Blick auf Deutschlands größten Gasspeicher im niedersächsischen Rehden.

Blick auf Deutschlands größten Gasspeicher im niedersächsischen Rehden.

Bild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Von Artjom Maksimenko

Der Abwärtstrend am Gasmarkt setzt sich fort. Am Montag, 24. November, notierte der Gaspreis am Handelspunkt TTF erstmals seit 18 Monaten unter 30 Euro je MWh. Dies geschah trotz verstärkter Ausspeicherungen während der anhaltenden Kälteperiode. Hinter der Entspannung auf dem Gasmarkt könnte die Einigung auf einen überarbeiteten Friedensplan zwischen den USA und der Ukraine zur Beendigung des Ukraine-Kriegs stehen. Die Reaktion des Marktes fällt damit deutlich optimistischer aus als bei vorherigen, ergebnislosen Verhandlungsrunden.

Zum Handelsbeginn fiel der TTF-Frontmonat-Kontrakt auf 29,85 Euro je MWh. Das Jahresband notierte bei 29,29 Euro je MWh – so günstig war europäisches Erdgas zuletzt im Mai 2024. Damit setzt sich die bearishe Tendenz bereits seit fünf Handelstagen fort. Seit Jahresbeginn hat sich der Rohstoff um etwa 40 Prozent verbilligt.

Friedensverhandlungen drücken Gaspreis

Der Markt scheint damit die Fortschritte in den Genfer Friedensverhandlungen im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu honorieren. Vor Kriegsbeginn war Russland der mit Abstand größte Gaslieferant Europas, doch inzwischen haben viele europäische Staaten ihre Abhängigkeit stark reduziert und weitgehend auf russische Gaslieferungen verzichtet.

Bislang wurde der Preisrückgang vor allem mit Wetterprognosen begründet: In den kommenden Tagen werden steigende Temperaturen in Mitteleuropa erwartet, nachdem ein Kälteeinbruch zuletzt die Nachfrage nach Erdgas angekurbelt hatte. Entsprechend hoch sind derzeit auch die Ausspeicherungsraten.

Ines warnt im Fall eines "extremen Winters"

Laut Daten des europäischen Gasspeicherverbandes GIE waren die deutschen Gasspeicher am 24. November zu 71,15 Prozent gefüllt – nach über 75 Prozent zu Monatsbeginn. Das sollte laut Analyse der "Initiative Energien Speichern" (Ines) im Normalfall reichen, um gut durch den Winter zu kommen. Ein extrem kalter Winter könnte jedoch problematisch werden, da die technischen Kapazitäten dann nicht ausreichen würden, um die Versorgung ohne erhebliche Einsparungen sicherzustellen. Europaweit liegt der Füllstand aktuell bei 79,10 Prozent – allerdings mit rückläufiger Tendenz seit mehr als zwei Wochen.

Der Rückgang beim Gaspreis zeigt jedoch, dass die Entwicklung der Speicherstände derzeit keine Nervosität am Markt auslöst. Auch die Bundesnetzagentur reagierte zuletzt gelassen und betonte, dass sich die Versorgungslage in Deutschland in den vergangenen Jahren grundlegend verbessert habe.

Ein weiterer Grund für die fallenden Gaspreise, obwohl die Ölpreisbindung deutlich an Bedeutung verloren hat, sind die ebenfalls rückläufigen Ölpreise. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar kostete zuletzt 62,29 US-Dollar, die US-Sorte WTI zur Lieferung im Dezember 57,75 Dollar. Zuletzt hatten vor allem Sorgen vor einem Überangebot auf dem Weltmarkt die Ölpreise belastet, nachdem der Ölverbund Opec+ die Fördermengen erneut erhöht hatte. Die Fortschritte in den Friedensverhandlungen zum Ukraine-Krieg wirkten sich hingegen bislang kaum auf den Ölmarkt aus. (mit Material der DPA)

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