Bis 2040 will der Regionalversorger Enercity das Gasnetz in Hannover stillgelegt haben. Für den Energiekonzern sei dies die klare Schlussfolgerung aus seiner Strategie, bis dahin klimaneutral zu sein, erklärte Vorstand Marc Hansmann bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens. Eine Einspeisung von Wasserstoff ins Enercity-Gasnetz ist demnach nicht geplant.
Die Hannoveraner positionieren sich damit entschiedener als andere Kommunen. Die Gasnetz-Debatte war vor wenigen Wochen neu aufgeflammt. Anlass war ein Ideenpapier des Bundeswirtschaftsministeriums. Das von Robert Habeck (Grüne) geführte Haus geht davon aus, dass Gasnetze "aller Voraussicht nach in deutlich geringerem Umfang benötigt werden als derzeit".
Fernwärmenutzungspflicht in Hannover
Während Gerald Linke, Chef des Gasverbands DVGW bereits vor einer "Rückbau-Orgie" warnte, drückte sich Michael Maxelon, Vorstandsvorsitzender des Frankfurter Versorgers Mainova, diplomatischer aus. "Heute kann noch niemand mit Sicherheit sagen, dass ein Gasnetz keine Zukunft hat", sagte er diese Woche auf einer Branchenveranstaltung. (Die ZfK berichtete.)
Wann die erste Leitung in Hannover tatsächlich stillgelegt werde, könne man ebenfalls noch nicht sagen, räumte Hansmann ein. Jedoch habe der Stadtrat "dankenswerterweise" eine Fernwärmenutzungspflicht beschlossen. In vielleicht zehn Jahren könnte es in den ersten Quartieren daher zu Stilllegungen kommen.
Hohe Gewinne und hohe Investitionen
Das Geschäftsjahr 2023 wiederum ist für Enercity sehr gut verlaufen: Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) beläuft sich auf 598 Millionen Euro und hat sich damit im Vergleich zum Geschäftsjahr 2022 fast verdreifacht. Das überplanmäßige Ergebnis verwendet das Unternehmen, um sein Eigenkapital zu erhöhen.
Die hohen Gewinne seien erfreulich, aber auch notwendig, um die hohen Investitionen zu finanzieren, sagte Hansmann. "Es ist auch nicht selbstverständlich, dass die Aktionäre uns erlauben, neben den üblichen Abgaben so viele Gewinne ins Eigenkapital fließen zu lassen." Enercity gehört zu gut 75 Prozent der vollständig kommunalen Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Hannover. 24 Prozent der Anteile hält die Stadtwerkekooperation Thüga, knapp ein Prozent die Region Hannover.
Im Auftrieb mit der Windenergie
Obwohl Handel und Vertrieb nicht so stark wie gehofft gewachsen seien, sei dies kein Grund zur Sorge. Das gute Jahr sei stark auf eine breite Assetbase, guten Windenergieabsatz und einen rentablen Gasspeicher zurückzuführen.
Im vergangenen Jahr bestand der Enercity-Stromerzeugungsmix nach eigenen Angaben zu mehr als 50 Prozent aus erneuerbaren Energien – eine Premiere. Maßgeblich dazu beigetragen hätten der hohe Zukauf von Windkapazitäten sowie auch der eigene Zubau. Im kommenden Jahr wollen die Hannoveraner weitere 91 Megawatt (MW) selbst entwickeln. Weitere Zukäufe sind nicht geplant.
Wärmewende schreitet voran
Des Weiteren werden in diesem Jahr die Ersatzanlagen für das Kohlekraftwerk in Hannover-Stöcken so weit vorangetrieben, dass Block 1 im Jahr 2025 plangemäß abgeschaltet werden kann.
Dann werden rund 50 Prozent der Fernwärmeproduktion in Hannover bereits grün sein.
Hohe Entlastung nach Wegfall der niedrigeren Netzentgelte
"Das erfolgreiche Geschäftsjahr 2023 kommt auch den Kund:innen zugute", sagte Enercity-Personalvorstand Dirk Schulte.
So konnte das Unternehmen in diesem Jahr bereits die Gaspreise um durchschnittlich zehn Prozent senken, einen Fernwärmerabatt geben und trotz deutlich gestiegener Netzentgelte die Strompreise stabil halten. Einen mittleren zweistelligen Millionenbeitrag habe sich der Energieversorger dies kosten lassen. (pfa)



