Die Stadtwerke Karlsruhe erwirtschafteten im vergangenen Geschäftsjahr einen Jahresüberschuss nach Ertragssteuer in Höhe von 21,7 Mio. Euro. Die Jahresbilanz der Karlsruher Versorgungs-, Verkehrs-, und Hafen Gesellschaft (KVVH) war hingegen weniger erfolgreich. Insgesamt knapp elf Mio. Euro Verlust musste der Konzern hinnehmen. Zwar konnte das Minus durch Gewinnvorträge aus den Vorjahren abgedeckt werden. Der Bilanzgewinn von gut 11 Mio. Euro ist dennoch ernüchtern.
Maßgeblich für das Ergebnis war laut Geschäftsbericht der Rückgang des operativen Geschäfts um 5,6 Mio. Euro auf ein Minus von 9,7 Mio. Euro, sowie das schlechte Finanzergebnis von minus 14,5 Mio. Euro. Hintergrund der Negativzahlen war das Ausbleiben der Dividende aus dem EnBW-Aktienpaket bei gleichzeitig, steigenden Zinsaufwendungen aufgrund hoher Investitionen. Die KVVH steckte insgesamt 272,3 Mio. Euro und damit 37,6 Mio. Euro mehr als im Vorjahr in Sachlagen und immaterielle Vermögensgegenstände. Allein die Stadtwerke und ihre Netztochter als Mitglied der Gruppe investierten über 59 Mio. Euro in den spartenübergreifenden Ausbau und die Sanierung der Netze. Darüber hinaus schlugen 10,3 Mio. Euro für die energetische Umrüstung des Verwaltungsgebäudes zu Buche.
Karlsruher "Kombilösung" als Kostenfresser
Im operativen Bereich hatten vor allem die Verkehrsbetriebe mit Verlusten zu kämpfen. So waren die Fahrgastzahlen mit 104,3 Mio. im Vergleich zum Vorjahr mit 106,4 Mio. leicht rückläufig. Deutliche Ergebnisbelastungen resultieren zudem aus der „Kombilösung“ der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (KASIG). Der Bau des Stadtbahntunnels, sowie der Umbau des Straßenbahnnetzes verschlang allein im vergangenen Jahr 157,3 Mio. Euro. Als erfreulich erweisen sich hingegen die Umsatzerlöse: Mit einem Plus von 4,2 Mio. Euro könnte der Konzern 716, 9 Mio. Euro umsetzen.
Erlösrückgänge im Erdgassegment standen der Absatzsteigerung durch Neukundenakquise im Stromgeschäft gegenüber. Die Versorgung mit Strom, Gas und Fernwärme stemmt mit 80,4 Prozent nach wie vor den Löwenanteil am Umsatz. Die Stromvertriebsmenge stieg 2017 um fast 14 Prozent. Auch bei der Fernwärmeversorgung konnten die Stadtwerke 1,5 Mio. Euro mehr als im Vorjahr bilanzieren, was unter anderem am Netz-Ausbau liegen könnte: Ende des Jahres waren über 34 000 Wohnungen am Netz, für über 5300 Wohnungen bestehen Anschlussaufträge, so dass das Ziel 40000 Wohnungen unter Vertrag zu haben bereits zwei Jahre früher erreicht wurde. In Sachen Erdgas lagen die Tarif- und Heizgasmengen nur geringfügig unter denen von 2016. Durch den Verlust eines Großkunden waren jedoch sowohl die Mengen als auch die Erlöse insgesamt rückläufig.
Stadt greift in Finanzlage ein
Das vergangene Jahr lief für die KVVH nicht „zufriedenstellend“, heißt es abschließend im Geschäftsbericht und auch eine Besserung sei vorerst nicht in Sicht. Die Inbetriebnahme der „Kombilösung“ wird weiter ins Geld gehen und trotz eingeleiteter Kostensenkungsmaßnahme für Verluste sorgen. Als Gesellschafter plant die Stadt Karlsruhe nun die Finanzsituation zu stabilisieren. So wurden 94 Prozent der Geschäftsanteile der Stadt Karlsruhe an der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft mit Wirkung zum 1.Januar 2018 auf die KVVH übertragen. Die Integration der AVG soll sich positiv auf das KVVH-Ergebnis auswirken. (ls)



