Enervie hat 2025 mit einem soliden Ergebnis abgeschlossen.

Enervie hat 2025 mit einem soliden Ergebnis abgeschlossen.

Bild: © Enervie

Der Hagener Versorger schließt 2025 auf solidem Vorjahresniveau ab. Dank einer diversifizierten und langfristig angelegten Beschaffungsstrategie blickt das Unternehmen auf die Folgen des Iran-Kriegs noch relativ gelassen. Bei Neukunden gibt es allerdings bereits Anpassungen im Pricing.

Das Ergebnis vor Steuern der Hagener Enervie-Gruppe im Geschäftsjahr 2025 erreichte 64,1 Millionen Euro und damit gut 300.000 Euro weniger als das "sehr gute Unternehmensergebnis des Vorjahres", teilte das Unternehmen mit. Die breite Aufstellung der Unternehmensgruppe, zu der auch die Vertriebsmarke Mark-E und die Stadtwerke Lüdenscheid gehören, habe sich erneut bewährt, sagte Enervie-Vorstandssprecher Erik Höhne bei der Vorstellung der Zahlen. "Sie macht uns resilienter gegen krisenbedingte Einflüsse und gibt uns Möglichkeiten, um in herausfordernden Zeiten gegensteuern zu können."

Für die Aktionäre bedeute das gute Ergebnis eine im Vergleich zu 2024 erhöhte Dividende von insgesamt 21,25 Millionen Euro, hieß es aus Hagen. Auch die wirtschaftliche Eigenkapitalquote stieg von 28,8 auf 30,2 Prozent.

2025 belieferte Enervie rund 400.000 Energiekunden sowie Energiehandelspartner. Sie bekamen etwa 2,95 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom (2024: 4,48 Milliarden kWh) und 2,84 Milliarden kWh Gas (2024: 3,42 Mrd. kWh). Der Wärmeabsatz blieb mit 59 Millionen kWh im Vergleich zum Vorjahr stabil. Auffällig ist vor allem der deutliche Rückgang beim Stromabsatz, der um rund 1,5 Milliarden kWh gesunken ist. Das begründet der Versorger mit einem "erneut deutlich gefallenen Handelsvolumen" sowie einem gesunkenen Absatz in der Industrie, vor allem durch den Wegfall der Verlustenergielieferungen an fremde Netzbetreiber.

Erzeugungsbereich und Vertrieb performen gut

Mit hohen Deckungsbeiträgen, konkret bei der Gas- und Dampfturbinenanlage Herdecke (GuD) und dem Pumpspeicherwerk Rönkhausen (PSW), sorgte der Erzeugungsbereich für positive Effekte. Dies hatte einen positiven Einfluss auf das Geschäftsjahr 2025. Auch habe der Vertrieb mit einem stabilen Ergebnis zur "sehr guten Jahresbilanz" beigetragen, teilte Enervie weiter mit. Die beiden Enervie-Vertriebsmarken Mark-E und Stadtwerke Lüdenscheid haben zum 1. Februar 2025 ihre Strom- und Gaspreise gesenkt. Dies wurde aufgrund ihrer "langfristigen Beschaffungsstrategie" möglich.

Auch während der aktuellen Krise im Nahen Osten halte der Versorger die Tarife für Strom und Gas stabil, zumindest für die Bestandskunden. Im Neukundenvertrieb sei die Enervie-Gruppe mit einem "angepassten Pricing aktiv", hieß es auf ZFK-Anfrage aus Hagen. Allerdings würde ein "langanhaltender Krieg, verbunden mit entsprechenden Engpässen, mittelfristig auch Kundinnen und Kunden von Mark-E und den Stadtwerken Lüdenscheid tangieren", ordnete das Unternehmen die Situation ein.

Bild: © Enervie

Die breite Aufstellung unserer Unternehmensgruppe macht uns resilienter gegen krisenbedingte Einflüsse.

Erik Höhne

Vorstandssprecher Enervie-Gruppe

Mehr Flexibilität in der Beschaffung

Auf die Iran-Krise blickt Enervie deutlich gelassener als noch auf die Energiekrise 2022. Dies habe mehrere Gründe. Zum einen seien die Preissprünge beim Gas und insbesondere auch beim Strom bei Weitem nicht so hoch wie 2022. Zudem bestehe die große Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen nicht mehr – speziell der Aufbau einer LNG-Infrastruktur in Deutschland und der EU würde für mehr Unabhängigkeit und Flexibilität sorgen. Mit ihrer langfristigen Beschaffungsstrategie stehe die Enervie-Gruppe "resilienter gegen krisenbedingte Einflüsse" da.

Ja zu Stromsteuersenkung, Nein zu Preisbremsen

Der Iran-Krieg verursache derzeit keine Mehrkosteneffekte für die Bestandskunden der Enervie-Gruppe, hieß es weiter auf Anfrage. "Sofern es jedoch mittelfristig zu Mehrkosteneffekten für die breite Masse unserer Bestandskunden käme, würden wir für die Privat- und Gewerbekunden für eine Stromsteuer- oder Erdgassteuersenkung plädieren." Die Senkung käme so direkt bei den Kunden an.

Auch für Industriekunden sei eine Entlastung wichtig. Diese sollte möglichst unkompliziert und direkt wirken sowie einen Großteil des deutschen Mittelstands umfassen und nicht nur einzelne energieintensive Branchen, fordert die Hagener Unternehmensgruppe.

Krise als Impuls für Klimaschutz

Krisen wie die aktuelle würden erwartungsgemäß nichts Positives mit sich bringen und stets negative globale sowie nationale Effekte in der Energieversorgung verursachen. Allerdings würde die konsequente Verfolgung und Umsetzung der europäischen Klimaschutz- und Dekarbonisierungspläne dazu führen, dass die Auswirkungen solcher Krisen künftig gedämpft werden.

Die Enervie-Gruppe arbeite dafür intensiv an passenden Projekten, etwa an Windkraftprojekten, PV-Freiflächenanlagen und Batteriespeichersystemen. Dabei sei es wichtig, investitionsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehörten unter anderem die Erhöhung der Ausschreibungsmengen der EEG-Vergütungsausschreibungen sowie eine schnelle Klärung zu den Netzentgeltthemen für Speicher, hieß es aus Hagen.

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