Hannovers Regionalversorger Enercity ist nach eigener Aussage auf bestem Weg, bundesweit drittgrößter Anbieter von Onshore-Windstrom zu werden.
"Wir sind da auch national eine große Nummer", sagte Finanzvorstand Marc Hansmann anlässlich der Vorstellung der Halbjahreszahlen.
PV-Portfolio wird größer
Bereits im Mai hatte Enercity beispielsweise den Erwerb von 60 Windparks in vier Bundesländern verkündet. (Die ZfK berichtete.) Noch diesen Monat soll zudem der Bau eines neuen Windparks im nordrhein-westfälischen Kreis Minden-Lübbecke beginnen. Geplant sind zehn Windkraftanlagen mit einer Leistung von je 4,5 MW und einer Nabenhöhe von 125 Meter. Der Park soll von Herbst 2023 an in Betrieb gehen.
Vergrößern will Enercity auch sein Photovoltaik-Portfolio. Im sächsischen Zethau soll eine Freiflächenanlage mit einer Spitzenleistung von 100 MW entstehen. Mit Vorliegen aller erforderlichen Genehmigungen werde Enercity etwa 100 Mio. in die Anlage investieren, sagte Vorstandsvorsitzende Susanna Zapreva. Die Anlage soll 2024 in Betrieb gehen.
Ausstieg aus Steinkohle
Immer konkreter werden zudem die Enercity-Pläne zur Wärmewende in Hannover. Noch wird das Kraftwerk im Stadtteil Stöcken mit Steinkohle betrieben. Ziel ist es, schon 2026 komplett auf erneuerbare Alternativen umzustellen.
Die Stilllegung des ersten Blocks will Enercity durch Wärmeauskopplung aus einer Klärschlammverwertungsanlage, eine Power-To-Heat-Anlage, eine Großwärmepumpe und ein neues Altholzheizkraftwerk auffangen. Die Klärschlammverwertungsanlage im Stadtteil Lahe gehe Ende 2022 in den Probebetrieb, sagte Zapreva. Das Holzheizkraftwerk und die Großwärmepumpe seien im Bau. "Dies gilt auch für zwei flexible Biomethan-Blockheizkraftwerke."
Alternativen für Block 2
Als Ersatz für Block 2 will Enercity auf eine Geothermie-Anlage, drei Großwärmepumpen mit einer Leistung von jeweils 20 bis 30 MW und Industrieabwärme setzen. Dazu soll eine Abfallverwertungsanlage im Stadtbezirk Misburg-Anderten kommen, die auf dem Gelände des hannoverschen Bauunternehmens Papenburg entsteht und derzeit abtransportiert wird.
Dabei tragen schon jetzt erneuerbare Energien immer mehr zum Enercity-Geschäft bei. Im ersten Halbjahr sei der Anteil der erneuerbaren Energien in der unternehmenseigenen Stromproduktion auf 38 Prozent gestiegen, berichtete Zapreva. "In der Wärme liegen wir bei knapp 20 Prozent."
Starker Kundenzuwachs
Insgesamt kam Enercity robust durch die ersten sechs Monate. Zwar gingen die gehandelten Strom- und Gasmengen zurück, dafür zog der Umsatz auf mehr als das Doppelte auf knapp 4,3 Milliarden Euro an. Auch das Betriebsergebnis wuchs um rund ein Drittel auf etwa 132 Millionen Euro.
Im ersten Halbjahr gewann Enercity nach eigenen Angaben Kunden im fünfstelligen Bereich hinzu. Dabei konzentrierten sich die Vertriebsaktivitäten überwiegend auf die heimische Region.



