Der Vorstandsvorsitzende der Rheinenergie AG, Dieter Steinkamp

Der Vorstandsvorsitzende der Rheinenergie AG, Dieter Steinkamp

Bild: © Rheinenergie

Der Kölner Regionalversorger Rheinenergie beschleunigt die Energie- und Wärmewende vor Ort. Bis spätestens 2035 sollen die komplette Wärme- und die Stromversorgung klimaneutral sein, ursprünglich war das Zieldatum 2040. Dazu hat sich das Unternehmen in einer Vereinbarung mit der Bürgerinitiative Köln verpflichtet. Vorausgegangen war ein Mediationsprozess. Nun soll ein Ratsbeschluss diesen Kompromiss verbindlich machen. Dann will die Initiative auf ein Bürgerbegehren verzichten, in dem eine Dekarbonisierung bis 2030 gefordert wurde. Im ZfK-Interview bezieht Rheinenergie-Chef Dieter Steinkamp Stellung.

Herr Steinkamp, das Bürgerbegehren scheint abgewendet, die Rheinenergie hat sich im Gegenzug verpflichtet, die Dekarbonisierung zu beschleunigen. Wie bewerten Sie den ausgehandelten Kompromiss?
Steinkamp: Wir haben eine gemeinsame, zukunftsgerichtete Strategie entwickelt, die zwei Dinge umfasst. Alles was drin steht, ist in der Form konditioniert, dass es die Entwicklungen der politischen Rahmenbedingungen und des Marktes berücksichtigt. Es gibt immer wieder Validierungsschritte, bei denen wir offenlegen werden, ob wir noch auf dem Zielpfad sind, den wir vereinbart haben.

Wir können nicht alle Herausforderungen heute und allein lösen, vor allem nicht bei der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in einem Ballungsraum wie Köln. Letztlich sind wir übereingekommen, mit dem anzufangen, was wir heute schon vertreten können, und dies konsequent. Alles weitere haben wir auf Basis der heutigen Annahmen vereinbart und werden es bei Vorliegen konkreterer Daten in die eine oder andere Richtung anpassen. Das ist letztlich der Punkt, wo wir und die Vertreter der Bürgerinitiative uns dann auch inhaltlich getroffen haben.

Wir wollen unser Know-how in der Projektentwicklung und die Flächen für den Erneuerbaren-Ausbau im Umland noch stärker zusammenbringen.

Was ist heute schon möglich und wo sind die größten Hebel, um das Ziel einer Dekarbonisierung der Strom- und Wärmeversorgung bis 2035 zu erreichen?

Das eine ist ein beschleunigter Ausbau Erneuerbarer Energien, sowohl bundesweit als auch im Rheinland. Das können wir insgesamt in der Kooperation mit Stadtwerken und Energieversorgern aus der Region noch besser lösen. Wir haben entsprechendes Know-how in der Projektentwicklung, die Flächen befinden sich aber eher bei den Stadtwerken im Umland. Das wollen wir künftig noch stärker zusammenbringen. Das andere ist zum Beispiel eine umfassende Solaroffensive in der Stadt Köln. Dazu muss aber auch die Stadt handeln und entsprechendes Planungsrecht schaffen, etwa für Freiflächen oder Floating-PV.

Die Stoßrichtung der Forderungen der Bürgerinitiative ist für mich persönlich nachvollziehbar.

Die größte Herausforderung wird die Wärmewende in Köln. Wie wollen Sie die Wärme in Köln sukzessive grüner machen?
Es wird nur in einem Mix verschiedener Technologien möglich sein. Dazu zählen Großwärme- und Wärmepumpen, Klärschlamm, Wasserstofftechnik und der Einstieg in die Umstellung von KWK-Anlagen auf grüne Gase. Die Spielräume sind dabei von den Rahmenbedingungen abhängig. Grundsätzlich wollen wir das auch in der Wärmeversorgung deutlich konsequenter umsetzen in den nächsten drei, vier Jahren.

Als Verantwortlicher eines auf der kommunalen Daseinsvorsorge basierenden Unternehmens spüre ich noch stärker die Pflicht gegenüber den Kunden und der Gesellschaft als vor vielleicht fünf oder zehn Jahren, echte Beiträge zum lokalen Klimaschutz zu leisten – obwohl wir da spätestens seit den sechziger Jahren immer zielgerichtet unterwegs waren. Stichwort Aufbau Fernwärme und Kraft-Wärme-Kopplung. Insofern ist die Stoßrichtung der Forderungen der Bürgerinitiative für mich persönlich auch nachvollziehbar, nur dass die ursprünglich geforderte Dekarbonisierung bis 2030 betriebswirtschaftlich und volkswirtschaftlich nicht vertretbar gewesen wäre.

Eine pragmatische Herangehensweise mit glaubhaften Modellierungen hat uns geholfen:

Sie haben in einer Pressekonferenz vor einigen Wochen gesagt, die Rheinenergie gehe bei den Verhandlungen an die Grenzen des technisch und wirtschaftlich Machbaren. Können Sie heute schon beziffern, was Sie das kosten wird?
Wir fangen jetzt an mit einer Solaroffensive und einer Beratungskampagne zum Beispiel für Mieterstrom. Ebenso ertüchtigen wir unsere konventionelle Erzeugung und beginnen, diese zu vergrünen, etwa durch die Ablösung der letzten Braunkohlenanlage und deren Teilersatz durch Klärschlamm. Dazu ändern wir das Stromportfolio für unsere Kunden. Natürlich haben wir uns den Preis für die Transformation angeschaut. Ein solch tiefgreifender Wandel in solch kurzer Zeit kostet Geld.

Trotzdem sind wir überzeugt davon, unseren Zieldreiklang aus Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Bezahlbarkeit der Energie zu erhalten.  Eine pragmatische Herangehensweise mit glaubhaften Modellierungen hat uns bei den Gesprächen mit der Bürgerinitiative geholfen. Wir werden uns sicherlich auch in Zukunft konkreter zu den finanziellen Aspekten des Themas öffentlich äußern – wenn wir einzelne Schritte und Module unserer Transformation näher vorstellen.

Die Bürgerinitiative hat akzeptiert, dass wir wirtschaftlich prosperieren müssen, um die Klimaziele für Köln zu erreichen.

Was hat letztlich den Ausschlag gegeben, dass dieser Kompromiss zustandegkommen ist?
Wir sind am Anfang sicherlich etwas skeptisch aufeinander zugegangen. Am Ende haben wir jetzt ein klares Ergebnis, von den Zielen her waren wir ja nicht weit auseinander, es ging vor allem um Wege und Zeiträume. Wichtig war die Einigkeit darüber, dass wir aus heutiger Sicht bestimmte Teilziele an künftige Entwicklungen koppeln müssen. Deswegen gibt es auch ein transparentes Monitoring zur Prüfung des Erreichten und zur Justierung des noch Folgenden.

Wir haben uns im Rahmen der Gespräche deutlich aufeinander zubewegt und es geschafft, auch ein besseres Verständnis füreinander zu finden. Wichtig auch: Die Bürgerinitiative hat akzeptiert, dass wir wirtschaftlich prosperieren müssen, wenn wir die Klimaschutzziele für Köln realisieren wollen. Und dass es besser gemeinsam geht, als eisern ein Ziel zu verfolgen, das uns am Ende die wirtschaftliche Basis entzogen hätte – mit erheblichen Folgen für die Stadt und die Region.

(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper