Die Zahl der Grundversorger, deren Preise unterhalb des Preisdeckels von zwölf Cent pro kWh liegen, schwindet weiter. Nun kündigten auch die Stadtwerke Düsseldorf an, ihre Gaspreise ab 1. Februar anzuheben.
Beim Arbeitspreis geht es für einen Durchschnittshaushalt um mehr als 80 Prozent nach oben – von 9,48 auf 17,15 Cent pro kWh. Somit bewegt sich der Versorger auf dem Preisniveau der benachbarten Kölner Rheinenergie (rund 17 Cent pro kWh) und der Dortmunder DEW21 (circa 18 Cent pro kWh).
Eon in Hamburg bei 11,7 Cent pro kWh
Damit befindet sich unter Deutschlands zehn größten Städten nur noch ein Gasgrundversorger, der Stand jetzt ab Februar weniger als zwölf Cent berechnet. In Hamburg verlangt Eon von einem Durchschnittshaushalt weiterhin 11,7 Cent pro kWh. Hier wurde zuletzt im August erhöht.
Unternehmen müssen Anpassungen bei Grundversorgungspreisen mindestens sechs Wochen im Voraus bekanntgeben. Noch haben sie also Zeit, für 1. Februar ihre Preise zu verändern.
Grundversorgungspreise: Schere geht weit auseinander
Insgesamt geht die Schere zwischen den unterschiedlichen Grundversorgungspreisen im neuen Jahr weit auseinander. Wie eine Auswertung des Dienstleisters Enet zeigt, liegen die Arbeitspreise bundesweit am 1. Januar zwischen 28 und 93 Cent pro kWh Strom. Bei Gas sind es zwischen acht und 34 Cent pro kWh.
"Wer langfristig beschafft hat und gegebenenfalls 2020 höhere Mengen abgesichert hat als eigentlich für 2023 vorgesehen, kann sicherlich noch vergleichsweise gute Konditionen anbieten", erklärt Unternehmensberater Klaus Kreutzer. "Allerdings werden die aktuell hohen Beschaffungspreise mittelfristig trotzdem durchschlagen und dazu führen, dass sukzessive weitere Preiserhöhungen vorgenommen werden müssen."
Grundversorger in Zwickmühle
Es dürfe bezweifelt werden, dass die Kunden diese Preislogiken verstehen würden, da die Zusammenhänge doch recht komplex seien, sagt der Experte. "Es ist also mit Unverständnis oder zumindest Unzufriedenheit zu rechnen, wenn die Preise weiter steigen, während andere Anbieter schon wieder senken."
Trotzdem könnten die Unternehmen mit langfristigen Preisvergleichen punkten und aufzeigen, dass sich die Treue über die Zeit gelohnt habe und man auch in Zukunft sicher und preiswert versorgt werde.
Unwägbarkeit Preisdeckel
Je höher der Preis dagegen ausfalle, desto stärker sei der Anreiz, nach günstigeren Preisen Ausschau zu halten, sagt Kreutzer.
"Schließlich ist es nicht sicher, dass die Kunden es schaffen, den Verbrauch um 20 Prozent zu reduzieren. Zudem bedeuten die Preisdeckel für die meisten Haushalte ohnehin eine signifikante Preissteigerung gegenüber dem letzten Jahr." Tatsächlich war in den vergangenen Wochen wieder mehr Bewegung in den Markt gekommen, warben manche Versorger auf Vergleichsportalen mit teils hohen Boni. (Hier mehr dazu.)
"Historische Chance" für Stadtwerke
Für Stadtwerke sei die aktuelle Lage jedoch auch eine "historische Chance", sagt Enet-Geschäftsführer Roland Hambach. Sie könnten alte sowie in den vergangenen Monate neu hinzugekommene Kunden durch gezielte vertrauensbildende Maßnahmen dazu bewegen, nicht über einen erneuten Wechsel zu einem Wettbewerber nachzudenken, sondern beim angestammten Versorger in einen attraktiven Sondertarif zu wechseln.
"Voraussetzung hierfür ist aus meiner Sicht, dass der Grundversorger mehr liefert, als nur – im Grunde – emotionsbefreite Energie", führt er aus. "Wenn Energieversorger es schaffen, ihren Kunden regionales Engagement zu vermitteln und sie überzeugen, dass negative Erfahrungen wie mit windigen Discountern beim Grundversorger nicht zu befürchten sind, haben sie eine reelle Chance, als Partner der Kunden wahrgenommen zu werden. " (aba)



