Investitionen in die Energieinfrastruktur sind derzeit durch Unsicherheit massiv gehemmt. Für den Ausbau bis 2030 werden über 400 Milliarden Euro benötigt – Geld, das vorhanden ist, aber nicht abgerufen wird, sagt Malte Küper vom Insitut der deutschen Wirtschaft im Interview mit der ZfK. Dabei verweist er auf den Transformationskompass 2025 des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Wirtschaftsvereinigung der Grünen, der Ende Juni erschienen ist.
Herr Küper, wie stark sind Energieversorger von der herrschenden Investitionszurückhaltung und Planungsrisiken betroffen?
Die deutsche Wirtschaft steckt momentan in einer Investitionsstarre. Das bremst nicht nur die Transformation, sondern gefährdet auch unsere Wettbewerbsfähigkeit. Energieversorger spüren das natürlich ganz direkt: Allein für den Ausbau der Energieinfrastruktur brauchen wir bis 2030 über 400 Milliarden Euro. Die gute Nachricht lautet: Das notwendige Kapital dafür ist vorhanden. Es kann jedoch nur mobilisiert werden, wenn ein verlässlicher Rahmen für langfristige Finanzierung, regulatorische Stabilität und gezielte Anreize geschaffen wird und die Risiko-Rendite-Profile von Transformationsprojekten attraktiv für Investoren werden.
Welche konkreten Impulse oder Hemmnisse identifiziert der Kompass für die Vertreter der Energiebranche?
Unsere Befragung zeigt klar: Das größte Hemmnis ist die unklare rechtliche Lage, dicht gefolgt von unsicheren politischen Rahmenbedingungen. Was mich besonders nachdenklich stimmt: Fast jedes dritte Energieversorgungsunternehmen nennt gesellschaftliche Widerstände als große Hürde. Zum Vergleich: In der Gesamtwirtschaft ist es nur jedes zehnte. Das zeigt: Auch wenn es bereits viele Bemühungen zur Einbindung und Kommunikation gibt, braucht es bei gesellschaftlichen Fragen weiterhin starkes Engagement, um die Akzeptanz vor Ort zu erhalten.
Wie können Rahmenbedingungen konkret verbessert werden, um Investitionen in grüne Technologien anzureizen – etwa bei Förderprogrammen, Regulierung oder Netzrenditen?
Ein Schlüssel liegt darin, den Zugang zum Kapitalmarkt für die Transformation zu erleichtern. Gerade kleinere Energieversorger brauchen hier Unterstützung – zum Beispiel durch regionale Investitionsplattformen, die helfen, Projekte zu bündeln, zu standardisieren und für Investoren attraktiv zu machen. Diese Intermediäre ermöglichen Capacity-Building für Akteure wie Stadtwerke, die sich zunehmend dem Kapitalmarkt zuwenden müssen, um die Energiewende zu stemmen. Staatliche Garantien können ihnen den Zugang zu Kapitalmärkten über Anleiheemissionen ermöglichen.
Gleichzeitig müssen wir die Kreditfinanzierung und Risikoabsicherung verbessern: Langfristige Transformationskredite und öffentliche Garantien reduzieren Finanzierungsrisiken für Unternehmen mit hohem Investitionsbedarfen. Eigenkapitalfonds helfen insbesondere kleineren Unternehmen, für die der Zugang zu Eigenkapital bislang schwer ist – gerade bei kapitalintensiven Anfangsinvestitionen.
Angesichts der geopolitischen Unsicherheiten und hoher Energiepreise: Welche Rolle können Versorger bei der Sicherung regionaler Versorgungssicherheit und Standortattraktivität spielen?
Gerade in der Industrie herrscht vielerorts große Unsicherheit über die zukünftige Energieversorgung – etwa mit Blick auf die Anbindung an das Wasserstoffkernnetz oder den Zugang zu preiswertem Strom. In dieser Situation sind regionale Ansprechpartner unverzichtbar: Sie kennen die Gegebenheiten vor Ort und können Unternehmen dabei unterstützen, wirtschaftlich tragfähige und klimafreundliche Geschäftsmodell umzusetzen.
Hilft das Investitionspaket dabei?
Ja, das Investitionspaket schafft dringend benötigte Spielräume, um viele Maßnahmen, die konzeptionell bereits von der Ampel-Regierung erarbeitet wurden, endlich in die Umsetzung zu bringen: Entlastungen beim Strompreis, bessere Investitionsbedingungen, moderne Infrastrukturen. Entscheidend ist, dass die Politik diesen Schwung nutzt und den Fokus stärker auf die Umsetzung legt, statt sich in Zieldebatten zu verlieren.
Was fordern Energieversorger heute konkret von der Politik, um die Transformation nicht nur mitzugehen, sondern auch mitzugestalten?
Unsere Befragung zeigt: Energie- und Wasserversorger sehen die Transformation überwiegend als Chance. Damit unterscheiden sie sich deutlich von fast allen anderen Branchen, in denen sich die Stimmung in den vergangenen zwei Jahren spürbar eingetrübt hat. Die Versorger gehen also nicht nur mit – sie gestalten die Entwicklung aktiv mit. Ein zentraler Erfolgsfaktor: Zwei von drei Unternehmen dieser Branche sind eng vernetzt, sei es mit anderen Unternehmen oder mit der Wissenschaft. Zum Vergleich: In der Gesamtwirtschaft gilt das nur für jedes vierte Unternehmen. Dieses Zusammenspiel ist ein echter Hebel für Fortschritt.
Das Interview führte Artjom Maksimenko
Das Interview ist in einer gekürzten Fassung in der aktuellen Printausgabe der ZfK erschienen. Hier geht es zum E-Paper.



