Kooperationen von Stadtwerken dürfen kein reiner Selbstzweck sein, hält die Studie fest, sondern müssen klaren Strukturen folgen.

Kooperationen von Stadtwerken dürfen kein reiner Selbstzweck sein, hält die Studie fest, sondern müssen klaren Strukturen folgen.

Bild: © Karin Jung/pixelio.de

Energiewende, Digitalisierung, Netzausbau: Die 851 Verteilnetzbetreiber in Deutschland stehen vor großen Herausforderungen. Bis 2045 müssen sie über 235 Milliarden Euro für den Ausbau und die Modernisierung der Stromnetze aufbringen. Zusätzlich müssen die Wärme- und Wasserinfrastruktur angepasst werden. Welche Rolle dabei Kooperationen von Verteilnetzbetreibern spielen können, hat das Aachener Energie-Beratungsunternehmen BET in einer Studie untersucht. Beauftragt wurde sie vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU).  

Belastungen durch den Wandel 

Der Druck auf die Unternehmen wächst: durch komplexe Regulierungen, die Transformation des Energiesystems sowie interne Faktoren, etwa gestiegene Kosten oder begrenzte Ressourcen von kleineren und mittleren Verteilnetzbetreibern. Viele der Vorhaben müssen parallel erfolgen. Daraus ergibt sich laut der Studie ein struktureller Bedarf an Koordination, Standardisierung und Umsetzungskapazität.  

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Das trifft insbesondere kleinere Stadtwerke, die weniger Personal und Mittel haben als die größeren Unternehmen. Viele von ihnen geben laut Studie zurzeit mehr aus, als sie einnehmen, um die erforderlichen Investitionen zu stemmen. Die Unternehmen finden nicht genügend Fachkräfte und können sich intern weniger spezialisieren. Deswegen können sie ihre Aufgaben nur langsam bewältigen. Das IT- und Datenmanagement ist unterschiedlich gestaltet. Das erschwert den Austausch mit anderen VNB. Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer vom VKU, stellte gegenüber dem "Handelsblatt" fest: "Das hohe Transformationstempo bringt Netzbetreiber an ihre Grenzen, und zwar unabhängig von ihrer Größe." 

Lokale Verwurzelung als Stärke – aber auch Konfliktherd 

Es gibt immer wieder Kritik an der zersplitterten Stadtwerke-Landschaft in Deutschland: Sie sei zu kleinteilig und daher ineffizient. Die Studie hingegen kommt zu dem Schluss, dass diese fragmentierte Struktur auch Vorteile hat: Die Unternehmen seien kommunal verankert und wüssten um die lokalen Besonderheiten. Daher könnten sie ihre Entscheidungen gezielt treffen und effizient umsetzen. "Gerade die kommunale Nähe sorgt dafür, dass Netze bedarfsgerecht geplant und Bürgerinnen und Bürger entlastet werden", sagte VKU-Chef Liebing. Zudem bleiben Störungen regional begrenzt und lokale Unternehmen profitieren bei Planungs-, Bau- und Betriebsleistungen.  

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Die Fragmentierung der Verteilnetzbetreiber hat laut Studie zwar Stärken, aber die lokale Verankerung birgt auch Konfliktpotenzial: Viele Unternehmen befürchten, in Kooperationen Eigenständigkeit oder regionale Sichtbarkeit zu verlieren. Diese Angst kann nach Ansicht der Studienautoren selbst bei erkennbaren wirtschaftlichen Vorteilen dazu führen, dass Kooperationen kritisch betrachtet werden.  

Um diese Vorbehalte zu überwinden, komme es häufig auf einzelne handelnde Personen an – und darauf, ob es gelingt, Vertrauen aufzubauen. Kooperationsmodelle müssen die lokalen Interessen offenkundig berücksichtigen und transparente Entscheidungsstrukturen bieten. Zusätzlich sollten sie die Vorteile für alle Beteiligten klar benennen, um die Kooperation attraktiv für die verantwortlichen Akteure zu machen. 

Kooperationsmodelle: Mit Maß und Ziel 

Die Untersuchung schlussfolgert, dass Kooperationen hilfreich sein können, um die Probleme der Verteilnetzbetreiber zu lösen. Sie können dabei unterstützen, Skaleneffekte zu realisieren, Ressourcen zu bündeln und die Fähigkeit zur Zielumsetzung zu erhöhen. Dabei geht es ausdrücklich nicht um Fusionen oder den Verlust von Eigenständigkeit. Die lokale Verankerung soll erhalten bleiben. Auch Liebing betonte: "Kooperationen ermöglichen Skaleneffekte und Effizienzgewinne, ohne die regionale Verwurzelung und Selbstständigkeit der Unternehmen zu gefährden." 

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Die Studie kommt auch zu dem Ergebnis, dass Kooperationen nicht um jeden Preis eingegangen werden sollten. Sie sollten nicht spontan und opportunistisch entstehen. Stattdessen bräuchten sie klare Ziele, definierte Strukturen und belastbare Governance-Strukturen, um den gewünschten Effekt zu erreichen.

Standardisierung als Grundlage 

Standardisierung ist laut der Studie die maßgebliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit: "Einheitliche Prozesse, Datenmodelle und Schnittstellen sind ein zentraler Schlüssel, damit freiwillige Zusammenarbeit wirksam werden und gemeinsam die Systemkosten gesenkt werden können", fasst BET-Partner Heinz-Werner Hölscher zusammen. Die Studie betont bei diesem Punkt, dass Standardisierung nicht Uniformität bedeutet. Lokale Besonderheiten müssten in diesem Prozess berücksichtigt werden. 

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Insgesamt hat die Untersuchung neun zentrale Kooperationsfelder identifiziert: 

  • Netzführung und Flexibilitätsmanagement 
  • Smart-Meter- und Steuerungsrollout 
  • Netzanschluss- und Kundenprozesse 
  • Datenmanagement und IT-Architekturen 
  • Netzbetrieb  
  • Netzplanung 
  • Ressourcenmanagement 
  • Finanzierungsmanagement 
  • Investitionsmanagement 

Die Studie stellt fest, dass es keine allgemeingültige Herangehensweise gibt. Stattdessen skizziert sie ein Spektrum von punktueller Zusammenarbeit in einzelnen Bereichen über gemeinsame Plattformlösungen bis hin zu stärker integrierten Strukturen. 

Kooperationen sind kein Selbstzweck – das hat die Studie eindeutig festgehalten. Wenn sie systematisch aufgesetzt werden, können sie einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten. "Wenn wir wollen, dass die Energiewende vor Ort effizient gelingt, müssen wir Zusammenarbeit erleichtern", sagte VKU-Chef Liebing. Er sieht dabei Politik, Regulierung und Verbände gemeinsam in der Pflicht, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

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