Die Vorstände der N-Ergie (von links): Magdalena Weigel, Personal; Josef Hasler, Vorsitzender; Maik Render, Vertrieb.

Die Vorstände der N-Ergie (von links): Magdalena Weigel, Personal; Josef Hasler, Vorsitzender; Maik Render, Vertrieb.

Bild: © N-Ergie

Der Vorstand der N-Ergie zeigte sich angesichts des Ukraine-Krieges und der explodierenden Energiepreise besorgt. Jede zweite Wohnung in Deutschland werde mit Erdgas beheizt und dieses Gas stamme zu 55 Prozent aus Russland, sagte Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender, anlässlich der Bilanzpressekonferenz für 2021.

Sollte es zum Lieferstopp aus Russland kommen, wären die Folgen schwer abzuschätzen. Für die konkreten Abschaltpläne sind die Fernleitungsnetzbetreiber zuständig. "Wir gehen aber nicht davon aus, dass das passiert", sagte Hasler. "Ein Embargo wird es aus unserer Sicht vermutlich nicht geben." Zudem sieht sich der kommunale Versorger angesichts langfristiger Lieferverträge derzeit gut aufgestellt.

Umsatz steigt um fast ein Viertel

Mit dem Ergebnis des Geschäftsjahres 2021 zeigte sich Hasler sehr zufrieden: "Angesichts der weiterhin großen Herausforderungen durch die Pandemie und sehr turbulente Märkte haben wir ein sehr gutes Ergebnis erzielt", sagte der Vorstandsvorsitzende. So stieg der Umsatz um 23,5 Prozent auf 2,84 Mrd. Euro (2020: 2,30 Mrd. Euro). Dafür waren besonders gestiegene Absatz von Strom und Erdgas verantwortlich.

In der Folge betrug das Ergebnis der Geschäftstätigkeit (EGT) 158,2 Mio. Euro (2020: 129,1 Mio. Euro). Die Steigerung resultiert vor allem aus positiven Beiträgen aus dem Geschäftsfeld Energieerzeugung sowie der Auflösung von Rückstellungen für die Beteiligung am Gemeinschaftskraftwerk Irsching, hieß es. Zwar schreibt das Kraftwerk noch keine schwarzen Zahlen, sei aber auf einem guten Weg.

Erdgaspreise steigen im Juni

Im Geschäftsjahr machten dem Versorger die explodierenden Energiepreise zu schaffen. Nicht nur beim Gas, sondern auch bei der Kohle und beim Strom stiegen die Preise seit dem 3. Quartal 2021 um ein Vielfaches. "Wir gehen auch langfristig von einem steigenden Preisniveau an den Märkten aus", kündigte der Vorstandsvorsitzende an.

Deshalb hebt die N-Ergie die Erdgaspreise für Privatkund*innen zum Juni 2022 an. Der Energiepreis steigt um 2,75 Cent pro kWh (brutto), der Grundpreis bleibt unverändert. Weitere Erhöhungen sind keineswegs ausgeschlossen.

14.000 neue Kunden in der Ersatzversorgung

Für Ärger sorgten auch die Pleiten einiger "Energie-Discounter". "Wir haben dadurch 14.000 zusätzliche Kunden in die Ersatzversorgung aufgenommen", sagte Maik Render, Vertriebsvorstand, N-Ergie. Ungefähr 80 Prozent davon seien auch geblieben. Dafür musste das kommunale Unternehmen zusätzlich Energie an den Spotmärkten beschaffen.

Trotzdem verzichtete die N-Ergie auf einen separaten Tarif für Neukunden. "Wir sehen die Grundversorgung auch als eine solidarische Aufgabe", begründete dies Hasler. Auch mit Blick auf die zahlreichen Klagen gegen Stadtwerke wegen der sogenannten "Split-Tarife" sei er mit dieser Entscheidung zufrieden.

Geringere Wechselquote auch dank Ökostrom

Auch ohne die Discounter-Pleiten freut man sich bei der N-Ergie über steigende Kundenzahlen. Auch wechselten Kunden etwas seltener, so Vertriebschef Render. Ein Grund hierfür sei wohl auch das Angebot von 100 Prozent Ökostrom für alle Privatkunden, das ohne Mehrkosten auskomme. "Das hat unser Nachhaltigkeitsimage bei den Kunden bekannter gemacht", sagte Render.

Zudem investiert die N-Ergie weiter in die Erneuerbaren: 2021 gingen vier neue PV-Anlagen mit insgesamt 15 MW peak Leistung ans Netz. In Seinsheim/Wässerndorf ging außerden eine Anlage in Betrieb, die "direkt vermarktet" wird. Der "grüne" Strom geht an die Verkehrsaktiengesellschaft (VAG) Nürnberg, eine Konzerntochter.

1 Mrd. Euro in fünf Jahren

2021 lagen die Investitionen mit 133,7 Mio. Euro auf einem vergleichbaren Niveau wie im Vorjahr. Der größte Anteil fließt mit 52 Mio. Euro in die Stromsparte.

Jedoch sollen die Investitionen stark ansteigen: Allein in den nächsten fünf Jahren sind Ausgaben von über 1 Mrd. Euro vorgesehen. Das entspricht einer Steigerung um 280 Mio. Euro.Neben den Investitionen ins Stromnetz soll dabei auch die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung weiter vorangetrieben werden.

Vorsichtiger Ausblick für 2022

Für 2022 erwartet die N-Ergie ein deutlich geringeres EGT als im Vorjahr. Stabile Geschäftsergebnisse seien nötig, um die Investitionen wie bisher in weiten Teilen aus Eigenmitteln finanzieren zu können und die Verschuldung der Gesellschaft auf einem niedrigen Niveau zu halten, hieß es. (jk)

Mehr zu den Geschäftszahlen der N-Ergie finden Sie ab dem 11. April in der April-Ausgabe der ZfK.

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