Die oberirdische Fernwärmeleitungen werden auch die "Adern von Jena" genannt.

Die oberirdische Fernwärmeleitungen werden auch die "Adern von Jena" genannt.

Bild: © Anna Schroll/SWJ

Die durchschnittlichen Preise für Fernwärme in Deutschland bleiben laut einer aktuellen Auswertung des Bundesverbands der Energie-Abnehmer (VEA) stabil. Dennoch gibt es zum Teil signifikante Veränderungen. So sind beispielsweise die Preise der WSW Energie & Wasser AG aus Wuppertal um 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. In Hanau hingegen stieg der Fernwärmepreis der Stadtwerke laut Pressemitteilung der VEA um 115 Prozent.

VEA-Hauptgeschäftsführer Volker Stuke zeigte Verständnis sowohl für die stabilen Preise als auch für die deutlichen Ausreißer. Zum einen sei die Brennstoffwahl für die Preisbildung zentral. Der jeweilige Fernwärmepreis sei in der Regel an den für die Wärmeerzeugung verwendeten Brennstoff Gas, Heizöl oder Kohle gekoppelt. „Die Preise für die fossilen Brennstoffe waren im Jahr 2022 besonders hoch und im Herbst 2023 wieder auf einem vergleichsweise günstigen Preisniveau“, so Stuke.

Zeitpunkt der Preiserfassung spielt große Rolle

Je nachdem, mit welchem zeitlichen Verzug der Fernwärmelieferant die Preisentwicklung an die Kunden weitergebe, würden sich sehr unterschiedliche Preisveränderungen in Bezug auf die vergangenen zwölf Monate ergeben.

Ein weiterer Punkt seien die Fixkosten für die Erzeugung sowie die Infrastruktur. Dass die Preise sich zwischen den Versorgern auch noch einmal beträchtlich unterscheiden können, liege unter anderem am Zeitpunkt der Preiserfassung. "Manche Versorger haben ihre Preise noch nicht aktualisiert, da sie dies nur einmal im Jahr tun, wiederum andere aktualisieren quartalsweise", verdeutlichte der VEA-Hauptgeschäftsführer.

Wegfall des Kohleanteils führt künftig zu Preissenkung in Hanau

Das ist auch in Hanau der Fall. Dort haben die Stadtwerke vor Kurzem eine Senkung der Fernwärmerpeise um 40 Prozent auf 17,20 Cent pro Kilowattstunde (kWh) angekündigt. Mit dem von der Bundesregierung zum 1. April wieder auf 19 Prozent angehobenen Mehrwertsteuersatz würde der Arbeitspreis um 34 Prozent auf  19,14 Cent brutto pro kWh sinken.

Hintergrund ist, dass mit Beendigung der Gasmangellage das Kohleverstromungsverbot zum 31. März wieder greift und der steinkohlebetriebene Block des Kraftwerks Staudinger 5 keine Fernwärme mehr an die Stadtwerke Hanau liefern kann. Den Wegfall des Kohleanteils berücksichtigen die Stadtwerke in ihrer Preisgleitklausel, deshalb sinken dann die Preise. Die Stadtwerke Hanau bieten künftig nur noch klimaneutrale Verträge an, gleiches gilt unter anderem für Vattenfall Wärme Berlin.

Die teils großen regionalen Unterschiede bei den Fernwärmepreisen und die Komplexität des Zustandekommens werden seit Längerem von Verbraucherschützern kritisiert. Oftmals wird den Versorgern in dem Zusammenhang "mangelnde Transparenz" vorgeworfen. Dies soll eine Preisplattform, die voraussichtlich im April an den Start gehen wird, ändern.

Relative Preisunterschiede sind laut VEA-Erhebung gesunken

Die Preise der einzelnen Fernwärmeversorger liegen laut der VEA-Erhebung zwar weit auseinander, im Vergleich zum Vorjahr rückten sie aber dennoch näher zusammen. Bei einer Benutzungsdauer von 1.500 Stunden pro Jahr (Jahresbezugsmenge von 900 MWh/a dividiert durch die Leistung von 600 kW) liegen die Preise zwischen 70 Euro pro MWh bei den technischen Betrieben Solingen und 310,85 Euro pro MWh bei den Stadtwerken Hanau.

Bezogen auf den niedrigsten Preis beträgt damit der relative Preisunterschied mehr als 340 Prozent. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert noch bei 425 Prozent.

Durchschnittspreis liegt bei über 140 Euro pro MWh

Bei einer Benutzungsdauer von 2.000 h/a (1.200 MWh/a und 600 kW) reicht die Preisspanne von 70,00 Euro pro MWh wieder bei den technischen Betrieben Solingen bis 303,00 Euro pro MWh ebenfalls bei den Stadtwerken Hanau. Der relative Unterschied beträgt hier, wiederum auf den niedrigsten Preis bezogen, 333 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 473 Prozent.

Für die am Vergleich beteiligten 91 Fernwärmeversorger mit 88 Netzen errechnet sich im Mittel für eine Benutzungsdauer von 1.500 h/a ein Wärmepreis von 148,73 Euro/MWh und für 2.000 h/a ein Wärmepreis von 141,96 Euro/MWh. Der Vergleich zeigt, dass die erreichbaren Durchschnitts-Wärmepreise (Euro/MWh) bei den meisten Fernwärmeversorgungsunternehmen sehr stark von der Benutzungsdauer abhängen.

Der VEA vertritt die energiewirtschaftlichen und energiepolitischen Interessen von mehr als 4.700 Mitgliedsunternehmen aus dem energieintensiven Mittelstand. (hoe)

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