Er muss Geld anlegen, einiges davon bei den Stadtwerken: Tilo Hacke ist Mitglied des Vorstands der DKB.

Er muss Geld anlegen, einiges davon bei den Stadtwerken: Tilo Hacke ist Mitglied des Vorstands der DKB.

Bild: © Dennis Scholz/dkb.de

Die erste Windkraftanlage habe er 1996 finanziert, berichtete Tilo Hacke, Vorstand bei der Deutschen Kreditbank am Mittwoch in Berlin auf dem BDEW-Kongress.

Mittlerweile seien die Rahmenbedingungen für die Finanzierung von Erneuerbarenprojekten ganz andere, es gebe einen Wettbewerb zwischen den Banken.

Die Banken sind willig

„Jedes zweite Stadtwerk ist unser Kunde“, erklärte Hacke. „Die Bonität der Stadtwerke ist im Vergleich zu anderen KMU hervorragend.“ Die Krisenzeiten, in denen es Headlines über drohende Stadtwerkeinsolvenzen gab, seien vorbei.

Die Herausforderung beim Thema Finanzierung sei jedoch riesig. „Es wird ein klares Bekenntnis der kommunalen Eigentümer geben müssen, was die Stadtwerk leisten sollen.“

Neben der Bedeutung von Eigenkapital hob er die Bedeutung von Bürgerbeteiligungen hervor, die die Akzeptanz in der Bevölkerung stärken würden.

Grüne Investitionen sind einfach zu finanzieren

„Die ESG-Kriterien und die EU-Taxonomie helfen bei der Finanzierung der Energiewende“, berichtete Axel Cunow, Finanzvorstand der Sachsenenergie. „Uns rennen die Banken, Pansionsfonds, aber auch Stiftungen die Bude ein, wenn es um nachhaltige Projekte geht.“

Die Bilanz muss tragfähig bleiben

Für Christian Meyer-Hammerström, den Geschäftsführer Osterholzer Stadtwerke, ist die zentrale Frage die Tragfähigkeit seiner Bilanz. Diese langfristig herzustellen sei eine echte Challenge. Gerade im Bereich der Eigenkapitalquote würden Stadtwerke, die unter 20 Prozent lägen zunehmend Probleme bekommen.

Über die Finanzierung denke das Stadtwerk viel früher als noch vor einigen Jahren nach, sagte Meyer-Hammerström. Das bedeute, früh mit den Banken ins Gespräch zu kommen. Für eine barrierefreie Finanzierung würde zudem eine Standardisierung helfen. Der Energiewende-Fonds von BDEW und VKU und Deloitte sei hier ein interessanter Ansatz.

Dass Banken nachhaltige Projekte gerne finanzieren, kenne er, allerdings hätte der Fokus auf  ESG-Kriterien auch Nachteile für die Stadtwerke: „Heute muss ich viel mehr erklären, warum ich aus Gründen der Versorgungssicherheit ins Gasnetz investieren muss“, sagte er.

Traditionelle Finanzierungsmittel bleiben im Fokus

Für Anne Rethmann, Mitglied des Vorstandes der Thüga, nehmen die Banken weiterhin eine zentrale Rolle ein: „Es ist wichtig, die verschiedenen Instrumente zur Finanzierung zu prüfen, oftmals wird es auf die klassischen Finanzierungsinstrumente rauslaufen.“

Gerade in der Stadtwerkewelt gebe es nicht immer riesige Projekte, die für ausländische Investoren interessant seien.

Das hatte das Finanzministerium zu sagen

„Investitionen brauchen verlässliche und anreizkompatible Rahmenbedingungen, insbesondere für Privatkapital aus dem In- und Ausland“, sagte der relativ neu ernannte Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, Wolf Heinrich Reuter. Der Emissionshandel sei ein gutes Beispiel, wo dies gelinge.

Reuter betonte, dass die Regulatorik technologieneutral sein und für die Transformation auf Marktmechanismen setzten sollte. Bei Technologien wie dem Wasserstoff und der Kernfusion müsse der Staat noch eine Anschubhilfe leisten. (pfa)

---------------------------------

Um die Bedeutung von Nachhaltigkeitsdaten für die Finanzierung und die Umsetzung und Chancen, die sich aus der neuen Nachhaltigkeitsrichtlinie der EU für Stadtwerke ergeben, geht es am 17. Juni in Berlin bei der ZfK-Nachhaltigkeitskonferenz. Zur Anmeldung geht es hier. Auch DKB-Vorstand Tilo Hacke gehört zu den Referenten, er spricht im Rahmen einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper