortentwicklung der Anreizregulierung an einigen Stellen für erforderlich, den aktuellen Regulierungsrahmen erachten wir hierfür nicht mehr für ausreichend. Wir sehen aber im Vorschlag KANU 2.0 der Bundesnetzagentur einen ersten guten Ansatz. Die von der BNetzA skizzierte Zielmarken von 2035 bis 2045 begrüßen wir.
Wichtig wird dabei aber sein, mit einer hohen Flexibilität die Abschreibungen bei den Netzabschnitten handhaben und anpassen zu können. Hier sehen wir noch politischen Handlungsbedarf. Denn eines dürfen wir nicht vergessen: Trotz der abnehmenden Bedeutung von Erdgas wollen und müssen wir als städtischer Netzbetreiber weiterhin einen sicheren und wirtschaftlichen Betrieb des Gasnetzes in den kommenden Jahren gewährleisten.
"Die Politik muss auch die Anschlusspflicht bei Erdgas aktualisieren."
Was wünschen Sie sich von der Politik, damit Sie langfristig tragfähige Entscheidungen rund um die weitere Zukunft Ihrer Gasnetze treffen können?
Auf jeden Fall müssen wir kurzfristig auf andere Wärmelösungen, wie beispielsweise den Fernwärmeausbau, reagieren können. Eine Verzahnung mit der Kommunalen Wärmeplanung ab 2026 wäre äußerst wünschenswert, die auch Flexibilitäten im fünfjährigen Rhythmus erlauben sollte. In Hamburg ist es das Ziel, Leitungen nicht zurückzubauen, sondern lediglich stillzulegen – das eröffnet Spielraum für mögliche Nachnutzungsoptionen und vermeidet unnötige Kosten.
Zudem wird es im Bereich der Industrie – und Gewerbekunden erforderliche Umstellungen von Erdgasnetzen auf Wasserstoff geben. Dazu muss die Politik auch die Regelungen zur Anschlusspflicht bei Erdgas aktualisieren. Der Regulierungsrahmen muss für eine solche Transformation Anreize schaffen. Dieser Rahmen muss die Dekarbonisierung ermöglichen und wirtschaftlich tragfähig unterstützen.
Weiterhin müssen die zu erwartenden steigenden Betriebskosten aufgrund des perspektivischen Zurückfahrens der Investitionen beobachtet werden, um hieraus mögliche nachteilige wirtschaftliche Konsequenzen zu vermeiden. Weitere Effizienzvergleiche für Gasnetze erachten wir vor dem Hintergrund der Dekarbonisierungsziele als problematisch.
Bis wann brauchen Sie hier Klarheit? Aktuell sieht es ja so aus alle die bestehende Bundesregierung dieses Thema in der aktuellen Legislaturperiode nicht mehr anpacken.
Eine solche Klarheit setzt aus unserer Sicht voraus, dass die politische Ausgestaltung der Regeln für die kommunale Wärmeplanung eng mit den Regulierungsvorgaben der BNetzA für die Erdgasnetze verzahnt wird. Das ist eine Forderung, die wir hier an die Politik stellen.
"Bereits für die 2026 geplante kommunale Wärmeplanung verbindliche Transformations-Fahrpläne vorzulegen, erscheint derzeit schwierig."
Wie gehen Sie generell mit dem Thema Gasnetztransformation um? Gibt es bereits eine Strategie oder erste operative Maßnahmen oder Entscheidungen?
Noch müssen wir in die Instandhaltung der Netzinfrastruktur investieren – das wird aber in den kommenden Jahren absehbar zurück gehen. Parallel entsteht mit dem Hamburger Wasserstoff-Industrie-Netz HH-WIN ein wichtiges neues Geschäftsmodell in unserem Unternehmen. Denn die H2-Versorgung der Industrie wird in den nächsten Jahren eine zunehmende Rolle für den energieintensiven Wirtschaftsstandort Hamburg spielen.
Wir sehen unter den gegenwärtigen Technologie- und Marktbedingungen beim Wasserstoff in der Gebäudewärme keine allzu große Rolle. Für spezielle Anwendungen – etwa in Stadtgebieten mit historischer Bausubstanz und fernab der Fernwärmeversorgung – kann Wasserstoff eine Option sein. Im Projekt H2-Switch100 erproben wir konkret die wirtschaftlichen und technischen Implikationen einer Erdgasnetz-Transformation.
Zugleich arbeiten wir mit den Kollegen der Wärme und der Strom-Infrastruktur beim NRL-Förderprojekt iNeP eng zusammen, um ein gemeinsames Vorgehen für eine künftige Infrastrukturplanung zu entwickeln, die gleichermaßen volkswirtschaftlich und technische Aspekte berücksichtigt. Unser Lösungsportfolio für die Wärmewende wird darüber hinaus ab September breiter – durch die Fusion von Gasnetz Hamburg und Stromnetz Hamburg.
Inwiefern nimmt der Druck beim Thema Gasnetztransformation jetzt durch die Kommunale Wärmeplanung zu?
Bereits für die 2026 geplante kommunale Wärmeplanung verbindliche Transformations-Fahrpläne vorzulegen, erscheint derzeit schwierig. Noch liegen die BNetzA-Vorgaben für diese Fahrpläne gar nicht vor. Wir sind aber überzeugt, dass auch H2-Lösungen in den fünfjährigen Überarbeitungen der kommunalen Wärmeplanung eingebracht werden können. Dann sind auch Technik und Marktbedingungen so weit, dass eine Beurteilung dieser Option realistisch ist.
(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren.)
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Um die Zukunft und Transformation der Gasnetze und die notwendigen Rahmenbedingungen hierfür, aber auch um eine Amortisation der Kosten der Bestandsanlagen bis 2045 zu erreichen, geht es in der aktuellen Ausgabe der ZfK, die am heutigen Montag (5. August) erschienen ist. Zum Abo geht es hier.
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