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Enni profitiert von Handelsgeschäft, verliert aber im Energievertrieb

Der Energiedienstleister vom Niederrhein hat das Ergebnis nochmals deutlich gesteigert. Das hängt vor allem mit Sondereffekten zusammen. Das Beteiligungsgeschäft wird eine immer wichtigere Ertragssäule.
24.06.2024

Enni setzt den Wachstumskurs fort: Das Bild zeigt Geschäftsführer Stefan Krämer.

Dank Sondereffekten im Energiehandel und aus der Vermarktung von fossil und regenerativ erzeugtem Strom hat die mehrheitlich kommunalen Energie & Umwelt Niederrhein (Enni) ein Jahresergebnis von 39,8 Mio. Euro (2022: 33 Mio. Euro) eingefahren.

Dazu hat laut Pressemitteilung auch maßgeblich die „sich weiter gut entwickelnde Beteiligungs- und Dienstleistungsaktivitäten“ beigetragen. Die Umsatzerlöse stiegen auch durch neue Geschäfte auf ein Rekordniveau von 371 Millionen Euro (2022: 303 Mio.).
 

Dritter Ergebnisrückgang hintereinander im Stammmarkt

Das klassische Energiegeschäft mit Strom und Gas hingegen stand weiter unter Druck. Als Gründe wurden unter anderem extreme Preisausschläge, ein steigenden Energiesparbewusstsein und das wärmsten Jahr seit es Aufzeichnungen gibt angegeben.

Vor allem im alten Stammmarkt in den Städten Moers und Neukirchen-Vluyn habe dies Spuren hinterlassen. Dort verzeichnete Enni bereits im dritten aufeinanderfolgenden Jahr spürbare Ergebnisrückgänge.

Zwei Drittel des Ergebnisses aus Beteiligungen und Handel

„Es waren unsere vielen neuen Geschäfte, die uns auf dem Erfolgskurs gehalten und uns krisenfester gemacht haben“, stellte Enni-Geschäftsführer Sefan Krämer klar. Zwei Drittel des Ergebnisses würde mittlerweile aus Bereichen stammen, mit denen sich das Unternehmen zur Gründung noch nicht beschäftigt hat.

Die Überschüsse gehen zu großen Teilen an die beteiligten Kommunen, denen über Gewinne, Konzessionsabgaben und Ertragssteuern erstmals über 35 Millionen Euro zufließen.

Hohes Investitionsniveau wurde gehalten

Gegenläufig wirkten gestiegene Material- und Personalkosten und als größte Aufwandposition der für Enni von starken Preisanstiegen gekennzeichnete Strom- und Gaseinkauf.

Das Unternehmen investierte wieder knapp 28 Millionen Euro in Zukunftsthemen. Rund 16 Millionen Euro flossen dabei in die Energie- und Wassernetze, um sie weiter für die Energie-, Wärme- und Mobilitätswende zu rüsten.

Allein auf die noch recht junge Sparte Handel, Beteiligungen und Dienstleistungen für Enni entfiel im vergangenen Jahr ein Ergebnisanteil von rund 67 Prozent. Im Beteiligungsbereich erzielt Enni mit mittlerweile rund 20 mehr oder weniger großen Unternehmensanteilen, etwa an der Fernwärme Niederrhein, der Biokraftgesellschaft Moers/ Dinslaken oder der Enni Solar einen erheblichen Ergebnisbeitrag.

Hoher Ergebnisbeitrag aus dem Dienstleistungsbereich

Seit 2023 gehören die Gesellschaften Bürgerwindräder Rheinberg, Energienetze Rheinberg und auch ein 25-prozentiger Anteil an der NEW RE neu zum Beteiligungsportfolio. Das Mönchengladbacher Dienstleistungsunternehmen NEW hatte diesen Anteil an ihrer regenerativen Erzeugungstochter als Mitgift in Enni eingebracht.

NEW wurde im Zuge der Neuausrichtung des bisherigen Gesellschafters Westenergie 2023 neuer, jetzt zweitgrößter Gesellschafter der Enni. Und noch etwas macht Beteiligungen für Krämer so attraktiv: "Mit ihnen übernehmen wir in der Regel auch weitere kaufmännische oder technische Dienstleistungen." Im Dienstleistungsbereich konnte Enni 2023 rund sieben Millionen Euro erwirtschaften.

Wachstumspotenziale rund um Energie- und Wärmewende

Wachstumsmöglichkeiten sieht der Enni-Chef künftig vor allem im bundesweiten Energievertrieb, neuen Beteiligungen und vor allem Themen rund um die Energie-, Mobilitäts- und Wärmewende am Niederrhein. Der Finanzbedarf für diese Zukunftsprojekte sei groß, für den notwendigen Ausbau der Strom- und Fernwärmenetze, den geplanten Bau weiterer Solar- und Windparks und die notwendigen Batteriespeicher sieht Krämer ihn bei 240 Millionen Euro.

"Es ist gut, dass unsere Gesellschafter auch hier hinter unserer Strategie stehen", gelte es laut Krämer nun, Enni mit dem notwendigen Eigenkapital auszustatten, das er für die Umsetzung der Projekte bis 2030 mit rund 60 Millionen Euro beziffert. Hier habe das Aufsichtsgremium mit einer Gewinnrücklage von fünf Millionen Euro eine erste wichtige Grundlage gelegt. (hoe)