Von Artjom Maksimenko
Der Jahresüberschuss der "Gruppen-Gas- und Elektrizitätswerk Bergstraße AG (GGEW)" lag im Geschäftsjahr 2024 bei 659.000 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr (3,8 Millionen Euro) bedeutet dies einen Rückgang um 83 Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um 48 Prozent auf 4,2 Millionen Euro.
Im Gespräch mit Journalisten bezeichnete Carsten Hoffmann das Jahr 2024 entsprechend als "das schwierigste und anstrengendste Jahr der Unternehmensgeschichte". Trotz dieser Zahlen blieb der Vorstandschef des hessischen Versorgers betont optimistisch und kündigte schon für das laufende Jahr positive Entwicklungen an.
GGEW hält das Versprechen an Gesellschafter
Die GGEW hatte es 2024 trotzdem geschafft, die angekündigte Ausschüttung in Höhe von vier Millionen Euro zu erfüllen. Allerdings musste sich das Unternehmen dafür der Gewinnrücklagen aus den vergangenen Jahren bedienen. Gut 3,3 Millionen Euro seien daraus entnommen worden, rund fünf bis sechs Millionen Euro verbleiben weiterhin als Reserve, erläuterte Hoffmann auf Nachfrage.
Für das laufende Jahr werde diese nicht gebraucht, gab er sich sicher. Auch die Eigenkapitalquote konnte die GGEW stabil bei 30 Prozent halten – "Ein Wert, der uns im Branchenvergleich im soliden Mittelfeld positioniert", so Hoffmann. Was waren die Gründe für den deutlichen Ergebniseinbruch? Für Hoffmann seien die Herausforderungen sehr vielfältig gewesen und wirkten gleichzeitig auf das Unternehmen ein. "Wir mussten die Fusion organisatorisch und technisch bewältigen, regulatorische Vorgaben wie die Abbildung von Strom- und Gaspreisbremsen haben uns enorm belastet", sagte er.
Parallel dazu waren die Beschaffungspreise 2024 sehr hoch, was den Wettbewerb auf dem Energiemarkt erschwerte. Insgesamt hätte GGEW dadurch gut zehn Prozent seiner Kunden verloren. "Auch im Kundenservice ist nicht alles optimal gelaufen", räumt Hoffmann ein. Daraus habe sein Unternehmen gelernt: "Mit Projekten zur Verbesserung der Prozesse und der Einführung der GGEW-App setzen wir auf einen deutlichen Qualitätssprung".
Teure Beschaffung 2024
2024 musste die GGEW in einer Phase teurer Einkäufe tätig werden und war dadurch im Nachteil gegenüber Versorgern, die günstiger beschaffen konnten, hieß es weiter aus Bensheim. "Diese höheren Kosten wollten wir nicht vollständig auf die Kunden abwälzen und haben sie teilweise selbst getragen, was sich auch im Jahresergebnis zeigt", sagte Hoffmann auf ZfK-Nachfrage.
2025 befindet sich der Versorger laut Hoffmann jedoch wieder in einem guten Beschaffungszyklus, was positive Aussichten für die Jahre 2025 bis 2027 eröffnet. Ob die Preise für Kunden weiter sinken würden, hänge allerdings auch von externen Faktoren ab – insbesondere Netzentgelten, Umlagen und Abgaben, die erst ab Mitte Oktober feststehen.
Für das Jahr 2030 will die GGEW ihre Kundenzahl auf 120.000 Stromkunden erhöhen. Die Grundlage dafür seien aber nicht nur die wettbewerbsfähigen Preise, sondern umfangreiche Veränderungen, die das Unternehmen bereits angestoßen hat. Im Juni dieses Jahres hatte das Unternehmen den Start einer Digitalstrategie angekündigt, die grundsätzlich alle Geschäftsbereiche betrifft. "Wir haben kritisch auf unsere Organisation geschaut und erkannt: So wie bisher geht es nicht weiter. Digitalisierung wird zur Grundlage unserer Wettbewerbsfähigkeit", sagte Hoffmann weiter.
Carsten Hoffmann, GGEW
Digitalisierungsprozess schreitet voran
Das Unternehmen treibe den Aufbau einer modernen Daten- und IT-Architektur voran. Bereits heute hat der Versorger nach eigenen Angaben 55 konkrete KI-Anwendungsfälle im Einsatz – von der genaueren Prognose der Einspeisung bis zur vorausschauenden Wartung. Noch seien die Digitalisierungsmaßnahmen im Vergleich zu den anderen Geschäftsbereichen nicht kostenintensiv und machen bisher nur einen geringen Teil der Gesamtinvestitionen in Höhe von 20,6 Millionen Euro (Investitionen 2024) aus.
Dies soll sich in den kommenden Jahren allerdings ändern. Bereits im laufenden Jahr kommen mit dem Rollout der Digitalisierungsstrategie höhere Investitionen ins Spiel. Schwerpunkte der Investitionen liegen auf der Vernetzung der Systeme über eine Plattform, insbesondere ERP- und weitere datenführende Systeme. "Im Zuge der digitalen Transformation wird die Organisation regelmäßig überprüft und angepasst", sagte Hoffmann der ZfK. Allerdings gebe es noch kein neues Organigramm. Veränderungen würden schrittweise umgesetzt, um die Mitarbeiter mitzunehmen. Ein wichtiger Ansatz sei dabei das cross-funktionale und agile Arbeiten. Personell baue die GGEW vor allem im IT-Bereich eigene Kompetenz auf, um weniger von externen Dienstleistern abhängig zu sein.



