Deutschlands größter Grundversorger Eon erhöht zum 1. Juni in den Gebieten seiner Vertriebstöchter Eon Bayern Vertrieb und Innogy die Preise. Im Gegensatz zu den fünf weiteren Vertriebsschwestern hatten die beiden Gesellschaften noch im März auf eine Anpassung verzichtet.
In der Folge liegt der Kilowattstundenpreis in den betroffenen Gebieten derzeit weiterhin bei etwas mehr als 30 Cent pro kWh und damit deutlich unter dem Branchendurchschnitt. Nach der Anpassung kommen die Preise laut ZfK-Stichprobe bei mehr als 40 Cent pro kWh und damit über der staatlich eingezogenen Preisbremse zum Liegen.
Preise weiter deutlich unter Preisspitzen
Auf ZfK-Nachfrage teilte der Konzern mit, dass er die "vielfach teureren Strom-Einkaufskosten überdurchschnittlich lange und erfolgteich" für seine Kunden abgefedert habe. Allerdings habe er auch im vergangenen Jahr, als die Preise auf den Großhandelsmärkten noch sehr hoch gelegen seien, künftige Energiemengen sichern müssen.
"Deshalb ist es unvermeidbar, dass sich dies zeitlich versetzt, aber immer noch gedämpft auch in den Endkundenpreisen niederschlägt", teilte ein Sprecher mit. Die Preise lägen jedoch auch nach der Anpassung deutlich unter den Preisspitzen, die während der Krise auf den Märkten zu beobachten gewesen seien. Generell würden Kunden profitieren, sobald sich Spielraum für Preissenkungen ergebe. "Dies prüfen wir fortlaufend."
Von 33 auf 47 Cent pro kWh
Eon Bayern Vertrieb ist für die Grundversorgungsgebiete im süddeutschen Freistaat zuständig. Dazu zählt beispielsweise das schwäbische Pöttmes. Hier steigt der Preis von derzeit 33 auf 47 Cent pro kWh.
Zum Vertriebsgebiet der Innogy gehört etwa die nordrhein-westfälische Stadt Castrop-Rauxel. Hier zahlen grundversorgte Stromkunden von Juni an statt 31 dann 49 Cent pro kWh. Beiden Beispielen wurde ein Jahresverbrauch von jeweils 1500 kWh zugrundegelegt.
Streit mit Stadtwerken Castrop-Rauxel
In Castrop-Rauxel hatte Eon in den vergangenen Monaten auch Stromkunden aufgenommen, die zuvor von den örtlichen Stadtwerken versorgt worden waren. Das Brisante dabei: Der Kommunalversorger hatte den Kunden angeboten, sich in die zu diesem Zeitpunkt deutlich günstigere Eon-Grundversorgung fallen zu lassen.
Sollte sich die Situation jedoch ändern und die Stadtwerke wieder billigere Preise anbieten können als der Konzern, würden die Kunden nach unterzeichneter Vollmacht automatisch zum Kommunalunternehmen zurückkehren. Genau dies könnte im Juni eintreten. Eon verklagte die Stadtwerke wegen unlauteren Wettbewerbs. Mit dem Fall befasst sich nun das Landgericht Bochum. (Die ZfK berichtete.) (aba)



