Eon-Vorstandsvorsitzender Leonhard Birnbaum

Eon-Vorstandsvorsitzender Leonhard Birnbaum

Bild: © Roland Weihrauch/dpa

Eon-Vorstandsvorsitzender Leonhard Birnbaum hat das Geschäftsgebaren von Billiganbietern wie Stromio und Gas.de heftig kritisiert.

Auf dem deutschen Energiemarkt habe es Marktteilnehmer gegeben, die es nie hätte geben dürfen, sagte er beim "Handelsblatt"-Energiegipfel in Berlin.

"Falsche Leute auf Markt"

"Das Problem [in Deutschland] sind nicht zu wenige Behörden", führte er aus. "Das Problem ist, dass alle bestehenden Regelwerke und Institutionen zugelassen haben, dass sich die falschen Leute auf dem Markt herumtreiben."

Es könne nicht sein, dass Anbieter Kunden abwerfen, um dann Stromverträge an der Börse zu Geld zu machen. "Da fragen wir uns, ob wir da de facto einem Insolvenzbetrug zum Opfer fallen."

Anspielung auf Stromio und Gas.de

Der Eon-Chef dürfte dabei unter anderem auf die Anbieter Stromio und Gas.de angespielt haben, die im Dezember für hunderttausende Kunden die Energielieferung stoppten, seitdem aber keine Insolvenz angemeldet haben. Noch im Jahr 2019 hatten die beiden Schwesterfirmen einen Profit von insgesamt 111 Mio. Euro gemacht.

Nach Informationen des "Spiegel" prüft die Bundesnetzagentur inzwischen, ob Stromio und Gas.de gegen geltendes Recht verstoßen haben, weil sie Energie möglicherweise an Großhändler verkauften, statt Endkunden zu beliefern. (Die ZfK berichtete.)

"Marktkonsolidierung gut"

Eine Marktkonsolidierung, wie sie jetzt geschehe, sei gut, befand Birnbaum. Allerdings wäre die aktuelle Krise nicht so dramatisch, wenn Billiganbieter erst gar nicht zum Wettbewerb zugelassen worden wären, sagte er.

Als bundesweit größter Energieanbieter und Grundversorger in vielen Teilen Deutschlands bekam Eon Lieferstopps und Insolvenzen von Konkurrenten besonders stark zu spüren. Der Essener Energiekonzern gab aus Wettbewerbsgründen bislang nicht bekannt, wie viele Neukunden er dadurch in der Ersatzversorgung aufnehmen musste. Es dürften aber wohl viele Zehntausende Kunden gewesen sein – wenn nicht noch mehr.

"System scheitert gerade"

Der deutsche Energiemarkt habe eine Regulierung, die darauf ziele, möglichst viele Leute in den Markt zu bringen und möglichst niedrige Preise bei möglichst hohem Kundenwechsel zu verursachen, kritisierte Birnbaum.

"Das scheitert gerade", sagte er. Das gehe nun zulasten der Grundversorgung.

Staatssekretär sieht "Regelungslücke"

Verständnis zeigte Patrick Graichen, neuer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Er sehe eine "Regelungslücke", wenn Energievertriebe in Scharen Kunden abwerfen könnten, ohne insolvent zu gehen. "Wir gucken uns an, ob man da Dinge ändern muss."

Es gehe jedenfalls nicht, wenn Anbieter Kunden kündigten und bereits beschaffte Energie im Großhandel dann teuer verkauften. "Das wäre klarer Missbrauch und rechtlich zu ändern."

Separate Grundversorgungstarife

Eine andere Frage sei, ob die deutsche Politik wirklich das Risikomanagement von Energievertrieben regulieren wollen. "Beschaffungsstrategien haben wir bisher aus guten Gründen nicht reguliert. Ich glaube, dass wir das auch weiterhin als Grundprinzip erhalten sollten."

Gute Nachrichten hatte Graichen für Grundversorger, die ihre Grundversorgungstarife angesichts stark gestiegener Beschaffungspreise und einer Flut an Neukunden aufgespalten haben. "Wir sollten klar stellen, dass dies möglich ist", sagte er. Das könne man aber nicht als Dauerzustand lassen.

BDEW-Forderung

Eine Ministeriumssprecherin teilte der ZfK im Nachgang allerdings mit, dass es beim Thema separate Grundversorgungstarife "noch keine Festlegung" gebe. Das Thema sei erkannt. "Wir beschäftigen uns intensiv mit dieser Problematik."

Eine gesetzliche Absicherung separater Grundversorgungstarife hatte zuvor unter anderem der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gefordert. Nach Angaben des Vergleichsportals Check 24 haben bundesweit 344 Strom- und 339 Gas-Grundversorger gesonderte Grundversorgungstarife für Neukunden eingeführt. (aba)

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