Harsche Kritik an den Branchenschwergewichten: Constantin Alsheimer

Harsche Kritik an den Branchenschwergewichten: Constantin Alsheimer

Bild: @ Mainova

Mit einer EU-weiten Ausschreibung haben die Gesellschafter den Verkaufsprozess für ihre Anteile an dem Gas-Großhändler Gas-Union gestartet, Interessenten können sich bis zum 10. April dieses Jahres melden. "Die Gesellschafter ermöglichen der Gas-Union durch die Veräußerung ihrer jeweiligen Anteile, sich mit einem geeigneten, überregionalen Partner am Markt strategisch weiter zu entwickeln", erklärte der Vorstandsvorsitzende des größten Anteilseigners, der Mainova AG, Constantin H. Alsheimer. Die Entwicklung am Gasmarkt führe dazu, dass Marktgröße und Skalierbarkeit eine immer größere Bedeutung erlangten, führte Alsheimer, der auch Vorsitzender des Koordinierungsausschusses und Mitglied des Aufsichtsrates der Gas-Union ist, weiter aus.

"Starke Marke mit diversifiziertem Geschäftsmodell"

Die Realisierung genau dieser Größeneffekte mit einem neuen und starken, strategischen Partner, und damit einhergehend entsprechendes Wachstum ist das Ziel des angestrebten Eigentümerwechsels. Die Gas-Union bezeichnete Alsheimer als "starke Marke mit einem diversifizierten Geschäftsmodell entlang der Werschöpfungskette im Mid-Stream Gasbereich". Die Mainova hält 34,27 Prozent der Anteile an dem Gas-Großhändler. Weder die Pressestelle des Regionalversorgers noch die der Gas-Union wollten sich auf ZfK-Anfrage weiter zu den Hintergründen und Zielen der geplanten Transaktion äußern und verwiesen auf den gerade gestarteten Verkaufsprozess. Völlig überraschend kommt der jetzige Schritt allerdings nicht.

Hohe Abschreibungen der Mainova in 2016 und 2017

Richtig zufrieden schienen die Verantwortlichen der Mainova mit den strategischen Perspektiven sowie den Ertragsaussichten dieses Engagements aber schon länger nicht zu sein. Auch wenn es nie offiziell gesagt wurde, verfestigte sich der Eindruck, dass sich diese Beteiligung zu einem Sorgenkind entwickelt hat. Im vergangenen Jahr hatte die Gas-Union zwar die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft. Der Gewinn in Höhe von 4,2 Mio. Euro wurde auf eigene Rechnung vorgetragen, die Gesellschafter verzichteten auf eine Ausschüttung. "Wir schätzen das Gasgeschäft", hatte Constantin H. Alsheimer bei der Bilanzpressekonferenz der Mainova im April 2019 noch bekräftigt. Die strategische Bedeutung von Gas für die Energiewende werde zunehmend erkannt. In den Jahren 2016 und 2017 hatte die Mainova aber auch zwei Mal Abschreibungen im tiefen zweistelligen Millionenbereich auf ihre Beteiligung an der Gas-Union vornehmen müssen.

Straffes Kosteneinsparungsprogramm

Der 1961 gegründete Gas-Großhändler mit Sitz in Frankfurt hatte in den vergangenen Jahren ein straffes Transformations- und Restrukturierungsprogramm durchlaufen und Kosteneinsparungen im niedrigen einstelligen Millionenbereich realisiert. Auch aus dem Bereich der Erdgasexploration und -förderung war das Unternehmen im Geschäftsjahr 2018 ausgestiegen, hier war man anteilig an zwei Projekten beteiligt. Auch künftig sollte der Fokus auf Kosten- und Risikominimierung liegen. Für das Geschäftsjahr 2019 hatten die Geschäftsführung der Gas-Union, Oliver Malerius und Jens Nixdorf, erneut ein positives Ergebnis in Aussicht gestellt. Für das Unternehmen sind rund 85 Mitarbeiter tätig.

Die weiteren Gesellschafter

Die Geschäftsbereiche der Gas-Union umfassen den Betrieb eines regionalen Gasverteilnetzes, die Speicherung von Erdgas, den Handel und Vertrieb von Erdgas sowie die Beteiligung an Unternehmen, unter anderem im Bereich des Telekommunikationssektors. Zu den weiteren Gesellschaftern der Gas-Union zählen die RGE Holding GmbH (23,57 Prozent), Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (15,91 Prozent), Städtische Werke AG (9,18 Prozent), Stadtwerke Göttingen AG (6,12 Prozent), Stadtwerke Essen AG (4,55 Prozent), Energie- und Wasserversorgung Mittleres Ruhrgebiet GmbH (4,55 Prozent) sowie die Gas-Union GmbH (1,85 Prozent). (hoe)

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