Eon zählt in Europa mehr als 52 Millionen Kunden, 14 Millionen davon in Deutschland.

Eon zählt in Europa mehr als 52 Millionen Kunden, 14 Millionen davon in Deutschland.

Bild: © Mona Wenisch/dpa

Der Essener Energiekonzern Eon hat eine Klage wegen unlauteren Wettbewerbs gegen die Stadtwerke Castrop-Rauxel eingereicht. „Wir stehen unseren Kundinnen und Kunden als zuverlässiger Energiepartner zur Seite, das haben wir auch während der Energiekrise getan“, sagt ein Eon-Sprecher auf ZfK-Anfrage. Dabei sei dem Unternehmen insbesondere ein faires Marktgeschehen auch im Sinne der Kunden wichtig.

Deshalb habe man sich für diesen Schritt entschieden, eine Abmahnung hatte man bereits Anfang Dezember ausgesprochen. Ein mündlicher Verhandlungstermin findet am 21. März vor dem Landgericht Bochum statt. Als erstes hatte die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) darüber berichtet.

Der mehrheitlich kommunale Versorger aus dem Ruhrgebiet hatte laut dem Artikel mehr als 4000 Strom- und Gasverträge mit Preisgarantie zum Jahresende 2022 gekündigt. Er verwies dabei auf stark gestiegene Großhandelspreise und erklärten diese Maßnahme für "notwendig, um uns selbst vor existenzbedrohenden Risiken zu schützen".

"Vorgehensweise der Stadtwerke Castrop-Rauxel ist einzigartig"

Die Stadtwerke boten den Betroffenen unter anderem an, sich in die Grundversorgung (Grundversorger in dem Versorgungsgebiet ist Eon) fallen zu lassen. Man würde danach laufend prüfen, ob man günstigere Preise als dort anbieten könnte. Rund 2000 Kundinnen und Kunden sollen solch eine Vollmacht unterzeichnet haben. Die Stadtwerke Castrop-Rauxel gehören mehrheitlich der 75.000 Einwohnerstadt im Ruhrgebiet, rund 49 Prozent hält Gelsenwasser.

„Auf der Höhe der Energiekrise haben wir bei einigen Wettbewerbern die Tendenz gesehen, ihre Kunden im Regen stehen zu lassen. Die Vorgehensweise der Stadtwerke Castrop-Rauxel war dabei jedoch einzigartig: Kunden über eine vorgelegte Vollmacht wieder zurückholen zu wollen – aber erst bei sinkenden Preisen – ist aus unserer Sicht hochgradig unsolidarisch“, so der Eon-Sprecher weiter. Dass sich ein Anbieter durch solch ein Verhalten bewusst seiner Verantwortung entziehe, „ist für uns in keiner Weise nachvollziehbar und nicht im Sinne der Kunden“.

Stadtwerke sind überzeugt, "im Kundeninteresse zu handeln"

Bei den Stadtwerken Castrop-Rauxel ist man nach wie vor überzeugt, im besten Interesse der Kundinnen und Kunden gehandelt zu haben, wie Geschäftsführer Jens Langensiepen der WAZ versicherte.

Eon verlangt als Grundversorger für Strom in Castrop-Rauxel aktuell etwa 31 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Die Strompreise der Stadtwerke Castrop-Rauxel liegen hingegen seit Januar bei rund 70 Cent. Beim Gas erwartet Jens Langensiepen, in Kürze die Preise auf ein Niveau unterhalb der Grundversorgung senken zu können. Man darf gespannt sein, wie viele Kunden dann von ihrer Vollmacht Gebrauch machen. (hoe)

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