EnBW-Chef Andreas Schell (links) und Finanzvorstand Thomas Kusterer präsentierten am Dienstagvormittag die jüngsten Geschäftszahlen.

EnBW-Chef Andreas Schell (links) und Finanzvorstand Thomas Kusterer präsentierten am Dienstagvormittag die jüngsten Geschäftszahlen.

Bild: © Bernd Weißbrod/dpa

Es könnte ein wirtschaftlich glänzendes Jahr werden für den baden-württembergischen Energiekonzern EnBW. Zumindest rechnet er mit einem bereinigten operativen Ergebnis (adjusted Ebitda) von satten 4,7 bis 5,2 Mrd. Euro. Das wären bis zu 58 Prozent mehr als im abgelaufenen Jahr. (Mehr zur 2022-Bilanz hier.) Wie das?

Am Vertrieb liegt es demnach nicht. Hier geht EnBW von einem stabilen bis leicht rückläufigen Ergebnis aus. Landete der Versorger bei einem Gewinn von 510 Mio. Euro, könnten es im laufenden Jahr zwischen 400 und 500 Mio. Euro werden. EnBW hat nach eigenen Angaben etwa 5,5 Mio. Kunden.

EnBW erwartet Gewinnplus im Netzbereich

Ein sattes Plus soll es dagegen im Netzbereich geben, wo es demnach von 1,05 Mrd. Euro im vergangenen Jahr auf bis zu 1,9 Mrd. Euro dieses Jahr hinaufgehen könnte. 2022 hatten insbesondere deutlich höhere Kosten für die Netzreserve und Redispatch das Geschäft belastet.

Auch in den Sparten Erzeugung und Handel dürfte EnBW nach eigener Prognose dieses Jahr mehr verdienen. Erzielte der Konzern hier im vergangenen Jahr ein Ergebnis von 1,9 Mrd. Euro, wird dieses Jahr ein Plus von bis zu 3,2 Mrd. Euro erwartet.

EnBW geht von stabileren Märkten aus

Nach EnBW-Einschätzung dürften Laufwasserkraftwerke wieder mehr Strom produzieren als im dürregeprägten Vorjahr. Auch die Strommengen dürften insgesamt steigen, weil zusätzliche erneuerbare Anlagen ins Portfolio kommen.

Dem steht ein sinkendes Preisniveau im Großhandel gegenüber. Allgemein geht EnBW davon aus, dass die Preisschwankungen nicht mehr so hoch ausfallen wie im Vorjahr. Auch die staatlich eingeführte Erlösabschöpfung drückt das Ergebnis. "Im Jahr 2022 [führten wir] etwa 100 Mio. Euro [ab]", erläuterte Finanzvorstand Thomas Kusterer. "2023 gehen wir von einer moderaten Belastung ab."

Bessere Situation bei VNG

EnBW rechnet zudem damit, dass sich die Situation der mehrheitlichen Gashandelstochter VNG deutlich verbessert. Das Leipziger Unternehmen war im vergangenen Jahr in Not geraten, als die russischen Gasflüsse nach Europa ins Stocken gerieten und zugesicherte Mengen nicht mehr geliefert wurden.

Vor allem zwei russische Gaslieferverträge hatten dem Unternehmen zu schaffen gemacht. Ein Kontrakt lief über die frühere Gazprom-Germania-Tochter WIEH, die nun zum umbenannten und verstaatlichten Sefe-Konglomerat gehört. Die beiden Parteien hatten sich im Sommer vor Gericht gestritten. Doch schließlich habe die WIEH der VNG eine vollständige Erstattung der Mehrkosten für die Ersatzbeschaffung für 2022 zugesichert, referierte Kusterer.

E-Mobilität noch kein Gewinnbringer

Den zweiten Vertrag hatte die VNG mit Gazprom Export geschlossen. Hier habe die Bundesregierung die entstandenen Mehrkosten für die Ersatzbeschaffung teilweise kompensiert, sagte der Finanzchef. Die EnBW-Mehrbelastung aus beiden Verträgen habe sich demnach auf insgesamt 1,1 Mrd. Euro belaufen. "Darüber hinausgehende Risiken aus beiden russischen Gaslieferverträgen bestehen nicht. Beide Verträge sind zum Jahresende 2022 ausgelaufen [oder] wurden beendet."

Der Bereich Elektromobilität, in das EnBW seit Jahren massiv investiert, wirft bislang noch keinen Profit ab. Der Konzern rechnet damit, dass das Geschäftsfeld Mitte des Jahrzehnts kostendeckend arbeitet. Die EnBW-Mobilitätsapp umfasst inzwischen nach eigenen Angaben mehr als 400.000 Ladepunkte europaweit. Damit bleibt der Konzern größter E-Mobilitätsanbieter in Deutschland.

Direktvermarktung "kleines Geschäft"

Bundesweiter Vorreiter ist EnBW seit diesem Jahr auch in der Direktvermarktung, sprich der Vermarktung von Ökostrom. Dabei handle es sich aber noch immer um ein kleines Geschäft, sagte Kusterer. Noch gebe es hier keine nennenswerten finanziellen Erträge. "Für uns könnte es aber in Zukunft sehr wichtig werden." (aba)

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