Die Stadtwerke Flensburg sind im bundesweiten Vertrieb gut aufgestellt und verzeichnen seit längerem dort ein stärkeres Kundenwachstum. Im zukunftsträchtigen Glasfasergeschäft sind die Hälfte der 41 Ausbaugebiete erschlossen, bis Mitte der 2020er Jahre soll der flächendeckende Glasfaserausbau abgeschlossen sein.
Auch beim Kohleausstieg sieht man sich auf Kurs. 2022/23 wird der erdgasbasierte Kessel 13 zwei der verbliebenen drei Steinkohlekessel ersetzen.
"Stehen in Flensburg gut da"
Mit den beiden erdgasbetriebenen Gas- und Dampfturbinenanlagen Kessel 12 (Inbetriebnahme 2016) und Kessel 13 habe man bereits mehr als 200 Millionen Euro in eine 40-prozentige Reduzierung der CO2-Emissionen bei gleicher Erzeugungsleistung investiert, schreibt der neue Geschäftsführer Dirk Wernicke auf ZfK-Anfrage. "Wir stehen in Flensburg damit gut da."
Das zeige das Anfang des Jahres veröffentlichte „Klima-Navi“ des Kieler Energiewendeministeriums und des Netzbetreibers Hansewerk für Schleswig-Holstein. So liegen die Einsparungen der Kreise und Städte in Schleswig-Holstein beim CO2-Ausstoß seit 1990 zwischen 38,5 und 2,7 Prozent.
98 Prozent aller Flensburger mit Fernwärme versorgt
Am meisten eingespart worden sei in Flensburg. Hier seien die CO2-Emissionen seit 1990 um 38,5 Prozent zurückgegangen, der landesweite Mittelwert liege bei 13,5 Prozent.
"Hier hilft uns die Besonderheit, dass wir in Flensburg rund 98 Prozent aller Flensburger mit Fernwärme versorgen. Das ist ein sehr großer Hebel bei den Emissionseinsparungen." Der Kohleausstieg sei vor Ort in Reichweite, Erdgas sei inzwischen eine Brückentechnologie.
Energiesystem als Ganzes im Fokus
Im Rahmen der aktuellen Evaluierung der Strategie prüfe man derzeit die nächsten Schritte, um die Emissionen der Stadtwerke weiter zu reduzieren. Im Fokus stehe das Energiesystem als Ganzes: Optionen zur Erhöhung des Anteils grüner Erzeugung und gezielte Maßnahmen im Fernwärmenetz.
"Auf mittlere Sicht sehen wir grüne Gase als Schlüssel zur Vollendung der CO2-Neutralität: Sobald Wasserstoff in ausreichender Menge und zu akzeptablen Preisen lieferbar ist, können wir ihn in unseren in Kraft-Wärme-Kopplung betriebenen Erdgasanlagen einsetzen."
"Kunden leben längst in digitalisierter Welt"
Die zweite große Zukunftsherausforderung für die Stadtwerke Flensburg sieht Wernicke im Thema Digitalisierung. "Unsere Kunden leben längst in einer digitalisierten Welt. Da reicht es nicht mehr, auf der Homepage eine App zu bewerben und im Hintergrund weiterhin zu Fuß Schnittstellenklärung zu betreiben", führt er aus.
In den vergangenen Jahren seien bei den Stadtwerken Flensburg die Kernprozesse insbesondere des Commodity-Geschäfts angepasst, standardisiert und automatisiert worden. "Diese Basis gilt es nun weiterzuentwickeln und um innovative Produkte und integrierte Services zu erweitern."
Chancen der digitalen Transformation nutzen
Das Ansprechen der Kundenbedürfnisse in ihrer digitalisierten Lebenswirklichkeit und die Innendigitalisierung des Unternehmens seien dabei zwei Seiten einer Medaille. "Unser Ziel ist es daher, ausgehend von den Kundenprozessen die Chancen der digitalen Transformation sukzessive im Gesamtunternehmen zu nutzen."
Im Übrigen könnten auch digitale Methoden und Technologien beim systematischen Umbau des städtischen Energiesystems bis zur CO2-Neutralität unterstützen. All diese Themen würden künftig im Rahmen des Strategieprozesses adressiert. (hoe)
Wie der neue Geschäftsführer die bundesweiten Vertriebsaktivitäten der Stadtwerke Flensburg weiter optimieren will, lesen Sie in der Juniausgabe der ZfK, die am Montag erscheint.


