Die Bundesregierung will Gazprom Germania mit einem Milliardenbetrag stützen, um eine Insolvenz zu verhindern. Damit solle die Versorgungssicherheit gewährleistet werden, teilte sie mit.
Nach Angaben aus Regierungskreisen geht es um eine Summe zwischen neun und zehn Milliarden Euro. Geplant sind demnach Hilfen über die staatliche Förderbank KfW. Zuvor hatte unter anderem der US-Nachrichtendienst "Bloomberg" über die milliardenschwere Kredithilfe für den Konzern berichtet.
Securing Energy for Europe als neuer Name
Die Gazprom Germania wird außerdem in "Securing Energy for Europe GmbH" (SEFE) umbenannt, auch um die Bedeutung des Unternehmens für die Energieversorgung in Europa hervorzuheben.
Ferner hieß es, die Bundesregierung prüfe Möglichkeiten, das Darlehen in Eigenkapital umzuwandeln. Das würde bedeuten, dass der Staat beim Unternehmen einsteigt.
Gazprom Germania als "Schlüsselunternehmen"
Gazprom Germania sei ein Schlüsselunternehmen für die Gasversorgung in Deutschland, erklärte die Bundesregierung. Das durch Sanktionen von russischer Seite ins Straucheln geratene Unternehmen solle über ein Darlehen vor der Insolvenz bewahrt werden: "Mit diesem Vorgehen behält die Bundesregierung den Einfluss auf diesen Teil der kritischen Energieinfrastruktur und verhindert eine Gefährdung der Energiesicherheit."
Anfang April hatte der Bund über die Bundesnetzagentur die Kontrolle über die deutsche Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom übernommen. Die Bundesnetzagentur wurde Treuhänderin.
Gazprom Germania: "Finanzielle Schieflage"
Russland hatte aber Mitte Mai Sanktionen gegen die Gazprom Germania und nahezu alle Töchter der Gazprom Germania verhängt und so eine "finanzielle Schieflage" des Unternehmens verursacht, wie es seitens der Bundesregierung hieß. Seitdem wurden auch langfristige Gas-Lieferverträge aus Russland nicht mehr bedient.
Die dadurch notwendigen Ersatzbeschaffungen zu aktuell sehr hohen Marktpreisen hätten die finanzielle Lage der Gazprom Germania so sehr verschlechtert, dass die Bundesregierung die Liquidität mit einem KfW-Darlehen absichern müsse. Am Dienstagabend kostete 1 MWh Gas am Handelspunkt TTF für den Liefermonat Juli 97 Euro. Früher waren 20 Euro üblich gewesen.
Wingas: Mengen "praktisch zu 100 Prozent" fixiert
Zur Gazprom-Germania-Gruppe zählt unter anderem der Kasseler Gashändler Wingas. Allein im Jahr 2020 setzte er europaweit an Industriekunden und Weiterverteiler wie Stadtwerke gut 190 TWh Gas ab. Ein großer Teil davon kam über Lieferverträge vom russischen Energieriesen Gazprom Export.
Im Interview mit der ZfK versicherte Wingas-Vertriebschef Matthias Peter jüngst, dass Wingas im Markt soweit abgesichert sei, "dass wir auch Lieferverpflichtungen, die in die nächsten vier bis fünf Jahre hineingehen, erfüllen können." Das Unternehmen habe das vertraglich zugesicherte Gas schon heute, abgesehen von konjunktur- und temperaturbedingten Ausgleichsmengen, "praktisch zu 100 Prozent" fixiert.
Drei Gazprom-Germania-Speicher im Fokus
Aufgabe der Wingas ist es zudem, die Speicher der Gazprom-Germania-Gruppe mit zu befüllen – auch dies ein kapitalintensives Geschäft in Zeiten extrem hoher Preise.
Derzeit ist der Speicher Rehden, der von der Konzerntochter Astora betrieben wird, nach Angaben des Branchendienstes AGSI+ zu acht Prozent gefüllt. Hier dürfte jedoch aktuell vorwiegend, wenn nicht sogar ausschließlich der Marktgebietsverantwortliche THE einspeichern.
Füllstand in Jemgum und Haidach
Der ebenfalls zur Gruppe gehörende Speicher Jemgum ist zu 37 Prozent gefüllt und der von Astora vermarktete Teil des österreichischen Großspeichers Haidach zu 44 Prozent. Der aggregierte Füllstand aller deutscher Speicher betrug zuletzt 55 Prozent. (aba/dpa)
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