Die PwC-Berater Philipp Schmidt, Florian Paul Neubert und Caspar Müller (von oben) zeigen, wie mit GenAI ein Prototyp für eine App entwickelt wird.

Die PwC-Berater Philipp Schmidt, Florian Paul Neubert und Caspar Müller (von oben) zeigen, wie mit GenAI ein Prototyp für eine App entwickelt wird.

Bild: © PWC/ Bearbeitung: ZfK

In nur wenigen Minuten erstellt Caspar Müller den Prototypen einer App für einen dynamischen Tarif. Das Modell zeigt den eigenen Stromverbrauch und das Kundenprofil.

Müller, Associate bei PwC und Experte für GenAI-Anwendungen, hat den App-Prototypen mit einer Reihe von KI-Tools gebaut, um der ZfK zu zeigen, welche Chancen die generative KI (GenAI) bietet. Sie kann die Produktentwicklung deutlich beschleunigen.

"Von der Problemdefinition bis hin zu der Dokumentation erster Lösungen oder Geschäftsmodelle vergehen im Fast Track mit generativer KI und den richtigen Tools 30 Minuten", sagt Müller.

Das Bildgenerationstool Ideogram liefert Inspiration für die Gestaltung einer App.

Bild: Ideogram

Galileo AI kann App-Prototypen inklusive HTML-Code erstellen.

Bild: Galileo AI

Mit Business Model Canvas gibt es eine Übersicht zum Vertrieb des Produkts.

Bild: Business Model Canvas

Dabei soll KI den Menschen nicht ersetzen: "Ich sehe GenAI ganz klar als Partner und Ergänzung für uns und Energieversorger in der täglichen Arbeit", sagt Florian Paul Neubert, Senior Manager bei PwC und zuständig für digitale Innovationen und Service Design.

"KI bietet die Möglichkeit, schnell ein großes, umfängliches Bild über ein Produkt und mögliche Problemstellungen zu bekommen." Es sei natürlich nicht so, dass das KI-Ergebnis zu 100 Prozent ausgereift und final ist. "In der Regel bekommen wir 60 bis 80 Prozent unserer Anforderungen erfüllt, aber dafür in einem Prozent der Zeit."

ChatGPT als Ausgangspunkt

Wie bei einem traditionellen Innovationszyklus beginnt die Entwicklung der KI mit einer Definition: Um was geht es eigentlich, wie wird das Problem definiert? Caspar Müller nutzt ChatGPT, um eine Antwort zu erhalten.

Dann fragt er den Chatassistenten, was ein Stadtwerk bei der Implementierung von einem dynamischen Tarif beachten muss und erhält eine strukturierte Liste mit zehn Schritten, an der man sich für die Problemdefinition entlanghangeln kann. Nun soll ChatGPT auch noch die Lösung liefern – und schlägt eine App vor.

Von Prompt zu Prompt

Mit den erhaltenen Informationen schreibt Müller einen Prompt, also einen Arbeitsauftrag, für das Bildgenerationstool Ideogram, um das Layout für eine mögliche App realisieren zu lassen. Ideogram liefert eine Ansicht, die die Benutzeroberfläche einer App zeigt. Dort gibt es etwa eine Übersicht zur Strompreisentwicklung, dem eigenen Verbrauch, einen Button für das Profil und einen Button für den Kundenservice.

Nun will Müller den ersten Prototypen bauen lassen. Er extrahiert wiederum einen Prompt – diesmal für Galileo AI. Mit diesem Programm lassen sich anpassbare Benutzeroberflächendesigns generieren. Das Ergebnis kann auch gleich als Code ausgegeben werden, etwa damit Entwickler weiter an dem Projekt arbeiten können. Das wäre im Entstehungszyklus dann der letzte Schritt: Das Produkt geht in die Entwicklung.

KI unterstütz auch bei der Erstellung des Business-Modells

KI könne auch bei den gängigen Marketingfragen helfen, erklärt Müller. Ein Beispiel dafür ist "Business Model Canvas" – das entsprechend seinem Namen eine Übersicht über ein Geschäftsmodell in Tabellenform erstellt. Darin kommen etwa die Wertversprechen, Kundensegmente, wichtige Partnerschaften, Einnahmequellen oder Kostenstruktur des Projekts vor.

GenAI-Tools schießen derzeit wie Gras aus dem Boden. Es gibt bereits eine Vielzahl, die sich in den Produktentwicklungszyklus einbinden lassen – viele von ihnen sind kostenfrei oder recht günstig. "Es lohnt sich, stetig die Augen offen zu halten", rät Müller, "die technologische Basis entwickelt sich rasant weiter."

KI braucht den Menschen

Wichtig sei, wie bei den meisten Verwendungszwecken von GenAI, dass nicht die KI, sondern der Mensch am Ende stehe. "Für spezifische, emotionale und auch moralische Faktoren braucht es weiterhin den menschlichen Input, etwa durch eine Nutzerbefragung", sagt Neubert.

"KI entwickelt sich zum kontinuierlichen Begleiter, den ich mittlerweile tagtäglich einsetze, weil es schnell und intuitiv geht." – Florian Neubert

Dass KI nun auch in der Produktentwicklung eingesetzt wird, zeigt, welche grundlegenden Änderungen in unseren Arbeitsalltag einziehen. "KI entwickelt sich zum kontinuierlichen Begleiter, den ich mittlerweile tagtäglich einsetze, weil es schnell und intuitiv geht", erklärt Neubert.

Auch Neuberts Kollege Philipp Schmidt, PwC-Partner und Leiter digitale Transformation Energiewirtschaft, sieht die Umwälzung: "Unsere Arbeitsweise ändert sich: Wir konzentrieren uns heute mehr darauf, mit den Daten und Ergebnissen zu arbeiten, statt sie zu erarbeiten." Wichtig sei allerdings, dass es in den Unternehmen klare Richtlinien für das Thema KI gebe. (pfa)

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