Trotz eines leichten Rückgangs im Kerngeschäft Wasser hat der Gelsenwasserkonzern im Geschäftsjahr 2021 seinen Jahresüberschuss deutlich auf 114,4 Mio. Euro (2020: 94,7 Mio.) gesteigert. Laut Pressemitteilung trugen dazu auch Sondereffekte bei, etwa Übertragungen von Assets im Zuge der Aufstockung der Beteiligung am Regionalversorger Enni von 5,9 auf 12,61 Prozent.
Die stark gestiegenen Gaspreise an den Großhandelsmärkten haben den Umsatz des Konzerns mehr als verdreifacht, das Umsatzvolumen kletterte von 1,7 Mrd. Euro in 2020 auf rund 6,3 Mrd. Euro. Das ist vor allem auf Handelaktivitäten zurückzuführen. Der Umsatz der Sparte Erdgas verfünffachte sich nahezu von 958 Mio. auf 4,73 Mrd. Euro.
„Mit der Situation durch die Turbulenzen an den Energiemärkten seit Herbst 2021 und dem schrecklichen Ukraine-Krieg stehen wir wie alle anderen Energie-Versorgungsunternehmen aktuell vor weiteren großen Herausforderungen“, kommentierte der Gelsenwasservorsitzende Henning R. Deters.
Deters: "Planziel erreicht"
Das Unternehmen habe sein Planziel erreicht, ausschlaggebend hierfür seien erneut die Erfolge der Konzernunternehmen in ihren Märkten gewesen. Mehrheitsgesellschafter der Gelsenwasser AG sind die Dortmunder Stadtwerke und die Stadtwerke Bochum, die über eine Beteiligungsgesellschaft mittelbar über 92 Prozent an dem Trinkwasserversorger halten.
Neue Verbindungsleitung soll Klimaresilienz der Wasserversorgung stärken
Aufgrund des wesentlich feuchteren und gemäßigteren Sommers ging der Wasserabsatz des Gelsenwasserkonzerns im Vergleich zum Vorjahr um rund sechs auf 229,5 Mio. Euro zurück. Die Umsetzung der erweiterten Trinkwasser-Aufbereitung mit Investitionen von über 200 Mio. Euro in den Ruhr-Wasserwerken sei fast abgeschlossen. Um die Klimaresilienz der Wasserversorgung auszubauen, plant das Unternehmen eine neue Trinkwasser-Transportleitung. Diese soll das Gelsenwasser-Rohrnetz mit dem Netz der Tochter Vereinigte Gas- und Wasserversorgung GmbH (VGW) verbinden.
„Die trockenen Sommermonate der Vorjahre haben deutlich gemacht, dass in Spitzenzeiten die Kapazitätsgrenzen der Wasserförderung in der Region erreicht wurden. Mit der neuen Leitung wollen wir die nachhaltige Versorgung mit Trinkwasser im VGW-Netz durch Wasser aus den Wasserwerken an der Ruhr langfristig sichern“, erläuterte Gelsenwasser-Vorstand Dirk Waider.
Zuwächse beim Gas- und Stromabsatz
Der Gasabsatz hingegen stieg erneut – im vergangenen Jahr konkret um 10,7 Prozent auf 94,8 TWh. Hauptgrund für den Absatzzuwachs sind die die verstärkten Gashandelsaktivitäten der Gelsenwasser AG. Durch die Liefereinstellung anderer Unternehmen Ende 2021 seien zahlreiche Gas-Kunden mit einem Gesamtzuwachs von über 30 Prozent in die Ersatzversorgung/Grundversorgung aufgenommen worden, heißt es weiter.
Auch beim Stromabsatz gab es ein deutliches Plus und zwar um 18,9 Prozent auf 10,2 TWh. Auch dieser Zuwachs entfällt großteils auf die Beschaffung. Die Energie-Vertriebsmarken Erenja, Westfalica und NGW hat Gelsenwasser im Berichtsjahr in der Erenja AG & Co. KG gebündelt. Erenja konnte die Kundenzahlen beim Gas und Strom leicht steigern.
Kommunales Partnerschaftsnetzwerk wurde weiter ausgebaut
Auch im vergangenen Jahr ist Gelsenwasser erneut weitere kommunale Partnerschaften eingegangen. Im Wärmeberereich etwa mit den Stadtwerken Bad Oeynhausen oder bei der Trinkwasserversorgung gemeinsam mit den Hertener Stadtwerken. Verlängert wurden zudem die Konzessionsverträge bei der Trinkwasserversorgung in Unna sowie diejenigen der Tochter VGW zur Wasserversorgung in Rheda-Wiedenbrück und Rietberg. Hinzukommen einige Stromnetzübernahmen durch die Gelsenwasser Energienetze GmbH.
Durch die Beteiligung an der Infrareal-Gruppe mit Hauptsitz Marburg habe Gelsenwasser zudem seine Aktivitäten im Bereich der industriellen Energie- und Wasserversorgung deutlich ausbauen können, heißt es weiter. Im immer wichtiger werdenden Bereich Cyber-Securiry habe die Gelsenwasser-Gruppe zudem ihr Kompetenzprofil durch eine Beteiligung an der Bochumer Physec GmbH gestärkt. (hoe)



