Seit 2017 ist das Steinkohlekraftwerk Weiher der Steag in der Netzreserve.

Seit 2017 ist das Steinkohlekraftwerk Weiher der Steag in der Netzreserve.

Bild: © Steag

Der zum Verkauf stehende Essener Energiekonzern Steag wird definitiv in einen grünen (unter anderem regenerative Energien, aber auch Gaskraftwerke)  und einen schwarzen Teil (Kohleaktivitäten) aufgespalten. Geplant ist das schon seit dem Frühjahr, Ende Oktober hat nun der Aufsichtsrat einstimmig grünes Licht gegeben. Dies bestätigte Dietmar Spohn, Geschäftsführer der Stadtwerke Bochum, gegenüber der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Die Steag gehört den Städten Bochum, Dortmund, Essen, Duisburg, Oberhausen und Dinslaken.

Die beiden geplanten Teilkonzerne bleiben aber unter dem Dach der Steag, der Gesamtkonzern soll weiterhin „nur als Ganzes verkauft werden“, versicherte Spohn. Von der Zweiteilung erhofft man sich Vorteile beim Verkauf des Energiekonzerns. Diese erleichtere unter anderem den Investoren die Finanzierung. Am Kapitalmarkt würden immer stärker ökologische und soziale Standards sowie die Grundsätze transparenter Unternehmensführung berücksichtigt, so Spohn.

Die Steag-Steinkohlekraftwerke stehen seit dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine wieder hoch im Kurs und sollen vor allem die Versorgungssicherheit am Strommarkt sicherstellen. In den nächsten Tagen kehren auch die saarländischen Anlagen in Bexbach (726 MW) und Weiher (625 MW) aus der Netzreserve zurück in den Markt.

Steag erwartet mindestens Vervierfachung des Ebit im laufenden Jahr

Von diesen Rahmenbedingungen profitiert das Unternehmen aktuell enorm. Laut Brancheninsidern wird für das laufende Jahr mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 960 Mio. Euro (2021: 234 Mio.) kalkuliert, dieses könnte sogar noch höher ausfallen.

"Es wird mit mehreren Kaufangeboten gerechnet"

Der Verkaufsprozess soll im nächsten Frühjahr starten, bis Ende Juni soll ein Vertrag mit einem Käufer unterzeichnet werden. „Das Marktinteresse ist so groß, dass mit mehreren Angeboten gerechnet wird“, heißt es aus gut informierten Kreisen. Ein Kaufpreis von 1,5 bis zwei Mrd. Euro sei aktuell in etwa realistisch, wird kolportiert. Hinterlegt ist das Interesse des tschechischen Energiekonzerns EPH.

Die Ruhrgebietsstädte hatten die Steag Anfang der 2010er Jahre in zwei Tranchen für insgesamt rund 1,2 Mrd.Euro gekauft. Die Transaktion wurde großteils kreditfinanziert. Von den aufgenommenen Geldern sind aktuell noch Darlehen auf Ebene der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft KSBG (dort sind die Steag-Anteile der Städte gebündelt) in Höhe von rund 350 Mio. Euro offen, hinzukommen weitere Darlehen für die laufende Finanzierung des Energiekonzerns bis Ende 2023.

Rund 200 Mio. Euro haben allein die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) bisher in das Steag-Engagement investiert. Stadtwerkechef Guntram Pehlke hatte vor einiger Zeit bereits versichert, dass die Stadt Dortmund bei einem Steag-Verkauf mindestens das eingesetzte Kapital wieder herausbekommen werde. (hoe)

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