Die Preissenkungsdebatte inmitten stark gefallener Großhandelspreise nimmt weiter Fahrt auf. Nun meldete sich auch Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, zu Wort.
"Wenn wir den Winter mit ausreichend gefüllten Gasspeichern überstehen, dann stehen die Signale auf Preissenkungen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er erwarte, dass es nach dem Frühjahr eine große Preissenkungswelle gebe, in der die Versorger zumindest die Spitzenpreise von mehr als 15 Cent pro Kilowattstunde Erdgas zurücknehmen müssten. "Da muss man dann auch Preissenkungen sehen."
Eon erhöht Gaspreise
Stand Januar reichte die Preisspanne in der Gasgrundversorgung bundesweit nach Analyse des Energiedienstleisters Enet von acht bis 34 Cent pro kWh. Für Februar hat mancher Gasgrundversorger sogar weitere Preissteigerungen angekündigt. So gehen die Stadtwerke bei einem Jahresverbrauch von 10.000 kWh von derzeit neun auf 17 Cent pro kWh hoch. Der Energiekonzern Eon in Hamburg erhöht dann von aktuell zwölf auf 16 Cent pro kWh.
Auf dem Handelsblatt-Energiegipfel hatte Eon-Chef Leonhard Birnbaum weitere mögliche Preissteigerungen angedeutet. "Wir haben in der Grundversorgung 2022 nicht die Großhandelspreise [in Gänze] durchgereicht, sondern nur etwa 30 Prozent davon", sagte er.
Entega senkt Preise
Eine deutliche Gaspreissenkung kündigte dagegen jüngst der Darmstädter Regionalversorger Entega an. Von April an soll der Preis von gegenwärtig 21 auf 13 Cent pro kWh fallen. (Die ZfK berichtete.) Faktisch zahlen die meisten Kunden zumindest für den Großteil ihres Gasverbrauchs aber ohnehin nicht den vertraglich fixierten Preis, sondern die in der Gaspreisbremse festgelegten zwölf Cent pro kWh.
Berliner Gaskunden fanden am Freitagnachmittag auf dem Vergleichsportal Verivox Angebote von 11,22 Cent pro kWh. Der Großteil der Anbieter blieb aber weiterhin über der Zwölf-Cent-Schwelle.
Noch 2026 Preise von 37 Euro pro MWh
Im Großhandel pendelten sich die Gaspreise für den Frontmonat TTF zuletzt im Korridor zwischen 54 und 65 Euro pro MWh ein. Gas, das im kommenden Winter geliefert werden soll, war dabei etwa zehn Euri teurer.
Auffällig dabei ist, dass selbst bis in den Winter 2025 die Gas-Großhandelspreise die 45-Euro-Grenze nicht unterschritten. Für das Kalenderjahr 2026 notierte die Megawattstunde bei 37 Euro. Zum Vergleich: In den 2010er-Jahren waren Preise von knapp 20 Euro pro MWh üblich. (aba/dpa)



