Kaum ein anderer Kommunalversorger in Deutschland dürfte derzeit so ehrgeizige Erneuerbaren-Ausbauziele haben wie die Hamburger Energiewerke. Von aktuell 90 Megawatt (MW) Erneuerbaren-Anlagen soll es in den kommenden Jahren auf bis zu 1000 MW hochgehen.
"Wir sind momentan sehr, sehr aktiv, um uns in der gesamten Wertschöpfungskette zu engagieren", sagte Christian Heine, Sprecher der Geschäftsführung des hanseatischen Kommunalkonzerns, im Gespräch mit der ZfK.
Kooperationen statt Solobewerbungen
Die Bandbreite reiche von Projekten auf der grünen Wiese bis hin zu fertigen Projekten, von Flächen-Photovoltaik bis hin zu Windparks. Ausdrücklich mit eingeschlossen seien dabei Windkraftprojekte auf hoher See.
"Das wollen wir natürlich nicht alleine machen, sondern in Kooperationen", sagte Heine mit Blick auf Ausschreibungsvolumen, die üblicherweise im Gigawattbereich liegen. Vorstellbar sei, dass die Energiewerke im Rahmen der Kooperation Scheiben von 200 bis 300 Megawatt erwerben würden. "Damit könnten wir auch unsere Ausbauziele schneller erreichen."
Münchener, Aachener und Darmstädter Vorreiter
In der Vergangenheit waren es in der kommunalen Familie vor allem die Stadtwerke München, die sich mit drei größeren Offshore-Beteiligungen in deutschen Gewässern hervortaten.
Zudem nahm die Aachener Stadtwerkekooperation Trianel zusammen mit mehreren Kommunalunternehmen vor der Nordseeinsel Borkum zwei Offshore-Projekte in Betrieb. Des Weiteren beteiligte sich der Darmstädter Versorger Entega am Windpark Global Tech 1 in der Nordsee. Ansonsten aber galten Windparks auf hoher See bislang vor allem als Spielwiese internationaler Großkonzerne.
"Zu diesen Preisen sind wir raus"
Die Versteigerung von vier Flächen in der Nord- und Ostsee im Juli dieses Jahres verstärkte diesen Eindruck. Für insgesamt 12,6 Milliarden Euro setzten sich die Mineralölriesen BP und Total Energies durch.
"Zu diesen Preisen sind wir raus", kommentierte Sven Becker, Sprecher der Trianel-Geschäftsführung. "Mit dieser Summe baue ich lieber Windräder an Land. Da habe ich zu diesem Preis schon alle Investitionskosten realisiert."
Änderung des Ausschreibungsdesigns
Wie Becker wünscht sich Heine eine Änderung des Ausschreibungsdesigns. Das müsse auch im Interesse der Bundesnetzagentur liegen.
"Denn irgendwie werden diese Milliardenkosten, die die Konzerne hingelegt haben, am Ende in Form hoher Strompreise an die Kunden weitergegeben", sagte er. "Dabei sollte es doch das Ziel sein, dass die Strompreise sinken. Es wäre deshalb schon gut, wenn die Bundesnetzagentur die Auktionsregime noch einmal sehr genau prüft und anders parametrisiert." (aba)
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