Nach der Gläubigerversammlung vor dem Landgericht Karlsruhe am 12. Dezember steht fest: EnBW übernimmt BMP Greengas und gibt das Unternehmen konzernintern in die Verantwortung von VNG Handel & Vertrieb (VNG H&V) ab, einer Tochter des Leipziger Gaskonzerns VNG. Dieser gehört wiederum mehrheitlich zu EnBW.
Laut Plan will EnBW nun die Biogasaktivitäten im Konzern über "alle Wertschöpfungsstufen" bei VNG bündeln. Für VNG Handel & Vertrieb sei es eine "signifikante Erweiterung ihres Biogasgeschäfts sowie eine Beschleunigung des Transformationspfads hin zu grünen Gasen", teilte EnBW mit. Die Übernahme zahle auch auf die Konzernstrategie "VNG 2030+" ein, in der der Ausbau des Biogasgeschäfts fest verankert sei.
Nur ein Angebot
EnBW habe als einziges Unternehmen ein verbindliches Angebot zur Finanzierung des Insolvenzplans abgegeben. Die Übernahme soll demnach einen symbolischen Betrag erfolgen, hinzu kommen 120 Mio. Euro als freiwillige Zahlung in die Kapitalrücklage hinzu. Zuletzt hatte sich das Biomethanunternehmen Landwärme als Bieter ins Gespräch gebracht. Für seinen Geschäftsführer Zoltan Elek lag das Angebot von EnBW deutlich unter dem tatsächlichen Unternehmenswert.
Heftige Kritik an EnBW
Bei der Gläubigerversammlung wollte Elek ein höheres Angebot für BMP Greengas abgeben. Dazu ist es offenbar nicht gekommen. Unabhängig davon sehen viele Gläubiger die Übernahme des Biomethanhändlers durch EnBW weiterhin kritisch. Die dramatisch veränderte Beschaffungssituation nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine lassen sie als Grund für den finanziellen Kollaps nur bedingt gelten.
Aus dem Umfeld der mit dem Prozess betrauten Unternehmen vernahm ZfK: BMP Greengas habe den "Karren selbst an die Wand gefahren", wie es einer der Gläubiger formulierte. Gegen die Übernahme der Gesellschaft von EnBW streben Unternehmen zudem auch eine Sammelklage an.
Nach ZfK-Informationen wurden von den Forderungen in Höhe von rund 850 Mio. Euro lediglich Ansprüche in Höhe von 500 Mio. Euro anerkannt. Den Kunden hatte BMP Greengas seinerzeit neue Verträge angeboten – und zwar mit deutlich geringeren Liefermengen und zu teureren Konditionen.
Anstatt der 260 alten kamen dann lediglich 99 neue Verträge zustande. Der nun bestätigte Insolvenzplan sieht eine Insolvenzquote von mindestens 19,05 Prozent vor. Damit steht fest, dass die Gläubiger auf dem größten Teil ihres finanziellen Schadens sitzenbleiben. (am)



