Der Karlsruher Energiekonzern EnBW hat ein Halbjahresergebnis unter dem Vorjahresniveau erzielt. Das operative Ergebnis (Adjusted Ebidta) in Höhe von 2,6 Mrd. Euro liegt rund 900 Mio. Euro oder um gut 44 Prozent unter dem Ergebnis der ersten sechs Monaten 2023 (3,5 Mrd. Euro).
Diesen Rückgang führt EnBW auf die außergewöhnlich hohe Handelsmargen bei der Vermarktung der eigenen Erzeugungsmengen im Vorjahreszeitraum zurück. Der auf die Aktionäre der EnBW AG entfallende Adjusted Konzernüberschuss lag im ersten Halbjahr bei 927 Mio. Euro (Vorjahr: 1,65 Mrd. Euro), teilte das Unternehmen am Freitag mit.
Ergebnis im Zielkorridor
Mit dieser Entwicklung sieht sich EnBW im Soll: "Das Halbjahresergebnis spiegelt unsere Erwartungen vollumfänglich wider", sagte Finanzvorstand Thomas Kusterer. Im Vergleich zu einem herausragenden Vorjahr infolge ungewöhnlicher Preisniveaus an den Märkten habe sich das Ergebnis normalisiert. Für das laufende Geschäftsjahr geht der Konzern demnach unverändert von einem Ergebnis in einer Bandbreite von 4,6 bis 5,2 Mrd. Euro aus. "Dies unterstreicht einmal mehr die Robustheit unseres integrierten Geschäftsmodells", so Kusterer.
Höhere Investitionen 2024
In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres hat EnBW seine "Investitionsoffensive zur beschleunigten Umsetzung der Energiewende" fortgesetzt. Insgesamt nahm der Konzern 2,5 Mrd. Euro an Bruttoinvestitionen in die Hand. Das sei um 60 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.
Etwa 90 Prozent der investierten Mittel seien ökologisch nachhaltig im Sinne der EU-Taxonomie, hieß es weiter. Die Investitionen flossen demnach neben dem Ausbau der Offshore-Windkraft vor allem in den Bau CO2-armer, wasserstofffähiger und flexibel einsetzbarer Gaskraftwerke sowie in den Ausbau der Stromtransport- und -verteilnetze.
Neueinstellung von 14.000 Mitarbeitenden
Im Frühjahr hatte EnBW angekündigt, 40 Mrd. Euro bis 2030 in die Energiewende zu investieren. Dies entspricht laut EnBW im Durchschnitt pro Jahr fast dem Doppelten der bisher vorgenommenen Investitionen. Bis dahin muss der Energiekonzern zudem mehr als 50 der heutigen Belegschaft ersetzen. Dies entspricht der Neueinstellung von rund 14.000 Mitarbeitenden. In diesem Kontext sprach EnBW von einer "beispiellosen Einstellungsoffensive".
Für die Investitionsbemühungen brauche EnBW neben den operativen stabilen Erträgen jederzeit jeden Zugang zum Kapitalmarkt. "Im Januar haben wir die im zweiten Halbjahr rückzahlbare Hybridanleihe vorfinanziert. Mit der Begebung von zwei weiteren Grünen Anleihen von insgesamt 1,2 Mrd. Euro haben wir die für 2024 geplante Kapitalmarktfinanzierung bereits zur Jahresmitte erfolgreich in voller Höhe ´grün´ abgeschlossen", so Kusterer weiter.
Reduktion von CO2-Emissionen
Mit dem Erneuerbarenausbau und der Kohleverstromung, die schneller als geplant reduziert wurde, gehen die CO2-Emissionen des Konzerns zurück. EnBW erwartet, dass die CO2-Intensität höchstens auf dem Niveau des Vorjahreswerts liegen wird. Die erwartete Bandbreite passt EnBW für 2024 entsprechend auf 290 bis 350 g/kWh. Ursprünglich lag dieser Korridor zwischen 390 und 450 g/kWh.
In den einzelnen Geschäftsfeldern ergibt sich im Halbjahresergebnis ein heterogenes Bild. So sank das Adjusted Ebitda im Segment Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur um 44 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro zurück. Rückläufig waren auch die Ergebnisse in den Segmenten Erneuerbare Energien (-35%) und Thermische Erzeugung (- 50%).
Im Segment Systemkritische Infrastruktur, das die Transport- und Verteilnetze für Strom und Gas umfasst, stieg das Adjusted Ebitda hingegen um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,2 Mrd. Euro. Zu dem Anstieg führten höhere Erlöse aus der Netznutzung insbesondere durch Rückflüsse aus gestiegener Investitionstätigkeit bei gegenläufig höheren Personalaufwendungen.
Ergebnissprung wegen BMP Greengas
Einen deutlichen Anstieg des operativen Ergebnisses gab es ebenfalls im Segment Intelligente Infrastruktur (173 Mio. Euro), nachdem der Wert im Vorjahreszeitraum bei 21 Mio. Euro gelegen hatte. Grund für die Ergebnisverbesserung ist laut EnBW insbesondere der Entfall von Belastungen aus der Entkonsolidierung des Biomethanhändlers BMP Greengas. Nachdem das Unternehmen Insolvenz angemeldet hatte, hatte EnBW einen Finanzierungsplan vorgestellt und die Gesellschaft später in die Leipziger VNG integriert. Höhere Belastungen gab es hingegen im Bereich Heimspeicher bei der Solartochter Senec, die aktuell ihr Produktportfolio restrukturiert. (am)



