Die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs GmbH (WVV) hat zum Jahresbeginn ihre Führungsspitze erweitert. Damit trägt man der Vielfalt an künftigen Herausforderungen, wie Energie-, Wärme- und Mobilitätswende, Rechnung. Neben dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, Thomas Schäfer, gehören jetzt auch Dörte Schulte-Derne und seit Oktober Ralf Willrett (Geschäftsfeld Mobilität) zur Konzernspitze.
Dörte Schulte-Derne leitete zuvor den Vertriebsservice bei Soluvia Energy Services, ein Unternehmen der Mannheimer MVV-Gruppe. In Würzburg ist sie nun auch Vorständin der Stadtwerke Würzburg (STW) und trägt die Verantwortung für die Trinkwasserversorgung Würzburg (TWV), die Wassergewinnung Würzburg-Estenfeld (WW-E), die Mainfranken Netze (MFN), das Kompostwerk Würzburg (KWG) sowie die Würzburger Recycling (WRG).
Frau Schulte-Derne, Sie prüfen die Verwendung von Robotics-und Automatisierungslösungen bei den Stadtwerken Würzburg, auch um die Arbeitgeberattraktivität zu erhöhen. Worum geht es Ihnen dabei genau?
Dörte Schulte-Derne: Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in einem Arbeitsmarkt unterwegs sein werden, der sich stark weiterentwickelt. Themen wie mobiles Arbeiten, eine gute Work-Life-Balance und moderne Arbeitsplätze werden immer wichtiger. Ich sehe da für uns einige Risiken, vor allem aber auch viele Chancen.
Einfache Tätigkeiten, wie das Überprüfen von Daten, können beispielsweise durch Automatisierungslösungen übernommen werden.
Anwendungen aus dem Bereich Robotics können hier beispielsweise helfen, noch smartere Prozesse zu schaffen. Diese können dazu beitragen, dass sich gerade in wirklich sehr fordernden und hochkomplexen Arbeitsbereichen, die Kolleginnen und Kollegen auf die wesentlichen Herausforderungen konzentrieren können. Einfache Tätigkeiten, wie beispielsweise Abtippen und das Überprüfen von Daten, können da durch Automatisierungslösungen übernommen werden. Wir sind gerade in der Vorbereitung und schauen, welche Anwendungsfälle für ein Vorkonzept geeignet sind. Produktiv sind wir mit derartigen Anwendungen derzeit noch nicht.
In der Regel sorgt die Einführung solcher Anwendungen ja für Unsicherheit und kann die Sorge vor Arbeitsplatzverlust vergrößern?
Natürlich geht dieses Gespenst dann immer um. Die Realität ist aber, dass wir nicht genügend qualifizierte Mitarbeitende finden aktuell. Wir suchen in kaufmännischen Bereichen, in der IT, im Ingenieursbereich oder auch bei den Verkehrsbetrieben weitere motivierte Mitarbeitende, welche die Energiewende und die Verkehrswende hin zu einer klimaneutraleren Zukunft mit uns gestalten.
Digitale Kompetenz ist keine Frage des Alters, sondern des Mindsets.
Wenn ich das verfügbare Personal möglichst sinnvoll einsetzen will, ist die Automatisierung einfacher Tätigkeiten ein sinnvoller Weg zur Unterstützung. Ich sehe hier in der digitalen Transformation den zentralen Enabler, um viele technische und auch fachliche Themen künftig schneller zu lösen. Darunter fällt für mich auch das Thema zentrale Datenhaltung. Für ein Haus wie unseres sind verschiedene Berichtspflichten normal, die dazu notwendigen Daten sollten aber nicht zwei- oder dreifach im Haus vorgehalten werden.
Außerdem wird generell, in nahezu jeder Abteilung und jedem Bereich bei uns wichtig, eine digitale Kompetenz mit Blick auf die jeweiligen Aufgaben zu entwickeln. Das ist keine Frage des Alters, sondern des Mindsets. Entscheidend ist, mit welcher Haltung man einer Herausforderung gegenübertritt. Ich bin aktuell beim Thema digitale Transformation aber auch ein Stück weit frustriert.
Was meinen Sie genau?
Die Implementierung von verschiedenen Preisbremsen und verschiedenen Erstattungsmechanismen für Strom, Gas und Fernwärme hat uns beispielsweise unglaublich viel Arbeitszeit gekostet, die uns natürlich für die digitale Transformation fehlt. Ich sehe hier für die Zukunft wirklich große Kostenfaktoren.
In dem Moment, in dem Regierungen Preise definieren und gleichzeitig hoffen, dass die Märkte funktionieren, habe ich große Fragezeichen.
Mit Verwunderung sehe ich etwa, dass die Preisbremsen auf Strom und Gas bis Ende April verlängert werden sollen und gegenläufig dazu Anfang des Jahres möglicherweise die Mehrwertsteuer auf Gas wieder auf 19 Prozent hochgesetzt werden wird. Wenn man die Bürgerinnen und Bürger weiter entlasten will, sollte man lieber die Mehrwertsteuerreduktion, wie ursprünglich gedacht, bis Ende März laufen lassen. In dem Moment, in dem Regierungen Preise definieren und gleichzeitig hoffen, dass die Märkte funktionieren, habe ich als Betriebswirtschaftlerin große Fragezeichen.
(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)
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Wie Würzburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft die Wärmewende umsetzen will und warum Kommunikation bei der Transformation der Energieversorgung für Dörte Schulte-Derne dabei erfolgsentscheidend ist, lesen Sie in einem weiteren Artikel in der Oktoberausgabe der ZfK. Zum Abo geht es hier.



